Schöne Bescherung!

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Susanne Borée Editorial Hintergrundbild Kraus

Editorial von Susanne Borée über Energiesparen im Advent und ihre Sehnsucht nach dem Licht

Soll ich oder soll ich nicht? Darum kreisen meine Gedanken in diesen dunklen Novemberwochen: Soll ich meine Lichterketten und hell leuchtenden Fensterbilder auch in diesem November vom Speicher holen und dann zur Adventszeit in die Nacht hinausscheinen lassen? Oder eher nicht? Das Angebot in unseren Super- und Baumärkten ist ungebrochen – als gäbe es keine Energiekrise.

Natürlich ist es Verschwendung, die Lichter an meinen Stromkreis anzuschließen – aber schön! Wie viel würde mich der Spaß denn kosten? Zum Glück brachte eine Recherche im Internet schnell die Seite https://stromrechner.com/stromverbrauch-lichterkette ans Tageslicht. Zunächst muss ich wissen, welchen Verbrauch meine leuchtenden Sterne haben, um zu sehen, welchen Wert Ihr Schein für mich hat. 

Schnell mal auf den Speicher hinauf: Finden sich entsprechende Angaben auf den Packungen meiner Exemplare? Ah, zwei fast identische Sterne zeigen sie: Sie haben jeweils 35 kleine Lämpchen à 0,98 und 0,06 Watt. Na, das ist aber ein ganz schöner Unterschied für eine fast gleiche Ausführung! Na gut, der eine Stern stammt aus dem vergangenen Jahr, der andere ist älter. Ja, wann habe ich ihn noch einmal gekauft? 

Keine Ahnung, er ist schon in die Jahre gekommen. Aber habe ich sie in die richtigen Hüllen eingeordnet? Darauf habe ich nicht geachtet. Und dann gibt es noch eine ganz alte Kette – aber ohne Packung oder nähere Angaben. Nun gut, vielleicht spare ich sie nun ein. 

Jedenfalls hat der ältere Stern dann einen Verbrauch von 34,3 Watt, der andere nur von 2,1 Watt, also zusammen 36,4 Watt. Wenn ich nur die beiden jeweils fünf Stunden an 35 leichtenden Abenden in die Welt hinausscheinen lasse, liegt der Stromverbrauch 6,37 Kilowattstunden oder 2,15 Euro. 

Uff, also das kann ich mir wohl noch leisten. Muss ich mich dafür wortreich rechtfertigen? Oder sollte ich aus Solidarität mit den Schwächsten sparen und dies Geld – und mehr – spenden? Ist die Sehnsucht nach Helligkeit in der dunkelsten Zeit ein Überrest längst vergangener Sonnenkulte, die die vermeintliche Wiederkehr unseres Muttergestirns feiern? 

Muss ich viele früheren Selbstverständlichkeiten in Frage stellen und ewig die Kosten nachrechnen, wenn ich das Licht in die Finsternis scheinen lasse? Sieht so die Zukunft aus, anstatt dem Verlangen nach meinem persönlichen Stern nachzugeben?