Stehen oder doch gehen?

Brücke
Foto: Bek-Baier

Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch gerecht. Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen, sogar selbst als Sünder befunden werden - ist dann Christus ein Diener der Sünde? Das sei ferne! Denn wenn ich das, was ich niedergerissen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem Übertreter. Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben. Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn durch das Gesetz die Gerechtigkeit kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.

                     Galater 2,16-21

Es ist immer wieder amüsant, Menschen an Fußgängerampeln zu beobachten. Die Einen beachten das rote Licht, Andere kümmert es kaum, wieder Andere bleiben kurz stehen, schauen sich um und gehen verschämt über die Straße. Die Vorschrift der Straßenverkehrsordnung ist doch aber eindeutig.

Paulus schreibt im Galaterbrief über das Gesetz, die jüdische Thora. Hier sind viele Lebensbereiche für Juden klar geregelt. Da sich das Christentum über die Grenzen Israels ausgebreitet hat, tauchen Fragen auf: In wieweit gelten diese Regeln auch für Christen, die keine jüdischen Wurzeln haben? Müssen Judenchristen sie weiterhin befolgen? Es gibt Zwiespalt: Gilt die Idee, dass Menschen es schaffen können vor Gott gerecht dazustehen, wenn sie die Gesetze befolgen? Oder gilt, dass Jesus Christus uns Menschen errettet hat? Gilt es, dass wir freie Menschen sind, von Gott geliebt und durch Christus erlöst - oder sind wir weiter gebunden an das Bemühen, unser Heil selbst zu erwerben? Im Bild vom Anfang heißt das: Wenn keine Gefahr in Sicht ist, auch bei Rot über die Ampel gehen -  oder doch immer stehen bleiben?

Für Paulus geht es nicht um rote Ampeln, oder ob Einer einen Fehler macht. Menschen machen Fehler. Ihm geht es um die Entscheidung für die Freiheit in Christus. Der Mensch ist durch Christus in die völlige Freiheit gestellt. Es ist egal, ob einer nach jüdischer Vorschrift lebt, oder ob jemand bei Rot über die Ampel geht. Christus ist für uns gestorben. Deshalb müssen wir nicht mehr versuchen, uns selbst vor Gott gerecht zu machen durch das Einhalten von Gesetzen. Durch Christus sind wir gerecht. Das bringt uns Freiheit. Und das bedeutet, dass wir frei entscheiden können und müssen.

Der Stellenwert der Gesetze verändert sich. Seit jeher sollen sie Leben schützen und Zusammenleben regeln. Wir halten sie, weil wir sie halten wollen: aus Liebe zu den Mitmenschen und weil wir ihre Bedeutung für das Miteinander verstehen. Und wir dürfen Gesetze brechen, wenn sie menschenfeindlich, unsinnig und gottesfeindlich sind.

Gottes Liebe hängt nicht davon ab. Gottes Liebe ist ohne Bedingung.

             Pfarrer Wolfgang Böhm, Kirchenkreis Bayreuth

Lied 342:

Es ist das Heil uns kommen

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