Stählerne Kunst auf dem Münstergelände

Stahlobjekte
Im Innern des Heilsbronner Münsters treten drei Stahlobjekte (ganz unten) in Beziehung zur historischen Kirchenkunst. Foto: Wairer

Wieder einmal stellt ein Bildhauer in Heilsbronn aus

Man verbinde vier Stahlplatten, etwa vier Meter hoch, miteinander; man säge in Augenhöhe sieben vertikale Schnitte tief hinein; dann verdrehe man den Stahl oberhalb der Schnitte um 90 Grad (oder auch weniger oder mehr); man ziehe dabei das obere Segment nach oben - und fertig ist das Kunstobjekt. Mit einigen Widrigkeiten muss der Künstler rechnen: Zum Beispiel wiegt der Stahl in Tonnen und er muss bis zum roten Glühen erhitzt werden. 

Der Künstler heißt Thomas Röthel und er ist aus dem fränkischen Mitteldachstetten nach Heilsbronn gekommen, um das Gelände des dortigen Münsters mit seinen rostschönen Riesenspielzeugen zu bebauen. Vorigen Sonntag wurde die Ausstellung "Stahlskulpturen" eröffnet. Die Objekte - eine Skulpturengruppe steht im Innern des Heilsbronner Münsters - bleiben bis zum 23. September stehen. 

Mit ihnen setzt Ausstellungsmacher Gerhard Spangler vom evangelischen Religionspädagogischen Zentrum (RPZ) die Reihe "Kunst im Kloster" fort, die in den vergangenen Jahren etlichen zeitgenössischen Künstlern Raum gab: etwa den  "Menschenbildern" von Andreas Kuhnlein, den "Textilen Bildwerken" von Linde Mötz-Grübl und den Cartoons von Erik Liebermann.

Nun also Thomas Röthel. Während des Aufbaus, der nach Motor- und Muskelkraft ebenso verlangt wie nach ästhetischem Urteilsvermögen, führt er den Journalisten herum und erklärt die Feinheiten. Macht beispielsweise Halt bei einem Objekt, das aus einer riesigen stählernen Kugel herausgeschnitten ist. In dem wannenähnlichen Segment hat sich Regenwasser gesammelt. Es tönt wie eine dumpfe Glocke, als der Röthel mit flacher Hand draufschlägt. Die tonnenschwere Wanne schaukelt, als er sich dagegenlehnt.

Die Skulpturen sollen angefasst und von der Witterung verändert werden, sagt Röthel. Bei einem Objekt macht er auf den Zunder aufmerksam, der sich als fein gemaserte Schicht auf einer Skulptur abgelagert hat, und kratzt ein bisschen davon weg. Er beschreibt, wie er Drehungen nur mit mehreren Helfern durchführen kann.

"Mit seinen Stahlskulpturen gelingt es ihm immer wieder", so liest man in einem Werkkatalog, "die Form aus ihrer Starre und Schwerkraft zu lösen" und in einen plastischen Ausdruck zu überführen, "der die Härte und nicht zuletzt das Gewicht des Materials nahezu vergessen macht".

Die Ausstellungsbesucher in Heilsbronn können sich ein Bild davon machen, wie moderne Stahlkunst und alte Kirchensubstanz zueinander finden. 

                            Frank Wairer