Backformen
Backformen in Gestalt eines Eisernen Kreuzes. Foto: Borée

Wie formten die Geistlichen ferner die Gedenkkultur?

Und die Geistlichen beerdigten Gefallene - entweder noch auf dem Schlachtfeld, oder auf einem Soldatenfriedhof, an dessen Anlage sie meist beteiligt waren. Auch damit prägten sie Formen des Gedenkens. Nur etwa die Hälfte der zwei Millionen deutschen Gefallenen bis 1918 fand ein bekanntes Grab. Angehörige wünschten sich oft ein Foto vom Grab in Flandern oder den Vogesen. Soweit das militärisch möglich war, kamen die Einheiten diesem Wunsch nach. Es blieb oft die einzige Erinnerung an den Tod und formte das Gedenken. Ein Besuch der Gräber war nur schwer möglich und dann auch erst Jahre nach dem Krieg.

Die weiten Felder voller gleichförmiger Kreuze in Reih und Glied, nur mit Namen, Dienstgrad und Sterbedatum - sie verursachen Gänsehaut. Der zivile Beruf, oder dass jemand vier Kinder hatte - wäre das nicht viel erinnerungswerter, wenn natürlich schwieriger herauszufinden.

Eine ganz moderne Rauminstallation zum Gedenken unternimmt das Nürnberger "Dokumentationszent­rum Reichsparteitagsgelände". Dies Gebiet wählten die Nazis nicht zufällig für ihre Parteitage. Denn es lag direkt neben dem monumentalen Gefallenenehrenmal und der "Ehrenhalle" zum Gedenken an die Gefallenen aus den 1920er-Jahren. Vom Strandkorb und Liegestuhl aus präsentiert es jetzt den Besuchern eine Installation, wie der Schrecken in den warmen Badesommer 1914 einbrach. Auf der riesigen 37 Meter langen Leinwand der Panoramaprojektion erscheinen collagenhaft Filmausschnitte, Bilder und Zitate, die zeigen, wie eine ganze Generation in die Uniformität des Schreckens gezwungen wurde. Oft erscheinen während der halbstündigen Schau gleichzeitig mehr Informationen als sie aufnehmbar sind. Doch auch das machte die Überflutung durch den Krieg greifbar.

In seinem Innenhof hat auch das  Nürnberger Stadtarchiv durchbrochene Spiegel in Form eines eisernen Kreuzes installiert, die Fotos und Aufrufe aus dem Weltkrieg reflektieren. Darum herum gruppiert es den möglichst kleinteiligen Kriegsalltag gerade in der Heimat: Fotos, Briefe, Erinnerungen, Spielzeug oder eiserner Schmuck aus Granatenhülsen machen Alltagserfahrungen greifbar. An viele Stücke dort jedoch will man nicht gerne gedenken. Dazu gehören auch jene Backformen in Form eines Eisernen Kreuzes, mit denen Plätzchen zum heldenhaften Verzehr geformt werden konnten. Auch das formte Erinnerungen!   

                                            Susanne Borée

Installation im Dokumentationszent­rum Reichsparteitagsgelände bis 11.11. werktags 10–17 Uhr, am Wochenende ab 11 Uhr jeweils zur vollen Stunde. Mehr unter www.museen.nuernberg.de/dokuzentrum

Schau im Stadtarchiv Nürnberg, Marientorgraben 8, bis 17.12. montags bis donnerstags 8.30–17 Uhr, freitags bis 21 Uhr, sonntags 10–17 Uhr. Mehr unter www.nuernberg.de/internet/stadtarchiv

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