Gott geht in seiner Dreieinigkeit mit

Brücke
Foto: Bek-Baier

Geht es Ihnen auch manchmal so, dass Sie sich verabschieden, im Gang oder gar schon in der Tür stehen und da fällt der Satz: „Was ich noch sagen wollte.“ Den ganzen Nachmittag, den ganzen Abend hat man gelacht und geredet. Man hatte Zeit, hätte alles in Ruhe besprechen können, und doch – man kam irgendwie nicht auf den Punkt. Es blieb ungesagt, worum es eigentlich geht.

So stelle ich es mir bei Paulus auch vor. Am Ende des zweiten Briefs an die Korinther – es fehlte einfach der Punkt. Viel hatte er geschrieben, der gute Paulus. Viel erklärt und ermahnt. Man hatte gestritten und versucht sich zu versöhnen bei Besuchen und auch in Briefen. Die Stimmung war nicht wirklich gut zwischen der Gemeinde in Korinth und Paulus, doch da schreibt er am Ende:

Brüder und Schwestern, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! 

2. Korinther 13, 11–13

Jetzt am Ende, bevor es zu spät ist, fasst Paulus zusammen, was ihm tief im Herzen wichtig ist. Es geht ihm nicht um die dogmatischen Diskussionen, nicht um die ganze Theorie und die Kleinkriege untereinander, sondern um die Freude am Evange­lium, um ein geschwisterliches Mit­einander. Es geht um einen Umgang, bei dem man sich auch gegenseitig zurechtweisen kann, bei dem man aber auch auf die Gemeinschaft und den Frieden achtet. So schließt er im Blick auf die Gnade unseres Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft durch den Heiligen Geist.

Es ist an der Zeit, dass wir uns alle darauf besinnen. Man stelle sich manche Kirchenvorstandssitzung vor, manche Dekanatsausschusssitzung, oder gar unsere Landessynode. Da geht es um manch kritische Frage. Da wird diskutiert, manchmal richtig gestritten und es wird beschlossen, was gemacht oder nicht gemacht werden kann. Wie in einer Familie. Wichtig ist dabei, dass man nicht vergisst, dass es allen darum geht, den Glauben unter die Menschen zu bringen. Da kann es schon mal zu Diskussionen kommen. Das ist richtig und gut, aber das letzte Wort, der letzte Satz muss ein Satz des Friedens sein: die Erinnerung an die Gnade unseres Herrn Jesus und an die Liebe Gottes und dass wir durch den Heiligen Geistverbunden bleiben, über jeden Streit, jede Auseinandersetzung hinweg.

Streit und Auseinandersetzungen sind Teil gemeinschaftlichen Lebens.

Unsere Diskussionen und gegenseitige Ermahnungen haben den Frieden unter den Menschen und mit Gott zum Ziel zu haben. Das schaffen wir nur, wenn wir uns da­ran erinnern, dass Gott uns in seiner Dreieinigkeit beisteht, mitgeht und Kraft gibt.

                  Pfarrerin Anne Salzbrenner, Lichtenfels