Wir haben sie getrennt voneinander befragt

465
Die Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt der Landesbischöfin oder des Landesbischofs, Oberkirchenrat Wolfgang Kopp (von links), Direktorin Gabriele Hoerschelmann, Dekanin Nina Lubomierski und Dekan Klaus Schlicker stellten sich den Fragen aus der Synode.Foto: Bek-Baier
Die Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt der Landesbischöfin oder des Landesbischofs, Oberkirchenrat Wolfgang Kopp (von links), Direktorin Gabriele Hoerschelmann, Dekanin Nina Lubomierski und Dekan Klaus Schlicker stellten sich den Fragen aus der Synode.Foto: Bek-Baier

Kandidatinnen und Kandidaten fürs Bischofsamt stellten sich den Synodalen offiziell vor

Am 27. März wählt die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB)eine neue Landesbischöfin oder einen neuen Landesbischof. Gut eine Woche vor der Wahl stellten sich in der Nürnberger Gustav-Adolph- Gedächtniskirche die Kandidatinnen und Kandidaten offiziell den Synodalen vor. 

Nachdem sie sich vor einigen Wochen der Öffentlichkeit vorgestellt hatten (wir berichteten) stellten sich die Kandidatinnen und Kandidaten nun den Synodalen vor. Nach ihren Selbstvorstellungen gab es diesmal eine unterhaltsame aber auch durchaus interessante Befragung, bei der sich noch einmal neue Facetten der Sichtweisen und auch Persönlichkeiten ergaben. Es war sicherlich gewollt, dass Roland Gertz, Direktor des Evangelischen Presseverbands, im Stil einer Unterhaltungssendung, die Kandidatinnen und Kandidaten „getrennt voneinander befragte“. Und dennoch hatten Fragen und Antworten Tiefgang. 

Gabriele Hoerschelmann, Direktorin von Mission EineWelt

„Wo würden Sie nach einer Wahl zur Landesbischöfin in ihrem Amt zuerst hinfahren?“, fragte Gertz. Gabriele Hoerschelmann, die Direktorin von Mission EineWelt, würde zuerst in die verschiedenen Regionen Bayerns fahren, um die Menschen kennenzulernen. „Auf was freuen Sie sich am meisten im neuen Amt?“ Sie freue sich darauf mitten in der Kirche zu sein. „Vor was hätten Sie am meisten Respekt?“ Die Herausforderungen der Zukunft seien groß, wesentlich sei es, die bereits laufenden Reformprozesse gemeinsam zu Ende zu bringen. 

„Was würden Sie anders machen als Ihr Vorgänger, Heinrich Bedford-Strohm?“ „Ich glaube, dass in seiner Zeit die Veränderungsprozesse nicht so massiv eine Rolle gespielt haben, wie sie es in den nächsten zehn Jahren spielen werden“, antwortete Hoerschelmann. Die Strukturen müssten künftig intensiver verändert werden. 

„Wie stehen Sie zu den Themen Ukrainekrieg und deutsche Waffen, den Klebeaktionen der ,Letzten Generation‘ und Assistiertem Suizid?“ Hoerschelmann: „Wir müssen die Ukraine unterstützen.“ Man habe keine andere Wahl, wenn es um die Sicherheit Europas geht. Der Klimaschutz sei Anliegen der Kirche, die Aktionen der Aktivisten könne sie nicht unterstützen, sie setze da auf Dialog. Als Frau der Kirche stünde für sie im Vordergrund Suizidprävention zu betreiben, Menschen durch Begleitung Leben zu ermöglichen.

Die nächsten Fragen zielten auf die persönliche Einstellung der Kandidierenden: „Wie antwortet man einem jungen Taxifahrer bei einer kurzen Fahrt, auf die Fragen, ob es sich lohnt in der Kirche zu bleiben, wie geht es der Kirche und was ist Glaube für Sie?“ „Kirche ist ein Lebensraum und Segensraum für alle Fragen des Lebens und ein Raum der Gemeinschaft“, so Hoerschelmann. Die ELKB sei eine starke und innovative Kirche mit großem Traditionsbewusstsein. Der Mitgliederschwund würde der Kirche zu schaffen machen. Glaube sei für sie eine Lebensentscheidung. 

