Warmes Essen für Menschen ohne Wohnung

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Die Ehrenamtlichen (von links) Gerlinde Nehr und Anneliese Sörgel kochen in der Ansbacher Wärmestube mit anderen Engagierten für Dutzende Gäste. Christiane Behlert von der KASA und Martin Reutter als Vorstand dieses Diakonischen Werkes Ansbach e.V. unterstützen sie. Foto: Borée
Die Ehrenamtlichen (von links) Gerlinde Nehr und Anneliese Sörgel kochen in der Ansbacher Wärmestube mit anderen Engagierten für Dutzende Gäste. Christiane Behlert von der KASA und Martin Reutter als Vorstand dieses Diakonischen Werkes Ansbach e.V. unterstützen sie. Foto: Borée

In der Wärmestube der Ansbacher Diakonie kochen Ehrenamtliche dreimal in der Woche

Sie wissen nie, wie viele Gäste kommen – wenn sie kochen. „Zwischen 16 und 30 Menschen“, schätzen Gerlinde Nehr und Anneliese Sörgel. Die beiden Ehrenamtlichen sind regelmäßig fast wöchentlich in der Wärmestube der Ansbacher Diakonie e. V. zu finden. Sie kochen wechselweise in einem Team von rund acht Aktiven dort dreimal die Woche ein warmes Mittagessen. 

Ihre Gäste sind Menschen aus schwierigen Wohnverhältnissen oder aus temporären Herbergen. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Ansbach bietet das Diakonische Werk ihnen eine Aufenthaltsmöglichkeit an. Tagsüber von Montag bis Mittwoch sind sie in den Räumen des Diakonischen Werkes willkommen – an den anderen Tagen kümmert sich die Kommune. Die Räumlichkeiten des Diakonischen Werkes liegen zentral in der Karolinenstraße, nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Dort befinden sich neben der Küche und dem weiträumigen Ess- und Aufenthaltsraum auch Duschen und die Möglichkeit, die Wäsche zu waschen.

Im Essraum steht bereits der Tannenbaum. Zum Nikolaustag erhielten alle Gäste auch eine Schoko-Figur. Und am Tag davor fand eine Adventsfeier statt: Anneliese Sörgel bereitete Sauerbraten vor, dazu gab es Blaukraut und Knödel. „Es war ein schönes Bild“, freut sie sich. Das Menü war wie jedes Essen für 1,50 Euro zu haben. Das sei auch für ihre Gäste tragbar und würde eine gewisse „Wertschätzung für das Essen“ gewährleisten. Natürlich ist dieser Preis keineswegs kostendeckend, ebenso wenig wie der „kleine Zuschuss von der Stadt“, den sie für die Einkäufe bekommen. So ist die Wärmestube für die Zutaten auf Spenden angewiesen – gerne auch von haltbaren Lebensmitteln. Jede Nudeltüte, jede Kaffeepackung entlastet, wissen die Engagierten. Diese kontinuierliche Arbeit – gerade auch im Vergleich zu den saisonalen Angeboten der Vesperkirchen – ist ihnen wichtig. 

„Und dann kennen die Gäste bereits unsere Räumlichkeiten“, ergänzt Christiane Behlert. Sie ist bei der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (KASA) beim Diakonischen Werk Ansbach e.V. tätig. „Zu meinem Aufgabenbereich gehört auch die fachliche Betreuung der Wärmestube in Ansbach“, berichtet sie. Den Verantwortlichen dort bedeutet es viel, die Hemmschwellen für Beratungsmöglichkeiten so gering wie möglich zu halten. Gerne können die Gäste zu ihr kommen, um individuelle Beratungs- oder Hilfsmöglichkeiten zu besprechen. 

Ein Gast etwa bekam erst kürzlich nach einem Herzinfarkt einen Krankenhausaufenthalt vermittelt. Das ist für Personen, die im Zweifel keine ausreichende Krankenversicherung haben, natürlich besonders schwierig. Nun hat er „eine Pflegestufe bekommen“ und eine Betreuerin, die sich um ihn kümmert. Ein anderer Gast bekam über die Diakonie ei-nen Rollator, den er dringend benötigte. Doch es war offenbar nicht ganz so einfach, dass er dies Hilfsangebot auch annehmen konnte. Von der Migrations- bis zur Suchtberatung hat die Diakonie weitere Beratungs- und Vernetzungsmöglichkeiten.

Die Köchinnen haben es durchaus im Blick, wenn jemand von ihren Gästen einige Zeit nicht wiederkommt. So gibt es eine gewisse Gewähr, dass diese nicht einsam, hilflos und krank in Notquartieren bleiben. Andererseits werden „unsere Gäste immer jünger“, haben Gerlinde Nehr und Anneliese Sörgel beobachtet. Die Armut weitet sich nach ihren Beobachtungen immer mehr aus.

Sie sind auch aktiv bei der Tafel der Diakonie, die samstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet ist. Auch da steigt der Andrang. Teils kommen da bis zu 120 Menschen, die zum Einkauf berechtigt sind. 

„Wir wollen aber keinen Aufnahmestopp“, betont Pfarrer Martin Reutter als Vorstand des Diakonischen Werkes Ansbach e.V. Eher hält er es für möglich, dass manche im Notfall nur noch alle zwei Wochen kommen. Hier sind bis zu 50 Ehrenamtliche – bis hin zu den Fahrern für die Lebensmittelspenden und Organisatoren – tätig.

Auf keinen Fall aber sind Wärmestube und Tafel konkurrierende Angebote. Allein schon durch Überschneidungen bei den Engagierten wird dies deutlich. Daneben richten sie sich an unterschiedliche Zielgruppen. Zur Tafel etwa kommen zumeist Menschen, die ihre Lebensmittel selbst kochen können, obwohl natürlich auch die Ausgabe von Obst oder ähnlichem für den direkten Verzehr möglich ist. 

Zum Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember, war es jetzt der Diakonie in Ansbach ein Anliegen, die Arbeit aller aktiven Ehrenamtlichen zu würdigen, ohne die ihre Arbeit deutlich eingeschränkter wäre. Gerade die Ausgabe der frisch gekochten warmen Essen wäre ohne die freiwillig Engagierten nicht möglich, erklären Martin Reutter und Christiane Behlert. Für die aktiv Helfenden gibt es als Dankeschön gemeinsame adventliche Essen – in aller Ruhe.

Kontakt zum Diakonischen Werk Ansbach e.V., Karolinenstraße 29, Tel. 0981/96906-0, E-Mail: geschaeftsstelle@diakonie-ansbach.de, dort auch Absprache von Spendenmöglichkeiten, https://www.diakonie-ansbach.de