„Sportliches“ Verschmelzen der Dekanate

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Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz stellten (von links) Monika Lothes, Helga Nitzsche, Dr. Manuél Ceglarek, Dr. Dorothea Greiner, Markus Rausch, Jürgen Hacker, Maximilian Simon und Dr. Christine Senger das neue Dekanatskonzept für Oberfranken vor. Foto: Sahlmann (PR)
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz stellten (von links) Monika Lothes, Helga Nitzsche, Dr. Manuél Ceglarek, Dr. Dorothea Greiner, Markus Rausch, Jürgen Hacker, Maximilian Simon und Dr. Christine Senger das neue Dekanatskonzept für Oberfranken vor. Foto: Sahlmann (PR)

Tiefgreifende Veränderungen für die Kirchenorganisation in Oberfranken

Nicht nur in der Region Ansbach-Würzburg – wie vergangene Woche dargestellt – sondern auch in Oberfranken gibt es tiefgreifende regionale Veränderungen. Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner und mehrere Dekane sowie Vorsitzende der Dekanatssynoden stellten kurz vor Ostern das Konzept vor:

„Wenn ich in den Ruhestand trete, wird meine Stelle zwar wieder besetzt“, so Greiner, „und doch werden in den kommenden Jahren aus den drei nördlichen Kirchenkreisen Bayreuth, Ansbach-Würzburg und Nürnberg zwei neue Kirchenkreise entstehen. Auch die drei südlichen Kirchenkreise München, Regensburg und Augsburg werden reduziert auf zwei.“ Deshalb soll auch die Regionalbischofsstelle von Augsburg anders als in Bayreuth nicht mehr ausgeschrieben werden.

Daneben sollen die drei Dekanatsbezirke Bad Berneck, Bayreuth und Pegnitz eng zusammenrücken: „In Zukunft soll der neue Dekanatsbezirk Bayreuth zwar zwei Sprengel haben, doch nur noch ein gemeinsames Dekanat und Büro in der Mitte in der Kanzleistraße 11 in Bayreuth“, erläuterte Dorothea Greiner. Auch das Büro für Dekan Manuél Ceglarek wird in Zukunft in Bayreuth sein. Der Predigt- und Sprengeldienst in Bad Berneck entfällt. Es sei angedacht, dass Ceglareks Predigtkirche in Zukunft St. Georgen sein wird.

Ferner gehörte der Dekanatsbezirk Pegnitz bislang zu den kleinsten in der Landeskirche. So stand eine Fusion außer Frage – unklar war zunächst noch ihre Richtung: Entweder zusammen mit den Dekanatsbezirken Forchheim und Gräfenberg zu einem Dekanatsbezirk Fränkische Schweiz oder in Richtung Bayreuth-Bad Berneck. Zu letztgenannten Orten gibt es schon länger mehr Gemeinsamkeiten – auch politisch im Landkreis Bayreuth. Außerdem gehört das Dekanat Pegnitz der Verwaltungsstelle Bayreuth, dem Kindertagesstättenzweckverband und dem Schulreferat an. Der Pegnitzer Dekan Markus Rausch wird Anfang 2025 sein Leitungsamt aufgeben und in Vollzeit als Pfarrer tätig sein.Bisher betrug sein Anteil an dem Dekansamt 44 Prozent der Dienstzeit. 

Außerdem ergänzte Regionalbischöfin Greiner: „Da in der Kirchengemeinde Bad Berneck der bisher geleistete Sprengeldienst fehlt, bekommt die Kirchengemeinde Bad Berneck bis zur folgenden Landesstellenplanung eine halbe Gemeindepfarrstelle zugewandt. Sie kann ab Anfang 2025 besetzt werden.“ Sie fügt hinzu: Im Dekansamt soll ein „Leitungsanteil von 75 Prozent und mehr“ angepeilt sein.

Gleichzeitig werden die Aufgabenschwerpunkte der Dekane in Bayreuth neu verteilt. Schwerpunkt der Aufgaben von Dekan Ceglarek sind – wie bisher – die Bereiche Diakonie, Erwachsenenbildung und Evangelische Jugendarbeit. Von den bisherigen Aufgaben Dekan Jürgen Hackers übernimmt er die Verantwortung für die Studierendenseelsorge, die Familienbildungsstätte und die Seniorenarbeit.

