''Du bist nicht allein''

Brücke
Foto: Bek-Baier

Der Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: "Ich bin zu jung", sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr.

                     aus Jeremia 1,4-10

Könntest du dir vorstellen, eine Jugendgruppe zu leiten?" Der blonde Junge zuckte bei dieser Frage etwas zusammen. Dann sagte er leise: "Ich muss mir das erst noch überlegen." Vorausgegangen war Folgendes: Die Konfirmandengruppe sollte eine Woche in den Ferien auf die Burg Wernfels zur Freizeit fahren. Doch Maxi wollte nicht mit. "Was soll ich da?", dachte er. "Meine Ferien verbringe ich lieber zuhause." Die Eltern blieben jedoch hart und hielten sich an das, was am Anfang des Konfirmandenunterrichts vereinbart worden war: In den Ferien geht es auf die Burg Wernfels. Maxi war missmutig in den Bus gestiegen. "Das werden Ferien. Spiel und Spaß und alles ohne Fernsehen", grummelte er. Wider Erwarten gefiel es Maxi auf der Konfirmandenfreizeit so gut, dass er im nächsten Jahr gleich wieder mitfuhr. Er wurde ein zuverlässiger Betreuer, ein Kumpel, den die Jugendlichen sehr mochten.

Schließlich stellte einer der Jugenddiakone ihm die Frage, ob er selbst eine Jugendgruppe leiten wolle. Auf diese Frage hin schossen ihm selbst tausend Fragen durch den Kopf: Bin ich nicht zu jung? Was sagen meine Freundinnen und Freunde dazu? Habe ich überhaupt Zeit dafür? Habe ich denn gute Ideen? Eigentlich bin ich doch gar nicht so fromm. Ob Gott mich überhaupt da haben will?
Maxi willigte schließlich ein.

Und nach den Ferien, als die erste Gruppenstunde begann, saßen 23 Jungs und Mädchen im Jugendraum und freuten sich auf die gemein­same Zeit. Maxi war zwar noch ­etwas aufgeregt, aber mit der Aufgabe wuchsen auch seine Fähigkeiten. Mit Leib und Seele ist er heute in der Jugendarbeit aktiv und überlegt, sie zu seinem Beruf zu machen.

Was doch so ein kleiner Anstoß bewirken kann! Da sieht einer im anderen schon die Fähigkeiten, von denen er selbst noch gar nichts weiß. Beim Propheten Jeremia war es Gott, der es ihm zutraute, sein Wort als Prophet auszurichten. Gott kennt ihn durch und durch. Er ist der, der Jeremia im Mutterleib bereitet hat. Er kennt Jeremia besser als der sich selbst. Also weiß er, was er ihm zutrauen kann. Jeremia kommt mit Ausreden. Er sagt: "Ich bin zu jung." Er hält sich nicht für reif genug, dieses Amt zu übernehmen. Vielleicht spricht aus seinen Worten auch die Angst, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein.

Doch Gott spricht ihm Mut zu. "Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir." Jeremia ist nicht allein. Gott steht an seiner Seite und Gott sieht weiter. Er sieht in ihm schon viel mehr, als Jeremia über sich selbst wissen kann.

Es tut gut, zu hören, dass Gott Begabungen sieht und fordert. Damals war es Jeremia, den er als Prophet für die Völker berufen hat. Vor ein paar Jahren war es Maxi, der den Ruf zum Jugendleiter hörte und annahm. In diesem Jahr sind es viele Frauen und Männer, die gefragt werden, ob sie Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher werden möchten. Die Gemeinschaft der Getauften wird gerufen, Gottes Wort zu hören und auszurichten. Oft lautet auch da die Antwort: "Ich bin noch nicht reif genug. Ich habe keine Zeit. Ich traue mich nicht."

Wie gut tut es da zu hören: "Du bist nicht allein auf dich gestellt. Hier ist jemand, der deine Ängste kennt. Gott ist da, der dich liebt und braucht."

             Susanne Memminger, Pfarrerin, Bindlach

Gebet:

Himmlischer Vater, ich bitte dich um die Kraft, mit dem Anvertrauten zu deiner Ehre und zum Wohl des Nächsten umzugehen. Amen.

Lied 240:

Ihr seid das Volk

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