Mächtig und fruchtbar gegen Dürre

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Zedern und reife Feige. Fotos: pixabay
Zedern und reife Feige. Fotos: pixabay

Biblische Impulse bezeugen die Wirkung der Bäume, zeigen aber auch ihre Bedrohung

Keine Frucht am Feigenbaum – da musste er doch gleich verdorren! Jesus interessierte es da einfach nicht, dass „nicht die Zeit für Feigen“ war (Markus 11,13 b). Schließlich war es kurz vor dem Passahfest, also Frühling. Und Feigen gibt es nun einmal selbst im Orient erst ab dem Spätsommer oder gar im Herbst.

Kannte Jesus sich einfach nicht aus? Unwahrscheinlich. Als Sohn eines Zimmermanns sollte er mit Holz und auch Bäumen ein wenig umgehen können. Natürlich ist das ein Gleichnis – sicher bezogen auf die unmittelbar anschließende Tempelreinigung und die Lehr-Rede von rechtem Bitten und Glauben.

Nicht nur in dieser Bibelstelle spielen Bäume eine große Rolle – angefangen vom „Baum der Erkenntnis“ (1. Mose 3) bis zu den „Lebensbäumen“ am Ende der Offenbarung des Johannes (22,2). Auch im täglichen Leben waren sie von unschätzbarer Bedeutung: Feigen, Dattel-, Oliven- oder Granatapfelbäume brachten Früchte. Zusammen mit anderen Bäumen spendeten sie Schatten und lieferten Holz: 

„So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte“, fasst es Matthäus (7,17) zusammen – wie bei Menschen. Oder zur Unzeit gar keine – wie die Feige, die Jesu Zorn erregte. 

Wo Bäume wuchsen, war das Land fruchtbar. Andererseits schützten sie ganze Regionen vor Austrocknung und Erosion. Das Gebiet der „südlichen Levante“ – wie Dieter Vieweger die Region nennt, um alle politischen und religiösen Verwerfungen zu vermeiden – zwischen Mittelmeer und arabischer Wüste im südlichen Syrien und Jordanien, zwischen Libanon und Negev-Wüste hat von West nach Ost vier Klimazonen mit vielen Übergängen in schnell wechselnden Höhenlagen.

Auf die fruchtbare Küstenebene am Mittelmeer folgt das westjordanische Bergland, das gerade in seinen Übergangsgebieten und moderaten Höhenlagen ebenfalls durchaus fruchtbar und ursprünglich mit lichten Eichenwäldern bewachsen war. Diese Bäume stehen für Stärke. Oft finden sich in ihrem Schatten Opferstätten und Heiligtümer (mehrfach im Richterbuch) – gerade auch heidnische, wie die Propheten beklagen (etwa Hos 4,13; Amos 2,9; Sach 11,2).

Bei Jerusalem begann dann das schroffere und trockenere judäische Bergland. Es fällt massiv in den Grabenbruch zwischen zwei Erdplatten Richtung Totes Meer ab und steigt dann wieder ins ostjordanische Hochland an. Wo das Süßwasser vom See Genezareth oder Jordan fehlt, ist das Klima in der Senke auch von Regenwolken gut abgeschirmt.

Kampf mit Trockenzeiten

Und zu Anbeginn? Als die Menschen vor 10.000 Jahren sesshaft wurden, gab es gerade im Orient günstigere klimatische Bedingungen: Es war dort kühler und vor allem feuchter als heute. Doch zunehmend hatten die Menschen mit Trockenheit zu kämpfen: Schon vor 4.000 Jahren in einem solchen Ausmaß, dass bereits vorhandene Zentren nicht durchhielten oder Bauern wieder nomadisch lebten. Oder sie mussten sich staatlich besser organisieren – auf Kosten der Nachbarn. 

