Teil 13: Pfarrer Martin Geisler

Martin Geisler
Pfarrer Martin Geisler (sitzend) mit seiner Frau Daniela und Kirchenvorsteher Friedrich Steinbauer Foto: Leykamm

Kalbensteinberg. Eigentlich hat es Martin Geisler richtig gut: Er darf als Pfarrer mitten im Fränkischen Seenland wirken - dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Und genau für diejenigen, welche Seenidylle genießen wollen, ist er als Urlauberseelsorger auch der Ansprechpartner. Zumindest die Hälfte seiner Arbeitszeit. 

Zur anderen Hälfte kümmert er sich um seine Schäfchen in einer Doppelgemeinde, die eine Landkreisgrenze teilt. Fünfbronn gehört zur Gemeinde Spalt und damit in den Landkreis Roth. Ein kurzer Spazierweg davon entfernt liegt Kalben­steinberg als Ortsteil der Gemeinde Absberg und somit Teil des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen. Es gibt zwei verschiedene Kirchenvorstände - und dazu kommt noch eine gemeinsame Sitzung.  

Bevor Geisler hier seinen Dienst antrat, war er das Gegenteil gewohnt. In der Diaspora hatte er auf Flächen von bis zu 400 Quadratkilometern eine einzige Gemeinde betreut. Die andere Herausforderung wartet vor allem an den Ufern des Fränkischen Seenlandes auf ihn. Als Urlauberseelsorger hält er dort Gottesdienste vor bis zu 200 Besuchern - unter anderem an den mitterweile überregional bekannten Schäferwagenkirchen. Dem freiheitsliebenden Naturell des gebürtigen Nürnbergers kommt das sehr entgegen: "Als Urlauberseelsorger kann ich völlig frei predigen", sagt der 57-Jährige.

Seegottesdienste auf dem Schiff, Radltouren, Ökumenischer Pilgerweg und vieles mehr - Geisler hat im Sommer immer sehr viel vor. Doch auch in den kälteren Jahreszeiten ist er als Urlauberseelsorger beschäftigt, bildet sich weiter, nimmt an Tagungen teil und so weiter. 

Seine Schäfchen in Kalbensteinberg und Fünfbronn darf er dabei natürlich nicht vernachlässigen, ist dort doch ein äußerst reges Gemeindeleben zu verzeichnen. Und damit aber auch ein hohes Maß an Engagement. Der Vertrauensmann des Kirchenvortands Kalbensteinberg, Friedrich Steinbauer, hilft dem Pfarrer mittlerweile als Pfarramtssek­retär. In Bauangelegenheiten und als Lektor bringt sich wiederum Hermann Krauter als Mitglied des Fünfbronner Kirchenvorstands ein. Auch Geislers Ehefrau Daniela hat ihre Arbeit als Keramikerin an den Nagel gehängt, um ihren Mann besser unterstützen zu können. Und in seiner Mehrfachbelastung hat Geisler noch einen besonderen Trumpf im Ärmel: "Ohne unsere Ruhestands-Pfarrer würden wir hier untergehen", bekennt er. Trotzdem bleibt im August "eine Woche purer Stress", gesteht er außerdem. Doch letztlich findet er sein zweigeteiltes Aufgabengebiet spannend und abwechslungsreich. Und für seine Schafe freut sich der Hirte erst recht. Denn ansonsten wären seine Pfarrgemeinden als fünftes Rad am Wagen der Nachbargemeinde einverleibt worden - und es gäbe dort keine eigenen sonntäglichen Gottesdienste mehr.

                                    Jürgen Leykamm