Seile, die retten

Brücke
Foto: Bek-Baier

Nichts, was das menschliche Leben anbetrifft, ist der Bibel fremd! Das erkennen wir auch beim Lesen der Ereignisse im Rahmen der Landnahme des Volkes Israel in Jericho, wie sie uns das Buch Josua im 2. Kapitel schildert: Agententätigkeiten, Leben im Rotlichtmilieu, Verfolgung, Krieg, Deals fürs Überleben … und mitten drin handelt Gott! Josua Kapitel 2 liest sich wie ein Krimi und wir lernen, dass Gott anders handelt, als wir es oft mit unseren moralischen oder theologischen Vorstellungen erwarten.

Gott schreibt Glaubensgeschichte mit einer Frau, von der es keiner vermutet: Rahab. Sie ist ein „Freudenmädchen“ vom äußersten Rand der Gesellschaft. In Gefahr kommt sie, weil sie zwei Spione in ihrem Haus versteckt, ihnen hilft und damit ihr Leben aufs Spiel setzt! Beide werden gerettet – und am Ende Rahab selbst mit ihrer Familie – durch ein taktisch kluges Handeln und dem ihr bisher unbekannten Glauben, dem Vertrauen auf Gott Israels.

Rahabs Dialog mit den Kundschaftern gipfelt in einem Glaubensbekenntnis: „Der Herr, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf der Erde!“, Vers 11. Diese heidnische Frau fängt an, an Gott zu glauben! Sie beginnt mit dem lebendigen Gott mitten im alltäglichen, irdischen Leben zu rechnen! Durch diesen Glauben erhält sie ihren Platz im Stammbaum Davids und Jesu. Der Hebräerbrief nennt sie in einem Atemzug mit den großen Glaubensvorbildern des Volkes Israel (Hebr. 11, 31). Warum? Weil sie in einer schwierigen Lebenslage auf den Gott Israels setzt. Weil sie Gott ihr Vertrauen schenkt!

Worauf setzen wir unseren Glauben? Rechnen wir damit, dass Gott, der Herr im Himmel, auch Gott auf Erden im alltäglichen Leben ist? Wem vertrauen wir in den brenzligen Situationen? Rahab darf und soll mit ihrem Vorbild und Glauben auch uns Christen heute ins Nachdenken bringen. Christlicher Glaube hat immer mit dem realen Leben zu tun! Und: Gott ist bis heute der Herr im Himmel und auch auf Erden, also auch in unserem Leben!   

Am Ende dieser Geschichte sehen wir, wohin Rahabs vertrauensvoller Glaube führt: Zum Leben! Die Boten Israels waren in einer verzweifelten, lebensgefährlichen Lage, konnten sich selbst nicht befreien und retten. Sie gehen mit Rahab einen Deal ein: Wenn Du uns nicht verrätst, sorgen wir dafür, dass Dir und Deiner Familie am Ende nichts geschieht! Darauf lässt sich Rahab ein: Ein rotes Seil an der Stadtmauer wird zum Weg in die Freiheit!  Dasselbe rote Seil an ihrem Haus war dann das Zeichen, dass Sie bei der Eroberung verschont blieb!

Solche Seile, die retten, die ins und zum Leben führen, gibt es auch in unserem Christsein! Sie sind nicht aus Hanf oder einem anderen Material, sondern bestehen aus dem von Rahab vorgelebten Glauben und Vertrauen auf Gott, der Glaube an Jesus Christus. Er wird uns zum Seil des Lebens und Überlebens im alltäglichen Leben, im Auf und Ab, in den Sorgen und Ängsten: „All Eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorgt für Euch!“ (1. Petr. 5,7).

Alles dürfen wir Gott hinlegen, was uns an Grenzen bringt! Und wir sollen glauben wie Rahab, dass er uns durch und auf seinen Wegen weiterführt! Gottes Wille und Ziel ist das Leben, auch dann, wenn unsere Wege eines Tages auf dieser Welt zu Ende gehen. Wir gehören eben nicht dem Tod, sondern dürfen durch den Glauben an Jesus Christus das Seil der Rettung hinein ins neue, ewige Leben ergreifen! 

                 Dekan Hans Stiegler, Ansbach, Vizepräsident der Landessynode

Gebet:

Herr, wecke in uns immer neu den Glauben, dass Du der Herr in und über allem bist! Amen.

Lied 361:

Befiehl du deine Wege