Traumpark mit fließenden Formen

Antje Tesche-Mentzen
„Harmonie“ der Bildhauerin Antje Tesche-Mentzen im Ansbacher Hofgarten. Foto: Borée

Ansbach schmückt sich mit Bronzeskulpturen der Bildhauerin Antje Tesche-Mentzen

In einen Traumpark haben sich die Ansbacher Innenstadt und besonders der Hofgarten verwandelt: Die Bildhauerin Antje Tesche-Mentzen räumte ihren Ateliergarten am Simssee bei Rosenheim aus. Bis zum 13. Oktober faszinieren gut 20 ihrer Bronzeplastiken Bürger und Besucher bei der Skulpturenmeile.

Ihre lebensgroßen Skulpturen  und kleineren Exponate im Citrushaus setzen oft biblische oder mythische Motive um: Sie offenbaren die Liebe der Künstlerin zu Natur und Musik. Oft zeigen sie je nach Sonneneinfall oder gar nach Blickwinkel auch im Hofgarten (geöffnet täglich von 7.15 Uhr bis 22 Uhr, ab September bis 20 Uhr) ganz unterschiedliche Einblicke. Die „Harmonie“ etwa hat eine weibliche und eine männliche Seite. Beide wachsen aus einem Baumstamm-ähnlichen Körper. Die Rückseiten vieler ihrer Skulpturen antworten auf die Vorderansicht oder führen ihre Ideen weiter. In den Körper eingegossen sind viele Anspielungen.

Mystische Momente habe sie „aus der Tiefe ins Sehen geholt“, so der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche. Als langjähriger Freund der Künstlerin begab er sich zur Eröffnung auf Spurensuche zwischen den Kunstformen. „Durch seine Texte und seinen Wortschatz konnte ich selbst meine Arbeiten besser verstehen“, so Antje Tesche-Mentzen gegenüber dem Sonntagsblatt. Worte, Formen oder Musik können sich für sie gegenseitig befruchten. Auf ihrer Orpheus-Skulptur etwa finden sich Zeilen aus dem gleichnamigen Gedicht von Rainer Maria Rilke und Noten aus den Kompositionen Wilfried Hillers eingraviert. Er hat mehrere Bronzestatuen von Antje Tesche-Mentzen in Musik umgesetzt.

Rund ein halbes Jahr Arbeit ist für eine Skulptur schnell vergangen. Trotzdem: Wenn die Künstlerin eine verkauft, dann formt sie diese für ihren Garten nach. Insofern hatte sie schnell ihre Skulpturen für Ansbach greifbar. Die Kunstmeile wollte nun erstmals die Werke einer Frau ausstellen. Trotzdem konnte sie immer ihren Weg gehen, so Tesche-Mentzen. Sie habe sich nie an Galerien gebunden, doch „ich konnte immer von meinen Arbeiten leben“.

Sie sieht die „Kunst als Vermittlerin zwischen Seele und Geist“ oder auch zwischen „Mensch, Natur und Gott als ewiges Geheimnis“. Offenbar fiel die Entscheidung für die Bildhauerin in der Arbeitsgruppe nicht einstimmig. Überstimmte Mitglieder kritisierten, dass ihre Werke zu wenig irritieren würden. Und gerade die Exponate in der Innenstadt rund um Gumbertus- und Johanniskirche sind oft versteckt und ohne Plan nur schwer zu finden (Dieser ist kostenlos etwa erhältlich in der Tourist Information, Johann-Sebastian-Bach-Platz 1, normalerweise geöffnet werktags von 9 bis 17 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr).

Fasziniert zeigten sich allerdings selbst bei einer Stichprobe die Spaziergänger, die auf sie stießen. Die Künstlerin selbst ergänzte, sie habe noch nie erlebt, dass ihre Arbeiten im öffentlichen Raum beschädigt oder beschmiert worden seien.

Regionalbischof Stefan Ark Nitsche erklärte da, ihn fasziniere an der Kunst Tesche-Mentzens, dass sie Mythen „als Menschheits-Geschichten in die Gegenwart holt ohne sie plakativ zu machen“. Die Künstlerin sei „ein Mensch, der mit den spirituellen Traditionen der Weltreligionen lebt und sich selbst als Christin versteht“. Er ergänzte bei der Vorstellung: Wenn ihre „Kunst in den öffentlichen Raum tritt, begegnet sie Menschen – und die Menschen begegnen ihr.“ 

                   Susanne Borée

 

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