Nicht nur Sex

Brücke
Foto: Bek-Baier

Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht ­haben über mich. Die Speise dem Bauch und der Bauch der Speise; aber Gott wird das eine wie das andere zunichtemachen. Der Leib aber nicht der Hurerei, sondern dem Herrn, und der Herr dem Leibe. Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Kraft. Flieht die Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, sind außerhalb seines Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.

                     aus 1. Korinther 6, 9-14.18-20

Da schreibt ein zölibatärer Single (1. Korinther 7) über Sex und sexuelles Fehlverhalten. Der Apostel Paulus hat offenbar eine klare Vorstellung von dem, was geht im Bett und was nicht. Wir wollen uns deshalb als Paar äußern:
Grundsätzlich ist Sexualität etwas Schönes, Bereicherndes und Gott-gewolltes (vgl. 1. Mose 1 und 2, Matthäus 19: "Er schuf sie als Mann und Frau" und "die zwei werden ein Fleisch sein", siehe auch 1. Korinther 6,16). Uns fallen beileibe nicht bloß Ausschweifungen ein. Auch das "sonstige" Miteinander zweier Menschen - ob in einer Ehe oder "sonstigen" Beziehung - kann durchaus glücklich sein und glücklich machen, selbst wenn manche Herausforderung bleibt.
Doch Paulus scheint sowieso anderes vor Augen zu haben. Er zählt Unzucht, Ehebruch, Hurerei und homosexuelle Prostitution mit Minderjährigen auf und stellt sie in einem sogenannten Lasterkatalog neben Habgier, Raub und Diebstahl. Aber auch Alkoholmissbrauch und die Verehrung falscher Götter (bzw. die falsche Verehrung Gottes) stehen in diesem Katalog.
Für uns bedeutet das: Wer sich für christliche Werte stark macht, der kann seinen Fokus nicht nur auf den Bereich des Sexuellen legen und den Verfall der Sitten beklagen, sondern der muss sich auch mit (sehr modernen) Themen wie Sucht und Haifischkapitalismus und sozialer Ungerechtigkeit auseinandersetzen.
Was noch auffällt: Paulus gewichtet die verschiedenen Sündenlaster nicht. Etwa Lästerei weniger schlimm als Raub. Oder Ehebruch nur ein Kavaliersdelikt. Oder homosexuelle Prostitution viel schlimmer als heterosexuelle. Jede dieser Sünden, überhaupt jede Sünde ist schlimm, weil sich der Sünder gegen Gott und seine Gebote wendet, weil er darin "falschen Götzen dient".
Das heißt: Wenn eine Sünde die schlimmste ist, dann ist das der Verstoß gegen das 1. Gebot, die Infragestellung Gottes selbst. Das meint Paulus, wenn er schreibt, dass nichts und niemand Macht über uns haben darf - außer Gott allein. Das meint er, wenn er schreibt, dass
wir unser Erbe aufs Spiel setzen. Und das meint er mit dem Leib, den wir von Gott haben, an dem wir uns nicht versündigen sollen, der "ein Tempel des Heiligen Geistes" ist, dass wir uns nicht selber gehören, sondern dem auferstandenen Herrn, dass wir durch Christus geheiligt und "teuer erkauft" sind, dass wir uns darum nicht billig hergeben, sondern auf uns achten und auf unsern Leib und auf unsere Mitmenschen. Dass wir mit diesem Leib sogar Gott preisen. Sogar mit unserer Sexualität.

             Uwe Rasp, Dekan in Uffenheim

             Dr. Sonja Schneider-Rasp, Biologin

Gebet:

Herr, hilf uns, dass wir sorgsam miteinander umgehen. Herr, lass mich rein sein an Leib und Seele. Ich danke dir für meinen Körper und den meines Partners. Amen.

Lied 240:

Du hast uns, Herr, in dir verbunden

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