Um 1.100 vor Christus war der Höhepunkt dieser Trockenheit erreicht – gerade zur Richterzeit des Alten Testamentes. Während der Staatswerdung Israels schwächte sich dies etwas ab, blieb aber bis um 550 bestehen. Kaum war das Klima menschenfreundlicher, setzten bedrohliche Großreiche an den Grenzen Israels und Judas zum Sprung an: Da blieb nichts von der Entlastung, schließlich hatten die Babylonier Jerusalem erobert.

Nur in diesen Zusammenhängen lässt sich ermessen, welchen erhabenen Eindruck die Zedern als immergrüne Kiefernart der höheren Gebirgslagen, machten. Vor den massiven Abholzungen waren sie auch südlich des Libanon verbreitet. Sie können bis zu 50 Meter hoch werden mit einem Stammdurchmesser von bis zu zwei Metern. 

Die mächtigsten Bäume können schon mal auf ein Jahrtausend zurückblicken – und wachsen entsprechend langsam. Ihr Holz ist stabil, aber gleichzeitig ziemlich leicht zu bearbeiten: Nicht nur David und Salomo verwendeten Zedern beim Bau für ihren Palast und für den Tempel (wie immer wieder in den ersten sieben Kapiteln des Königsbuches dargestellt). Die Phönizier nutzten die Stämme gerne als Mastbäume ihrer Schiffe (Hes 27,5). Dort steht sie aber auch für Überheblichkeit (Hes 31). In den Psalmen ist die Zeder ein Bild für Größe, Stärke und Mächtigkeit (Psalm 80,11; 92,13 oder 104,16). 

In hellenistischer Zeit wurde das Klima wieder zunehmend feuchter und kälter – es erreichte etwa zur Zeit des Augustus sein Optimum. Gleichzeitig setzte massiver Raubbau an Bäumen gerade durch die Römer ein: Sie benötigten immer mehr Holz als Baumaterial für Dachstühle und Schiffe. Effiziente Keramikwerkstätten, Schmelzöfen oder Bergwerke benötigten ihr Brennmaterial – Bäder und Thermen ebenso. 

Dafür gab es massive Getreideproduktion und Überweidung – um die explodierende Bevölkerung in den Metropolen zu ernähren. Die Provinzen um das Mittelmeer hatten das zu schultern – bis sie eine nach der anderen trotz des günstigen Klimas versteppten. Die Eroberer verlangten von der Natur mehr als sie geben konnte – wie bei der verdorrten Feige. Jesus zeigt den Jüngern: Geht achtsam mit der Macht um, die der Schöpfer euch gegeben hat, um nicht zu zerstören (Vers 24, f.).

Der Erosion gab es wenig entgegenzusetzen: Die heute typische Mittelmeerlandschaft regenerierte sich nicht, die „Macchien“ mit trockenem Gestrüpp breiteten sich aus. 

Baum als Hoffnungsbild

Schon Hiob hielt dagegen: „Ein Baum hat Hoffnung, auch wenn er abgehauen ist; er kann wieder ausschlagen …“ (Hiob 14,7 ff.): Der Geprüfte will in seinem Leid sterben, hofft dann aber darauf, dass Gott selbst dann an ihn denkt. 

Für den Psalmisten ist das Leben des Gottesfürchtigen vergleichbar mit einem Baum „gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht“ (1,3).  

Mehr noch: Gott wird sogar Zedern oder Ölbäume in der Wüste wachsen lassen, wenn die Zeit des Heils gekommen ist (Jes 41,19): Ein ebenso starkes Hoffnungsbild wie die Lebensbäume der Offenbarung, die monatlich Frucht tragen und ewiges Leben bringen. Da ist es unwichtig, um welche es sich handelt, genau wie beim Baum der Erkenntnis. Susanne Borée

Dieter Vieweger: Geschichte der biblischen Welt, 3 Bände, Gütersloh 2019, ISBN 978-3-5790-1479-1, Band 1, Kapitel 1: Geographie, Klima, etc.

https://www.bibelkommentare.de/lexikon/k-3/pflanzen, 

https://de.wikipedia.org/wiki/Entwaldung_in_römischer_Zeit u. a.