Heiliges „Trotzdem“ gegen die Angst

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über den ungläubigen Thomas

Am Abend, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Angst vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh. Dann spricht Jesus: Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen. Thomas aber, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und meine Hand in seine Seite, kann ich’s nicht glauben. Nach acht Tagen war Thomas wieder bei ihnen. Kommt Jesus, tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Da spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 

Joh 20, 19ff in Auszügen

Der Herr ist auferstanden!“ Gottes Lebenskraft ist stärker als der Tod, seine Treue beständiger, seine Liebe tiefer. Das ewige Leben beginnt. Thomas formuliert Zweifel, ich auch.

Jesus lässt sich darauf ein und lässt Thomas die Wirklichkeit der Auferstehung körperlich erleben. 

Das hätte ich auch gern erfahren! Meine Erfahrungen sind nicht so unmittelbar. Thomas ist mir nahe.

Die Jünger waren Juden und hatten mit „den Juden“ kein Problem. Aber es gab einen Konflikt zwischen Unterdrückten und ihren Unterdrückern, den römischen Soldaten, Befehlshabern und deren Helfershelfern. Es gab Grund zur Angst. Der Evangelist wollte den späteren Antisemitismus nicht. Sein Angst-Wort widerstrebt der Botschaft der Auferstehung, die sagt: Gottes Lebenskraft und Liebe schafft Versöhnung. 

Aber trotzdem die Angst, die Grundsünde und das Hauptproblem aller, die Menschen denken, fühlen, reden und tun lässt, was allen schadet! Wer aber die Lebenskraft und Liebe Gottes versteht, hat keinen Grund mehr, sich und anderen zu schaden. Die Überwindung der Angst ist Schlüssel und zugleich Auftrag.

Jesus bezeugt: „Du brauchst keine Angst haben. Alles ist in Ordnung zwischen dir und Gott.“

So ist die Ostererzählung eine Traumaverarbeitung. Aus verstörten Jüngern und Jüngerinnen wurden kommunikations-, handlungs- und liebesfähige Menschen. Sie entwickelten und lebten gute Visionen des Lebens. Das heilige „Trotzdem“ spiegelt sich in dem Lied „Jesu, meine Freude“ (EG 396). In Vers drei heißt es: „Trotz dem Alten Drachen, trotz dem Todesrachen, trotz der Furcht dazu! Gottes Macht hält mich in acht.“

Mit dem heiligen Trotz kehrt Frieden ein und lässt wie Dietrich Bonhoeffer beten: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, / erwarten wir getrost, was kommen mag. / Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, / und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Frank Witzel, Traumatherapeut und Pfarrer im Dekanat Würzburg

für Springerdienste und „Kirche an anderen Orten“