Sich Gottes Heil anvertrauen

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über gutes Zusammenleben

Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. 

Jakobus 5, 13–16

Der Jakobusbrief ist eine Bedienungsanleitung zum Christsein: Denn er wendet sich den ganz praktischen Dingen aus dem Alltag zu. Der Verfasser will klarmachen, dass christliches Leben sich auswirkt, dass man etwas tun kann und sollte. Und das fängt vielleicht dann auch ganz klein an. Mit einem stillen und verzagten Gebet oder auch mit einem zufriedenen Summen einer Melodie. Alles im Angesicht Gottes.

Jakobus ist viel vorgeworfen worden: Er habe eine „stroherne Epistel“ geschrieben urteilt Martin Luther, dem zu wenig von der Gnade Gottes die Rede war. Und andere entdeckten angeblich zu wenig vom Heilshandeln Jesu Christi. 

Es lohnt sich, den Jakobusbrief einfach für sich sprechen zu lassen. Vielleicht ist er an Gemeinden geschrieben worden, die sich ganz gut an ihr Christsein gewöhnt hatten. Es war klar, dass man in die Kirche ging, Gottesdienst feierte und sich Bibeltexte anhörte. Aber das war es bei vielen dann auch. Und deshalb schreibt der Verfasser seine Bedienungsanleitung für einen christlichen Alltag. 

Dabei macht er in unserem Text auch vor Leid und Krankheit nicht Halt. Er ermutigt, sich auch dann an Gott zu wenden. Denn alles geschieht ja vor Gott. Der Verfasser vertraut darauf, dass es hilft zu beten.

Beten lässt sich schwer fassen, denn es ist ja keine magische Technik. Es gibt auch keine allgemein verbindliche Form. „Es ist auch ein Gebet, wenn ich mich vor Gott hinsetze und gar nichts sage oder denke“, hat mir ein weiser Krankenhausseelsorger mit auf den Weg gegeben. Sich so vertrauensvoll an Gott zu wenden, sich vor ihm zu öffnen und den Weg auch offen zu lassen, würde zum Jakobusbrief passen. Es geht darum, in aller Unübersichtlichkeit des Lebens im Gottvertrauen zu bleiben. 

Ich vergleiche das gerne für mich mit den Haltestangen im Bus: Gewohnheitsmäßig halte ich mich fest und merke auf diese Weise, dass das Geländer hält. Ihre Stärke spielt die Konstruktion aus, wenn die Fahrt unruhig oder gar gefährlich wird. Da lasse ich dann erst recht nicht los. 

Freilich legen die eigenen Wünsche, die ich in das Gebet hineinlege, den endgültigen Weg nicht fest. Es ist kein Zeichen für mangelnde Gebetserhörung, wenn nicht das herauskommt, was ich mir vorstelle. Gottes Wege führen auch durch Leid und durch Tod hindurch. Und wir fallen auch da nicht aus seiner Hand. An dieser Haltestange will ich mich festhalten. 

Heil zu werden und sich Gottes Heil anzuvertrauen, heißt auch, eigene Fehler und sogar eigene Sünde anzuschauen und zuzugeben und damit loszulassen. Und sich sicher zu sein, dass Gott auch daraus etwas Heiles machen kann, selbst wenn wir uns das nicht vorstellen können. Und da ist sie dann doch, die vermisste Gnade Gottes. Und diese Bedienungsanleitung macht Sinn.

Pfarrer Peer Mickeluhn, Kirchengemeinde Holzkirchen, Dekanat Bad Tölz