Münchner Regionalbischof Christian Kopp

Der Münchner Regionalbischof Christian Kopp freue sich auch am meisten auf die Kontakte mit den Menschen in allen Bereichen Bayerns und wolle mit ihnen etwas bewegen. Respekt habe er „vor der unvorstellbaren Fülle an Aufgaben. Eine so riesige Organisation mit vielen engagierten Menschen am Laufen zu halten, sei eine Herausforderung.“ 

Zur Ukrainefrage sagte er, „Frieden schaffen ohne Waffen ist für uns eine absolute Maxime. Wenn aber jemand so Völkerrecht bricht, muss es anders gehen.“ Für die Klimaaktivisten habe er „eine ganz große Bewunderung für den Ernst mit dem sie sagen, es ist zehn nach Zwölf, jetzt helfen nur noch richtige Lösungen.“ Beim Thema Assistierter Suizid sei der „Denkraum“ den die Landeskirche eröffnet habe, der richtige Weg. Er wolle nicht zu stark in eine Polarisierung kommen und das Gespräch zu allen Positionen suchen. 

Zum Taxifahrer würde er sagen, „Die ELKB ist eine unglaublich lebendige Organisation – ein Mitarbeiter besser als der andere.“ Der Glaube stärkt ihn persönlich, diese Erfahrung habe er in seiner Zeit in der Evangelischen Jugend gemacht. 

Landshuter Dekanin Nina Lubomierski

Ihr erster Weg als Bischöfin würde die Landshuter Dekanin Nina Lubomierski zur Diakonie, die ihr sehr am Herzen liegt und zu ihren Einrichtungen führen. Ihr Konfirmationsspruch sei „Auf Gott hoffe ich und fürchte mich nicht“, das trägt sie durch alles, was auf sie zukommt. 

Was anders machen als der Vorgänger? Landesbischof Bedford-Strohm strahle überall wo er hinkomme Menschenfreundlichkeit aus. Wenn es das Amt nicht gäbe, müsse man es neu erfinden. Auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Fragen findet sie wichtig. 

Waffen an die Ukraine? „Als Kirche halten wir den Diskurs offen. Wir brauchen beides, Verhandlungen und auch eine wehrhafte Ukraine.“ Mit den Friedensgebeten leiste die Kirche einen unglaublich wichtigen Beitrag und sie kümmere sich stark um Flüchtlinge hier im Land.

Klimaschutz: Sie verstehe die Ängste der jungen Menschen. Die Kirche sei auf dem Weg klimaneutral zu werden. „Und da müssen wir uns mit aller Kraft anstrengen“. Für sie sei auch ein Assistierter Suizid ein Suizid, sagte sie auf die Frage danach. Sie mahnte mehr Verantwortung in der Berichterstattung der Medien an. Suizid sei ansteckend. Bei der Taxifahrt würde sie sagen, dass sich die ELKB mit vielen mutigen Projekten auf den Weg macht. Der Glaube sei ein ständiges Gespräch für sie und er gebe Halt. „Mit unserer Botschaft können wir in dieser Zeit der Krisen Menschen unterstützen.“ 

Bad Windsheimer Dekan Klaus Schlicker

Der Bad Windsheimer Dekan Klaus Schlicker würde zuerst in die Gemeinde Geslau fahren, wo er als Vikar angefangen habe, seinen Weg in der Kirche zu gehen, Gottesdienst feiern und dann zusammen bei einem Kaffee reden. Als Landesbischof würde er sehr gerne viele Menschen kennenlernen. „Ich kann gut zuhören, was Menschen bewegt.“ Da würde er gerne hören, was die Basis bewegt. Auch er würde von sich sagen, er sei gleichzeitig fromm und politisch, allerdings mit etwas anderen Akzenten als der bisherige Bischof. Zu den Waffenlieferungen sagte Schlicker, „Was wir tun, ist schwierig“. Man, dürfe die Ukraine nicht allein lassen. Man müsse aber auch aufpassen, dass Russland sich nicht in die Enge gedrängt fühlt. „Wir müssen auf die Politiker einwirken, dass alles getan wird, dem entgegenzuwirken.“ Suizid: „Als Kirche stehen wir ganz stark für den Lebensschutz“, so Schlicker. Er setzt auf die Arbeit der Kirche. Die Taxifragen: „Wir haben eine Botschaft, die in guten und schweren Zeiten trägt, ohne Glauben könnte ich nicht leben. Der Glaube ist die Grundlage meines Lebens.“