Editorial: Wohin wollen wir? Woher kommen wir?

Susanne Borée
Susanne Borée

Ein eisiger Wind weht, während ich diese Zeilen schreibe. Nicht nur draußen über die verschneiten Felder und Berge. Nein, zunehmend erscheinen die Diskussionen über mögliche Wege, die unsere Gesellschaft einschlagen kann, härter und bitterer. Wohin wollen wir? Das scheint ungeklärt. Aber immer öfter auch die Frage: Woher kommen wir?

Erinnerungskultur oder Dialogkultur? Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus zum 27. Januar gibt es diesmal beides auf den Innenseiten unseres Sonntagsblattes: Die mittleren Seiten diskutieren, wie Vergegenwärtigung unter veränderten Ausdrucksformen auch für heute fruchtbar werden kann. Direkt nach den Mittelseiten zeigt Sabine Meißner gleich anschließend, wie selbst die Evangelische Kirche in Berlin während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter beschäftigte. Erst seit kurzem stellt sie sich dieser Verantwortung. (Mehr dazu finden Sie in unserer gedruckten Ausgabe)

Umrahmt sind die Mittelseiten von zwei Ausstellungen: In ihnen geht es auf den ersten Blick um Formen der Verständigung: Unter dem Titel "Welcome to Jerusalem" hat das Berliner Jüdische Museum eine große Themenschau zu der Frage "Wem gehört Jerusalem?" gestaltet. Vertreter der verschiedenen Positionen kommen ausdrücklich gleichgewichtig zu Wort.
   Nur wenige Gehminuten vom Jüdischen Museum entfernt zeigt der Gropiusbau eine Ausstellung kostbarer Manuskripte. Sie zeigen eindrücklich, wie Gelehrte und Übersetzer aller drei Religionen im Mittelalter gemeinsam darum rangen, Wissen zu überliefern und weiterzuentwickeln. Die Ausstellungsstücke sind nicht nur künstlerisch beeindruckend. Nein, sie wärmen auch das Herz. Sie zeigen eindrücklich auf, dass es sich lohnt, gemeinsam den Weg des Dialoges weiterzugehen.

Jetzt soll ein Antisemitismusbeauftragter Hass und Vorurteile bekämpfen. Dies lässt sich jedoch nicht bei einem Amt abladen. Nein, es sollte eine Aufgabe und ein Anliegen für jeden Menschen sein.

Ein Ringen um die Wahrheit darf nicht zur Abwertung anderer Positionen führen. Wenn eine solche Gefahr besteht, hat es schon diesen Weg verlassen. "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben", bekannte schon Jesus. Die drei Aspekte gehören zusammen: Wahrheit suchen, heißt sich auf einen Weg zu begeben. Und sie kann nicht zur Erstarrung führen, meint

Susanne Borée

Außerdem lesen Sie unter anderen in unserer gedruckten Ausgabe vom 24. Juni 2018:

- Der Ökumenische Rat der Kirchen wird 70 - ''Er ist genau das, was die Welt braucht!''

- Kein Frieden für alle in Sicht: Das ''Friedensgutachten 2018'' wurde in Berlin vorgestellt und kommentiert

- Versteinerte Psalmen: 25 Jahre Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt

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