Teil 6: Pfarrer Stefan Gradl

Ralf Frisch
Stefan Gradl koordiniert neben seinen Aufgaben als Pfarrer die Einsätze für die Dorfhelferinnen. Foto: Walter

Langensteinach. Eine Krankheit, ein Unfall, eine Risikoschwangerschaft – es gibt viele Gründe, warum Familien kurzfristig in eine Notlage kommen können. Wer versorgt da die Kinder? Wer kümmert sich um den Haushalt? Wer hilft im Stall mit? Insbesondere mit Kindern ist es wichtig, den strukturierten Alltag aufrecht zu erhalten. Für solche Fälle wurde die Dorfhelferin erfunden. Der promovierte Pfarrer Stefan Gradl ist (noch) zu hundert Prozent Gemeindepfarrer der Kirchengemeinden Langen­steinach mit Kleinharbach (250 Gemeindemitglieder), Großharbach (200) und Reichardsroth (70). Darüber hinaus hat er die Einsatzleitung für die Dorfhelferinnenstation inne und bekleidet das Amt des Deka­natsjugendpfarrers.

Stefan Gradl nimmt die Anrufe entgegen, wo aufgrund einer schwierigen Lebenslage, meist einer Bäuerin, schnelle Hilfe durch eine Dorfhelferin benötigt wird. Pfarrer Dr. Gradl erstellt zunächst für die 25-jährige ausgebildete Fachkraft Bianca Hartung (Bad Windsheim) den Einsatzplan. Ist Hartung bereits im Einsatz, vermittelt der 43-Jährige eine Fachkraft aus den benachbarten Dekanaten Neustadt/Aisch oder Markt Einersheim. "Hin und wieder sind Verhandlungen mit dem Träger nötig, wenn zum Beispiel die Dorfhelferin gebraucht wird, aber der Bewilligungsbescheid der Behörde noch nicht vorliegt", erzählt Gradl. Manchmal muss der 43-Jährige auch nachverhandeln, da die bewilligten Stunden bis zur Genesung der Bäuerin nicht ausreichen. "Seelsorgerlich bin ich hier weniger gefordert", ergänzt der Geistliche und fährt fort: "Ich vermittle überwiegend." Die meisten Einsätze erstrecken sich über einen Zeitraum, der bis zu sechs Wochen geht.

Allerdings sind sowohl Einsätze von drei Tagen genauso an der Tagesordnung wie Einsätze von längstens bis zu eineinhalb Jahren. Eine schwere Diagnose stellt nicht nur für die betroffene Familie eine psychische Ausnahmesituation dar, sondern stellt auch die Dorfhelferin vor eine große Herausforderung.

Gefordert werden neben der Organisation eines fremden Haushaltes, Selbstständigkeit und Flexibilität bei der Erledigung der übertragenen Aufgaben und auch Feingefühl im Umgang mit den Familienmitgliedern. Die Kosten für diese soziale Dienstleistung werden in der Regel von den Sozialversicherungsträgern, der Krankenkasse mit Selbstbeitrag, durch einen Zuschuss vom Freistaat Bayern und zum Teil über die Umlage der Kirchengemeinden gedeckt.

Als Dekanatsjugendpfarrer nahm der engagierte Pfarrer auf dem Kultzeltlager der Evangelischen Jugend Uffenheim in Herper teil. "Ich habe vor 22 Jahren das letzte Mal gezeltet", verriet Stefan Gradl. Obwohl das Zelten für ihn sehr gewöhnungsbedürftig ist, möchte der vielbeschäftigte Pfarrer bei allen Aktivitäten der Jugend dabei sein. Neben den "Windows-to-heaven"-Gottesdiensten, bei denen Gradl die Predigt hält, plant er zusammen mit der Dekanatsmissionspfarrerin Christine Stradtner (Gnötzheim) im Jahr 2012 mit einer Jugendgruppe den Besuch des Partnerdekanats Arusha in Tansania. Anlass ist das 25-jährige Bestehen der Partnerschaft.

                                    Christa Walter