Andacht: Die Kraft des Trostes

Gelobt sei Gott, der Vater unsers Herrn Jesus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir trösten können, die da sind in allerlei Trübsal, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. Denn gleichwie wir des Leidens Christi viel haben, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Haben wir aber Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil. Haben wir Trost, so geschieht es zu eurem Trost, welcher sich wirksam erweist, wenn ihr leidet dieselben Leiden, die auch wir leiden. Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen, dass, wie ihr des Leidens teilhaftig seid, so werdet ihr auch des Trostes teilhaftig sein.

2 Korinther 1, 3-7

Als Kinder haben wir uns keine Sorgen gemacht, dass die wilde Jagd beim Räuber und Gendarm spielen auch zu einem aufgeschlagenen Knie führen kann. Wir waren gewiss, dass unsere Mutter nicht nur das Pflaster zur Versorgung des Knies hatte, sondern uns in den Arm nehmen würde; alles halb so schlimm, das wird wieder. Der Schmerz hat sogleich nachgelassen. Unerschrocken haben wir uns wieder zur Entdeckung der Welt aufgemacht.

Was für ein unermessliches Geschenk, so aufwachsen zu dürfen. Von der Kraft des Trostes zu wissen, Sicherheit und Offenheit zu gewinnen aus dem Wissen um diese Kraft. Diese Kraft spüre ich in Paulus Brief an die Korinther. Der Mensch wird nicht ohne die Erfahrung von Leid und Trübsal durchs Leben gehen können, doch er braucht sich davor nicht zu fürchten, nicht in Bewegungslosigkeit verharren aus Angst davor. Denn ebenso gewiss wird ihm Trost zuteil.

Wir befinden uns in der Passionszeit, wörtlich 'Leidenszeit'. Paulus beschreibt eine geheimnisvolle Teilhabe. Die Korinther haben teil an Paulus Leid und er wiederum an Christi Leid. Er begreift dies als eine Leidensgemeinschaft. Die Leidensgemeinschaft ist aber auch Trostgemeinschaft. Denn wer miteinander leidet, der fühlt miteinander. Mitgefühl und Mitleidensfähigkeit halten den Schmerz aus, die Verzweiflung, Wut und Angst des Leidenden, ja auch seine Anklage gegen Gott. Sie überwinden die Einsamkeit, die Leid schafft, durch Begleitung.

Den Trost in allem unvermeidbaren Leid des Lebens schreibt Paulus Gott zu. Gott macht uns eine wunderbare Zusage, er ist "Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal". Doch auch wir dürfen zu Tröstern werden, denn es heißt: "Damit wir trösten können, die da sind in allerlei Trübsal, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott". Wer die wundersame Wirkung des getröstet Werdens erfahren hat, der kann Trost auch selbst spenden. Wie die Kinder dürfen wir darauf vertrauen, dass Gottes Trost nie versiegt. Und ebenso macht Gott uns zu einer Quelle des Trostes. Er gibt uns die Kraft, Trostlosigkeit in Leid und Trübsal nicht tatenlos anzusehen.

 

Petra Strohbach, Richterin am Oberlandesgericht in Nürnberg
und Mitglied der Landessynode

Gebet:

Gott segne deinen Weg,

die sicheren und die tastenden

Schritte, die einsamen und die begleitenden, die großen und die kleinen. Amen

Lied: EG 96:

Korn, das in die Erde