Darf man in Kriegszeiten Witze machen?

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Editorial von Chefredakteur Martin Bek-Baier im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Das Editorial zum Hören:

 

Und zum Nachlesen:

„Darf man Witze machen, während in der Ukraine Krieg herrscht?“, fragte ein Radiomoderator auf Bayern 3 vergangene Woche. „Darf man sich über den Benzinpreis beschweren, während Millionen Menschen auf der Flucht vor Panzer und Bombern sind?“, lautet eine aktuelle Diskussion. 

„Das Leben muss aber doch irgendwie  weitergehen“, sagen viele. „Man wird doch ganz verrückt, angesichts dessen, was wir täglich in den Nachrichten sehen“, sagte mir mein Lieblingswirt bei einem Besuch. Der sonst so fröhliche Gastwirt sagte mit einer Geste auf den Gastraum und seinen warmen Pizzaofen: „Da macht doch alles keinen Spaß mehr!“ Was tun, wenn die Situation in der Welt alles bedrückt und beherrscht? Psychologen raten, dass wir uns intime private Räume schaffen, in denen wir uns ganz uns selbst widmen, ein Hobby und Treffen mit lieben Menschen beispielsweise.

Wir dürfen natürlich nicht wegschauen. Wir sollten überlegen, was wir in unserem Rahmen machen können, angesichts des Krieges in der Ukraine. Zum Beispiel für den Frieden demonstrieren, Spenden an Diakonie und Kirche für Hilfslieferungen geben, nach unseren Möglichkeiten Flüchtlingen helfen und sie freundlich aufnehmen. Wir sollten überlegen, wie man Energie sparen oder andere Energieformen wie bisher verwenden kann, um nicht den russischen Krieg mitzufinanzieren. Und natürlich sollten wir für die Menschen in der Ukraine und den Frieden beten. Auch das kann ein Schutzraum für einen selbst sein.

Wir müssen auch diskutieren, was Kirche zum Frieden aktiv beitragen kann. Nun sprechen sich Kirchenvertreter für Waffenlieferungen aus, um die Demokratie in der Ukraine zu schützen. Die neue Situation erfordert es, die bisherigen Grundsätze der evangelischen Friedensethik neu zu denken.

Dass Umdenken erforderlich wird, angesichts neuer Bedrohungen, erfuhren schon die Menschen der Bibel. Daher lesen wir in ihr auch Widersprüchliches. So steht das bekannte „Schwerter zu Pflugscharen“ in Micha und Jesaja. Beim Propheten Joel lesen wir genau das Gegenteil (Joel 4,10). Doch angesichts Zerstörung und Vertreibung ist Jesaja zuversichtlich: „Ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen.“ Welch Mut machende Vision!