Teil 7: Pfarrer Ulrich Bauer-Marks

Ulrich Bauer-Marks
Ulrich Bauer-Marks im Proberaum der "Bandydeos". Foto: Lechner

Kleinweisach. "Zuallererst bin ich Pfarrer", sagt Ulrich Bauer-Marks. Das ist dem 48-Jährigen wichtig. Auch wenn man mit Blick auf den Tagesplan des Gemeindepfarrers von Kleinweisach sich fragt, wie er alle Aufgaben und auch seine Interessen an einem Tag unterbringt. Denn er hat nicht nur seine rund 680 "Schäfchen" in Kleinweisach, Altershausen und Pretzdorf zu hüten. Der leidenschaftliche Musiker arbeitet zur Hälfte noch an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau, wo er Fundraising betreibt.

Rund hundert Kilometer fährt Bauer-Marks mindestens einmal in der Woche an die kirchliche Hochschule der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Dort sorgt er im Wesentlichen dafür, dass die Fakultät wirtschaftlich und öffentlichkeitswirksam besser dasteht. Das bedeutet beispielsweise die Suche nach Sponsoren und die Akquise von Spendengeldern, aber auch die Pflege von Kontakten zu ehemaligen Studenten und nicht zuletzt die Erhöhung des Grundstockkapitals. "Konkret geht es darum, alte Freunde zu halten und neue zu finden, die sich an den Projekten der Hochschule beteiligen oder sich in irgendeiner Form einbringen, alles zum Wohle der Schule und deren Studenten", bringt es Bauer-Marks auf den Punkt. 

Nur ein Beispiel: Gerade organisiert er einen Bücherbasar, für den alle möglichen Pfarrer und ehemaligen Studenten in Bayern angefragt wurden, ob sie noch das ein oder andere theologische Werk im Schrank hätten, das sie nicht mehr benötigen. Mittlerweile sei eine erkleckliche Liste zusammen gekommen und bald macht sich Bauer-Marks auf eine kleine "Tour" durch das Land, um die Bücher einzusammeln. Dann werden diese im Rahmen des Basars verkauft. Vorteile: Die Studenten kommen günstig an Literatur, die Schule erhält den Erlös.

Dafür hat er vor drei Jahren eine Ausbildung genossen, die ihm von der Landeskirche ermöglicht worden war. Vorher war er mehrere Jahre lang Dekanatsjugendpfarrer im De­kanat Markt Einersheim. "Ich wollte noch mal eine neue Aufgabe antreten", beschreibt Bauer-Marks die Intention, die ihn nach rund sieben Jahren Gemeindearbeit in Kleinweisach damals angetrieben hatte. 

Die neuen Aufgaben hätten ihn beflügelt und mit Sicherheit auch den eigenen Horizont erweitert. Drei Kirchen, drei Pfarrgemeinderäte und drei Friedhöfe hat Bauer-Marks an seiner Pfarrstelle zu versorgen. Es sind auch drei Computer, die im Pfarramt stehen - einer für die Gemeinde, einer für die Augustana und einer für Privates. Sorgfältig getrennt hat der Pfarrer seine Schaffenskreise. Das sei auch notwendig, um den jeweils anstehenden Aufgaben immer gerecht zu werden. 

"In Kleinweisach bin ich voll für meine Gemeinde da. Ich nehme mir beispielsweise gerne mal zwei Stunden, in denen ich mich nur mit Menschen zusammensetze und mich unterhalte. Das ist für beide Seiten eine wertvolle Zeit der Begegnung", beschreibt Bauer-Marks seine "Philosophie". Auch wenn er an der Augustana viele Verwaltungs- und Organisationsaufgaben hat, wolle er in seiner Pfarrgemeinde kein "Gemeindemanager", sondern ein geistlicher Beistand "in guten wie in schlechten Tagen" sein. Und das gerne auch auf musikalische Weise: Ulrich Bauer-Marks ist nämlich leidenschaftlicher Musiker, der sogar eine eigene Band auf die Beine gestellt: die Bandydeos.

                                    Timo Lechner