Blick auf das Gute

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Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Inge Wollschläger

„Drei Dinge zum Lob“ – so nannten ein Freund und ich eine kleine Aktion im Internet. 

Jeden Tag erzählten wir von drei Dingen, die uns an diesem Tag froh gemacht hatten. Begonnen hatten wir, als wir vom Tagesgeschehen sehr erschöpft waren. Kriegsnachrichten und Elend in manchen Teilen der Welt, Krankheiten, mit denen man sich plötzlich auseinandersetzen musste, und unangenehm pöbelnde Menschen an der Supermarktkasse. Ein jeder Tag hat seine eigene Plage. Und dann hatte der Freund auch noch großes Pech mit einer Reparatur an seinem Haus. Ihm reichte es! Alles in allem waren wir eines Abends verzagt. 

Doch jeder Tag hat auch immer etwas Gutes. Manchmal ist es nur sehr gut versteckt – das Gute im Schlechten. Noch während wir von den Missgeschicken und dem vielen Elend berichteten, kam uns eine Idee: Ob sich etwas bei uns selbst ändern würden, wenn wir auch die guten Geschichten erzählen würden? Was, wenn wir den Fokus auf das Gelungene, das Gute und Heile lenken würden? Zwei Wochen wollten wir dieses Experiment mit „anderen“ Erlebnissen füllen und in unseren sozialen Netzwerken berichten.

An manchen Tagen war es ganz leicht. An anderen musste man schon sehr gründlich suchen. Einmal war es nur eine Bratwurst zwischen Tür und Angel, die gut schmeckte und tröstete, dass alles andere schief ging. 

Nach einer Woche machten die ersten Freunde und Bekannten mit. Andere schrieben uns an, dass die schon jeden Tag auf „gute Nachrichten“ warteten. 

„Ach Freund; es gehört viel Mut dazu, in der Welt nicht missmutig zu werden!“ Diesen klugen Satz, der Goethe zugesprochen wird, las ich in dieser Zeit und er hätte nicht besser passen können. 

Vieles ist in unserer Welt nicht in Ordnung. Das ist so und daran ändert auch keine Aktion im Internet etwas. Und gleichzeitig gibt es aber auch das, was richtig gut ist. Was gelungen ist. Was hell ist. Und über das auch berichtet werden darf. 

Aktuell warten wir auf das, was uns Christen in dieser Welt froh macht – die Geburt eines Kindes. Bald hören wir aus allen Kirchen ein „Oh du fröhliche!“. Wir erzählen uns die Geschichte, wie einer kam, der uns heil machen kann. Das ist definitiv eine gute Botschaft – inmitten unser aller Leben. Eine frohe Adventszeit!