Gleichzeitig gibt Dekan Jürgen Hacker die Personalverantwortung für vier Kirchengemeinden in der Stadt Bayreuth ab und übernimmt zu seinen Aufgaben in der Region Bayreuth-Stadt Südwest und Hummelgau die Personalverantwortung und Dienstaufsicht für die zwölf Pegnitzer Kirchengemeinden. 

Ferner bilden im Dekanatsbezirk Pegnitz die Gemeinden Betzenstein und Hüll nun vor der kommenden Kirchenvorstandswahl im Oktober einen gemeinsamen Kirchenvorstand. In Bayreuth gehen die Pfarreien der Altstadt und der Auferstehungskirche zusammen.

Zeitlich sind die Perspektiven für die neue Kooperation „sportlich“. Bis Juni ständen laut Dekan Ceglarek die „Räume der Zusammenarbeit (etwa beim gottesdienstlichen Leben oder der Konfirmandenarbeit)“ und die Neuverteilung der „Regionen im neuen Dekanatsbezirk sowie ihr genauer Zuschnitt“ in der Diskussion. „Wir werden klären, wie sich in Zukunft sowohl die gemeinsame Dekanatssynode wie auch der gemeinsame Dekanatsausschuss zusammensetzt.“ Ein Strategieteam mit Präsiden (also den Vorsitzenden der Dekanatssynoden), den Dekanen und ihren Stellvertretenden sowie berufenen Ehrenamtlichen entwickelt in drei Sitzungen mögliche Optionen für diese Fragen. Bereits auf den Dekanatssynoden Ende April wird dies Konzept vorgestellt werden. „Die Kirchenvorstände können bis 2. Mai zur angedachten Dekanatsneugründung eine Rückmeldung geben.“ 

Auch mit „Blick auf die bevorstehenden Kirchenvorstandswahl im Herbst dieses Jahr“ sei diese schnelle Entwicklung „ein großer Vorteil. Im Frühjahr 2025 werden sich die neuen Dekanatssynoden konstituieren und die neuen Dekanatsausschüsse werden gewählt.“

Dies bestätigte die ehrenamtliche Präsiden Monika Lothes von der Dekanatssynode Pegnitz: „Ich finde, es macht auch Sinn, dass nach der Kirchenvorstandswahl nicht zwei Dekanatsausschüsse und zwei Dekanatssynoden gewählt werden müssen, die dann über kurz oder lang nicht mehr in dieser Form bestehen können. Was mir allerdings Sorgen macht, ist der enge Zeitplan, der in kurzer Zeit sehr viele Termine und Sitzungen erfordert.“

Dr. Christine Senger von derselben Dekanatssynode fasste zusammen: „Die geplante Bildung eines gemeinsamen Dekanatsbezirkes Bayreuth bedeutet eine Zusammenarbeit in Verwaltungsstrukturen und Nutzung von Synergieeffekten.“ Doch der Zeitrahmen erscheint ihr wegen „komplexer Zusammenhänge vor allem für die Ehrenamtlichen sehr herausfordernd“.

Helga Nitzsche, Vorsitzende der Dekanatssynode Bayreuth-Bad Bern-
eck, ergänzte dabei die positiven Aspekte: „Die Realität erfordert Veränderung. Veränderung ermöglicht neue Sicht und Wahrnehmung und ich sehe darin Herausforderung und Gewinn für die Beteiligten. Ich sehe bei diesem gegenseitigen Blick und im Sprechen und Denken miteinander deutlich den Gewinn, den wir alle für unsere Aufgabe in diesem neuen Dekanatsbezirk haben.“ 

Im Dekanatsbezirk Bayreuth-Bad Berneck würden bereits Kirchengemeinden bei mehreren Aufgaben und Anlässen zusammenwirken.

Ähnlich beschrieb es auch Maximilian Simon von der Dekanatssynode Bayreuth-Bad Berneck mit dem Bild von Bewegung, die die drei Faktoren „Veränderung, Anstrengung und Zielperspektive“ beinhalte.

Auch im Bereich der Diakonie wird auf verstärkte Zusammenarbeit gesetzt. Das scheint längst nicht alles zu sein: Auch die Dekanatsbezirke Kulmbach und Thurnau gehen mit Bayreuth-Bad Berneck auf einen großen Dekanatsbezirk Oberfranken-Mitte zu.