Die Krise kennt keine Tageszeiten!

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Telefonseelsorge Symbolbild mit Bibel
In der Nacht kommen Ängste hoch – und Ablenkungen, wie Einkaufen oder Spazierengehen sind nicht möglich. Die Mitarbeitenden der Telefonseelsorge sind immer erreichbar. Foto: epd/F

 

 

Die Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge begleiten, trösten und geben Hoffnung

Menschen geraten in Krisen Tag und Nacht. Von daher sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TelefonSeelsorge rund um die Uhr erreichbar, in ganz Deutschland in über hundert Standorten, davon 16 in Bayern. In der neuen Serie „Mitten im Leben – Seelsorge und Beratung“ stellen wir je einen Bereich der Seelsorge der Evangelischen Kirche in Bayern vor.

„Wie gut, dass Sie da sind!“ Der Anrufer ist erleichtert. Ängste quälen ihn und seine Gedanken erdrücken ihn. „Ich verzweifle an der Welt. Alles, was so passiert, ist furchtbar. Corona, die Flutkatastrophe, Skandale, Afghanistan…“. Der Anrufer wirkt halt- und hoffnungslos.

Die Ehrenamtliche am Telefon hält seine Ängste mit aus, lässt diesen verzweifelten Menschen erzählen und schenkt ihm ihre Aufmerksamkeit. Die ehrenamtliche Telefonseelsorgerin bietet dem Anrufer schließlich noch eine Übung an, in der der Anrufer spüren kann, dass er gehalten wird.

Die Ruhe im Gebet

Allein das „Erzählen können“ hilft ungemein, bestätigt Birgit Zimmer, Leiterin der TelefonSeelsorge in Rosenheim. „Viele dieser verzweifelten Anrufer und Anruferinnen sind offen für Glaubensfragen, sodass oft am Ende des Gesprächs ein Psalm, Gebet oder Segen stehen kann“, sagt Birgit Zimmer. „Es kehrt dann eine Ruhe ein, und die Anrufenden wirken spürbar berührt. Für einen Moment in dieser Nacht ist der Anrufer mit seinen vielen Ängsten aufgefangen, gehalten. Wer weiß, wann er uns wieder braucht und anruft.“

Gut ausgebildete Ehrenamtliche begleiten Menschen in Krisen am Telefon, per Mail und per Chat. Die Nachfrage ist groß. Die Mail- und Chatbegleitung werde gerade von jungen Menschen sehr häufig genutzt, so Birgit Zimmer. „Doch auch das Telefon ist nach wie vor gefragt. Viele Menschen möchten wenigstens einmal am Tag mit jemanden sprechen, anonym und im Vertrauen, möchten sich austauschen mit jemanden über Themen und Fragen, die sie in ihrem persönlichen Umfeld Niemanden anvertrauen würden.“ 

Die Angst in der Nacht

In der Nacht sei es für viele Anrufende besonders schlimm, weiß Birgit Zimmer aus ihrer langjährigen Erfahrung in der TelefonSeelsorge. „Da kommen Ängste hoch, und Ablenkungen, wie Einkaufen oder Spazierengehen sind nicht möglich.“ Manchmal, berichtet sie, gerät ein Mensch in der Krise an seine äußerste Grenze. Er denkt an Suizid. Und sieht keinen anderen Ausweg. „Wie gut, wenn er es schafft, bei uns anzurufen. Dann haben wir eine Chance, ihn durch diese existenzielle Krise zu begleiten.«

„Wenn Sie nicht da wären, hätte ich mir längst schon das Leben genommen“, schreibt eine Frau an Michael (Name geändert), der sie per Mailseelsorge viele Wochen begleitet hat. Von ihrem gewalttätigen Ehemann wurde sie zusammengeschlagen und vergewaltigt, bis sie im Krankenhaus gelandet ist. Die Ehrenamtlichen der TelefonSeelsorge sind da für die Menschen, halten Unfassbares mit aus, begleiten, trösten verzweifelte Seelen und versuchen, Hoffnung zu geben. Gelingt das, dann empfinden die Ehrenamtlichen ihren Dienst in der TelefonSeelsorge.“

Kontakt: 

Sie erreichen die Telefon-Seelsorge unter Telefon (0800) 111 0 111 oder Telefon (0800) 111 0 222. Oder online per Mail und Chat unter https://www.telefonseelsorge.de

Krisen-Kompass: die App der Telefon-Seelsorge zur Sofort-Hilfe, Kontakten und Unterstützung bei Suizid

Weiterführende Informationen: 

https://handlungsfelder.bayern-evangelisch.de/handlungsfeld4.php, https://www.evangelisches-sonntagsblatt.de, https://www.sonntagsblatt.de

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