Landessynode
Die Landessynode der ELKB tagte in Garmisch-Partenkirchen. Foto: Bek-Baier

Inhaltliche Schwerpunkte

"Was ist unsere Berufung heute, unser Auftrag in der Welt, und was heißt das für unsere Art zu arbeiten und uns zu organisieren?", fragte Kirchenrat Thomas Prieto Peral ebenfalls im Rahmen des Zwischenberichtes vor der Synode. "Wir" das ist die Kirche, genauer die Evanglisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB). Die Kirche würde immer noch zu stark um Fragen der Finanzen und Stellenverteilung kreisen. Wesentliche Frage aber sei, wozu die Kirche und ihre Glieder in der Welt gerufen seien.

Was Kirche ist und was sie tun soll ergibt sich aus dem Wort Gottes, das sie hören und umsetzen sollte, sagte der Kirchenrat. Um dies Menschen zu ermöglichen, müsse Kirche ihnen neue geistliche Erfahrungsräume öffnen, sollte sie zur geistlichen Suche anleiten, ihnen helfen das Gebet zu üben, die Gottesferne zur Sprache bringen und die Menschen auf den offenen Himmel weisen. In der theologisch-geistlichen Durchdringung der gegenwärtigen Lebensfragen läge der Schlüssel zur Kirchenentwicklung, sagte Prieto Peral.

Die PuK-Arbeitsgruppe A hat als eine von sechs thematisch arbeitenden Arbeitsgruppen mit "Kirche im Raum" ein Modell gezeichnet. Es setzt den Auftrag der Kirche und die Menschen mit all ihren Themen, Ängsten, Sehnsüchten in Beziehung. Das ins Gespräch zu bringen ist die vorrangige Aufgabe. Die ermutigende Botschaft in die Gesellschaft hineingesprochen. Daraus ergebe sich ein Freiraum des Handelns. "Da wo Freiräume zum Handeln entstehen, passiert etwas."

Als Beispiel erinnerte Prieto Peral an das Reformationsgedächtnisjahr. Viele Gemeinden waren 2017 überrascht, dass die Gottesdienste am Reformationstag die bestbesuchtesten Veranstaltungen des Jahres waren. Das sei aber kein Zufall gewesen: Menschen kommen, wenn sie etwas gut Vorbereitetes und Qualitätvolles erwarten können - wenn etwas relevant für sie ist. Es brauche in der kleiner werdenden Kirche ein größer werdendes Herz. Die Kirche habe einen Zugang zur Liebe Gottes zu ermöglichen so der Kirchenrat.

Die Abeitsgruppe B, Gemeinde im Raum, hinterfragte den Gemeindebegriff von Kirche als Ortskirchengemeinde. Es brauche einen Begriff der unabhängig von Ort und Kirchenmitgliedschaft die Begegnung von Mensch und Evangelium mit einschließt. Ein Begriff, der anders ist, denn es gibt verschiedene Formen der Bindung: Prieto Peral sprach  von Orten des Evangeliums, in Schule, an der Leitplanke, in der Klinik, in der Bildungsarbeit, den diakonischen Einrichtungen und in vielen anderen Lebenskontexten.

So verstehe PuK Gemeinde als Form von Gemeinschaft, die sich auf Christus als ihren Grund bezieht, sich als Teil der Gesamtkirche versteht, alle Menschen ohne Unterschied einlädt und sich in Wort und Tat über ihre Grenzen hinaus engagiert, sagte der Kirchenrat.

Die Arbeitsgruppe C, Geistliche Profilierung, befasst sich damit, dass Spiritualtät und Gottesdienst mehr in den Focus im Leben der Kirche geraten müsse. Die Kasualien der Kirche haben große Relevanz für die Menschen, denn hier sei Kirche an den Lebensübergängen als geistliche Begleiterin gefragt. Allerdings müsse die Organisation der Kasualien überdacht werden.

Denn die Zahl der Kasualien nimmt seit 40 Jahren beständig ab. Nur noch ein Drittel der  Kirchenmitglieder lassen sich evangelisch trauen. Weniger als 80 Prozent lassen sich kirchlich beerdigen.

Die Kirche sei gerade hier kleinteilig organisiert und wenig serviceorientiert. Daher würden gerade in Großstädten Menschen sich an Agenturen wenden, die eine Rundumversorgung gewährleisten.

In die Mitte der Begleitungsangebote stellt die Arbeitsgruppe D, Kirche und Diakonie, den Menschen. Er müsse nach seinen Bedürfnissen gefragt werden und von Diakonie und Kirche begleitet werden. Auch das habe Folgen für die Organisation.

Über vernetzte Arbeitsformen hat die Arbeitsgruppe E, Vernetztes Arbeiten, nachgedacht. Sie fordert einen Abschied von einem Kirchenbild, das "von einer 'drinnen- und draußen-Vorstellung' gespeist wird. Die Kirche habe ihren Platz mitten in der Welt. Auch hier müsse sich das kirchliche Selbstverständnis und die Organisation ändern.

Mit dem digitalen Raum befasste sich die Arbeitsgruppe F. Der Digitalraum ist entgrenzt und ende nicht an Gemeinde- oder Dekanatsgrenzen. Anstelle der Orientierung an Gremien oder Hierarchien brauche es eine situations- und projektbezogene Beteiligung, die Zusammenarbeit und Teilen voraussetze.
Die akademische Konsultation stellte fest, dass die Volkskirche als verbindendes Prinzip nur die Mitgliedschaft kennen würde, aber dieses Prinzip löst sich auf. Vielfach würde eine Art Apothekenfunktion erwartet, nämlich, dass Kirche vieles Gute und Heilsame vorrätig hält, das der Einzelne nicht vorrätig habe, weil er es derzeit nicht braucht.

"Wir haben die Erde locker gemacht", sagte Prieto Peral abschließend. "Jetzt müssen wir die Setzlinge prüfen, die Büsche stutzen oder entfernen. Wir werden alle Vorschläge prüfen und auch konkret werden, was wir künftig lassen."

Der weitere Verlauf

Florian Baier erläuterte den Synodalen den Weg von PuK bis zur Frühjahrssynode 2019 im März in Lindau: "Wenn wir darüber reden die kirchliche Arbeit näher an den Menschen auszurichten, müssen auch unsere Führungssysteme in den Blick kommen. Eine behutsame Weiterentwicklung der amtskirchlichen Struktur und des Leitungsverständnisses ist angesagt."

Nach einer Phase der thematischen Offenheit des PuK-Prozesses schließt sich nun eine Verdichtung der Vorschläge an. Auf der Frühjahrssynode 2019 in Lindau soll dann der Synode ein Gesamtbericht vorgelegt werden. Bis dahin werden die PuK-Begleitgruppen die Ergebnisse und Vorschläge sichten und auswerten. Bis Mitte Januar können Vorschläge und Überlegungen noch eingereicht werden, danach sind Befassungen des Landessynodalausschusses und des Landeskirchenrates vorgesehen.

                     Martin Bek-Baier

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