Adventshoffnung für Kirche mit kleiner Kraft

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Adventliche Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Regionalbischöfin Gisela Bornowski

Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids … Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet. Siehe, ich werde einige schicken aus der Versammlung des Satans … Siehe, ich will sie dazu bringen, dass sie … erkennen, dass ich dich geliebt habe. Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen. Ich komme bald; halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme! … 

aus Johannesoffenbarung 3, 7–13 

Nach der neuen Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung schreitet die Entkirchlichung in schnellen Schritten voran. Das macht etwas mit mir und mit vielen anderen haupt- und ehrenamtlich Engagierten. Da haben wir uns jahrelang für die Kirche eingesetzt, und dann das. Gegenüber der bedrängten frühen Christenheit geht es uns noch gut. Deren prekäre Lage ist Anlass der Johannesoffenbarung, bei der es sich um einen Brief an sieben Gemeinden handelt. Jede von ihnen wird in einem eigenen Abschnitt angesprochen, Sendschreiben genannt. In ihm tritt Jesus Christus auf und tadelt oder lobt die jeweilige Gemeinde. 

In den sieben Sendschreiben ist bestimmt auch unsere Kirche mitgemeint. Das mehrfache „tut Buße“ lässt mich schmerzhaft daran denken, dass unsere Kirchen zu lange sexualisierte Gewalt geduldet haben. Im Predigttext selbst lobt Christus die Gemeinde in Philadelphia: „Denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.“ Die „kleine Kraft“ umschreibt gut, was die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung herausgefunden hat, auch dass immer weniger Mitglieder mit Religiosität und einem Christusbezug etwas anfangen können. Doch wir wollen der Versuchung widerstehen, ohne Christus auszukommen. Unzählige Mitarbeitende tragen Woche für Woche die Botschaft von Jesus in die Kitas, Schulen, Häuser, Gottesdienste und insgesamt in die Öffentlichkeit. Das soll auch künftig so bleiben.

Dann gilt die Verheißung, dass Christus zu uns steht. Es berührt mich, dass er zur Gemeinde in Philadelphia sagt, „dass ich dich geliebt habe“. Ich glaube: Christus liebt auch unsere bayerische Landeskirche.

Indem der Text von „Versuchungen“ spricht, erscheinen unsere Herausforderungen wie eine Prüfung, die sportlich zu nehmen ist, denn am Ende gibt es eine „Krone“ als Preis. Bis dahin brauchen wir „Geduld“. Wegen dieses Wortes ist der Text dem 2. Advent zugeordnet. Da wird in uns die Sehnsucht nach einem Zustand geweckt, in der die Bedrängnisse der Vergangenheit angehören. Christus wird seine Kirche schon zurechtbringen. Darauf freue ich mich.

Regionalbischöfin Gisela Bornowski, Kirchenkreis Ansbach-Würzburg

Lied 7: O Heiland, reiß die Himmel

Gebet: Jesus Christus, als Kirche haben wir nur eine kleine Kraft. Aber du liebst deine Kirche. Derzeit läuft vieles nicht gut. Wir sehnen uns nach besseren Zeiten. 

Darauf hoffen wir in deinem Namen. Amen.