Speisen stärken Kinder für ihr Leben

Gruppe im Kindergarten Perle beim Essen (links). Die Beiratsvorsitzende Alexandra Müller-Pütz und die Kindergartenleiterin Ingrid Höfig-Restaino werben für den Essensfonds. Fotos: Borée
Gruppe im Kindergarten Perle beim Essen (links). Die Beiratsvorsitzende Alexandra Müller-Pütz und die Kindergartenleiterin Ingrid Höfig-Restaino werben für den Essensfonds. Fotos: Borée

Solidarischer Essensfonds für den evangelischen Kindergarten der Erlanger Erlösergemeinde

Vorsichtig, mit beiden Händen, trägt die Fünfjährige ihr Glasschälchen zur Anrichte. Sie will gern noch ein paar Löffel Gurkensalat. Erzieher Matthias Kolm kratzt die Reste aus der Salatschüssel zusammen. "Selbst Rote Beete und Sellerie wird weggeputzt", erklärt er. In dem Alter sei es noch relativ einfach, die Kinder an gesundes Essen heranzuführen. Essen – das bedeutet im Erlanger Evangelischen Kindergarten "Perle" mehr als nur bloße Nahrungsaufnahme.

So lernen die Kinder einen achtsamen Umgang mit dem Essen. Dies soll einen Grundstein für ihre späteren Gewohnheiten bei der Nahrungsaufnahme legen: Viel Wert legen die Erzieher auf gesunde, biologische Kost aus der Region ohne Geschmacksverstärker und Schadstoffe. Das gemeinsame warme Mittagessen wird groß geschrieben. Zusätzlich gibt es Obst und Gemüse. Das hat seinen Preis.

Gut 60 Euro müssen die Eltern jedes Kindes, das über Mittag bleibt, monatlich dafür zahlen. Rund 80 Prozent der knapp hundert Kinder werden ganztags betreut. Viel Geld, gerade für Familien, die nur geringen Lohn bekommen. Sie können ihr Kind gar nicht oder nur an einzelnen Tagen zum Essen anmelden. Während die Gruppe vor den gefüllten Tellern sitzt, müssen ihre Kinder dann ihr Butterbrot auspacken oder haben noch weniger zu essen dabei.


 

Die Kindergartenleitung

Unhaltbare Zustände, fand Alexandra Müller-Pütz, die im vergangenen Kindergartenjahr Vorsitzende des Elternbeirates war. Sie sann in den vergangenen Monaten auf Abhilfe. Heraus kam der "Essensfonds", den sie zusammen mit der Kindergartenleiterin Ingrid Höfig- Restaino und Pfarrer Matthias Haag von der Erlöserkirche, dem Träger des Kindergartens, ins Leben rief. Dies ist besonders für Familien gedacht, die trotz Arbeit der Eltern nur minimal mehr Geld zur Verfügung haben als etwa Hartz-IV-Empfänger.

Alexandra Müller-Pütz rechnet einen Fall vor, in dem eine Familie mit einem erwerbstätigen Elternteil sogar exakt 1,30 Euro netto weniger in der Tasche hat als eine vergleichbare Familie mit Hartz IV bekommt. Trotzdem bekommt die Familie mit einem arbeitenden Elternteil – anders als ihre Nachbarn mit Hartz IV – keine Zuschüsse vom Jugendamt für das Kindergartenessen ihrer Kinder.
Diese Lücke will der Essensfonds der "Perle" schließen. Der Elternbeirat verwendete die Einnahmen des letzten Sommerfestes dafür, der Essensanbieter gab Nachlässe und Kollekten bei Taufen trugen ihr Scherflein dafür bei.

"Es sprach uns sogar eine Kneipenwirtin aus der nähere n Umgebung an", berichtet Pfarrer Haag, "einer ihrer Stammtische wollte für den Essensfonds spenden". Für dieses regionale Projekt lassen sich viele gebende Hände ansprechen. Insgesamt kamen in den vergangenen Monaten rund 5.600 Euro zusammen.

Damit ist gesichert, dass rund 15 Jungen und Mädchen im laufenden Kindergartenjahr jeweils die Hälfte des Essensgeldes erlassen werden kann. Essen ist mehr als das tägliche Brot – im Kindergarten der Erlösergemeinde wird den Kleinsten dies tagtäglich vermittelt und stärkt sie für ihr Leben. Es bedeutet auch Tischgemeinschaft, an der möglichst niemand ausgeschlossen werd e n soll. So gibt es auch kein Schweinefleisch ,da Rücksicht auf die muslimischen Kinder genommen wird.

Solidarität erfahren die Kinder und ihre Eltern durch den Essensfonds. Auch das gehört zu den Tischsitten und Essgewohnheiten, an die sie neben der gesunden Ernährung gewöhnt werden sollen: "Manche unserer Kinder wussten bislang nicht", so Alexandra Müller- Pütz, "was eine Melone ist oder dass man Orangen schälen muss."

Susanne Borée

Außerdem lesen Sie unter anderen in unserer gedruckten Ausgabe vom 24. Juni 2018:

- Der Ökumenische Rat der Kirchen wird 70 - ''Er ist genau das, was die Welt braucht!''

- Kein Frieden für alle in Sicht: Das ''Friedensgutachten 2018'' wurde in Berlin vorgestellt und kommentiert

- Versteinerte Psalmen: 25 Jahre Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt

=> Interesse an diesen Artikeln der gedruckten Ausgabe?

Diese, die wöchentlichen Rätsel und vieles mehr können Sie bei unserem kostenlosen Probeabo entdecken

=> Gleich online bestellen

 

 

www.kirchenpresse.de - Evangelische Wochenzeitung im Internet

 

 

Das Evangelische Sonntagsblatt finden Sie jetzt auch auf der

=> "wertvollen" Facebook-Seite

 

Wertvoll-Logo