Auf den Hund gekommen

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Inge Wollschläger, Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Inge Wollschläger, Mitglied der Redaktionskonferenz im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern, Hintergrundbild von Erich Kraus.

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Inge Wollschläger

Pelle wird jetzt bald ein Jahr. „Pelle?“, fragen dann Menschen nach, wenn sie den kleinen, schwarzen Pudel sehen? „Pelle – so wie Wurstpelle?“ 

Den Namen des Hundes zu finden war schwieriger, als einen für eines meiner Kinder. „Rex“, „Hasso“ oder „Rambo“ kamen für mich nicht infrage. Meine Freundin fand sie ganz wunderbar, „Höldelin“ oder „Harald“ jedoch unmöglich. Wir einigten uns auf einen Namen aus einem Buch von Astrid Lind-gren. 

Vielleicht fragen Sie sich gerade, warum ich Ihnen heute von einem kleinen Hund erzählen möchte. Ich lese derzeit häufig über „Spaltungen in der Gesellschaft“. Wie es „immer schlimmer“ wird und wie bald der Eine nicht mehr mit dem Anderen sprechen möchte und dann: „Gute Nacht, Marie!“

Es mag sein, dass es vielen Menschen so geht und sie einen immer größer werdenden Graben im Miteinander wahrnehmen. Doch viel spannender und auch wichtiger wäre es einmal herauszufinden: Wo gibt es Zusammenhalt. Wo finden sich Gemeinsamkeiten. Wie kann ich Menschen miteinander verbinden. 

Und hier kommt der Pudel ins Spiel. Selten in meinem Leben habe ich so viel Menschen schon zusammengebracht, wie seit dem Zeitpunkt, an dem meine Freundin und ich beschlossen: Wir haben zusammen einen Hund. Freunde wollen das flauschige Wollknäuel unbedingt kennenlernen. Es gibt regelmäßige Hundespaziergänge mit Bekannten und Kollegen – und ja: dafür braucht es eigentlich keinen Hund, denn Treffen und Spaziergänge kann man auch „ohne“. 

Doch der Hund ist ein sehr guter Grund, warum man bei diesem Wetter doch mal eine Stunde durch den Wald läuft, wo man sonst lieber die Heizung eine Stufe höher gestellt hat. Wo Kollegen voller Kraft und Freunde „Bällchen“ schmeißen und alle Tagessorgen im Wurf weit weg fliegen. Gespräche drehen sich nicht um Schwierigkeiten und Probleme, sondern darum, wie lustig die Ohren des Hundes beim Rennen fliegen. 

Dieser Hund schafft eine neue Perspektive in Begegnungen aller Art. Wenn so viele eine Spaltung wahrnehmen ist es um so wichtiger, den Fokus auf Gemeinsamkeiten zu lenken. Dieser Hund macht das ganz hervorragend. Vielleicht finden Sie etwas anderes. Lassen Sie es uns wissen.