lusspromenade im Zentrum Ljubljanas.
Flusspromenade im Zentrum Ljubljanas. Foto: Borée

Alltagsprobleme nach der Staatswerdung

"Die Verlierer der Staatswerdung sind die Minderheiten bei uns", schränkt Vera Lamut ein. Während diese Frage im Surinam nur eine untergeordnete Rolle spielte. Viele Roma, aber auch viele Kroaten, die bis 1990 in der Stahlindustrie arbeiteten, haben Probleme im Land. Danach verloren sie die Arbeit und es dauerte offenbar lange, bis ihr rechtlicher Status gesichert war. Noch immer sind sich Slowenien und Kroatien nicht endgültig über die Grenze zwischen ihren Ländern einig - wenigstens herrschte nur wenig Gewalt.

Grundsätzlich fördert die Weltgebetstagsarbeit die Gesprächsbereitschaft. Das wird auch in Ljubljana deutlich. Ausgehend von ihrer Zusammenarbeit starteten die Frauen kürzlich ein interreligiöses Projekt in Sarajevo, bei dem sie auch mit muslimischen Frauen zusammentrafen.

"Der größte Unterschied zu Surinam besteht wohl darin, dass bei uns die Umweltzerstörung keine so große Rolle spielt", spannt Vera Lamut noch einmal den Bogen zu diesem Jahr. Zwar trennen die Menschen vorbildlich Müll, aber die Schwerindustrie Jugoslawiens hatte Jahrzehnte lang auch massive Luftverschmutzung in Slowenien verursacht. Dennoch schwärmt Harbig: "Hier gibt es auf kleinstem Raum so viele schöne Regionen" - von den Alpen bis zur Adria sei so vieles mit einem Tagesausflug zu entdecken.

Dabei konzentriert sich das Leben in der Hauptstadt Ljubljana. Sie hat zwar nur etwa 200.000 Einwohner, doch das sind zehn Prozent der Bevölkerung. Und viele pendeln quer durchs Land in die Hauptstadt. Etwa 80 bis 90 Prozent der Wohnungen sind Eigentum der Bewohner, so Lamut. Die Häuser in den Dörfern sowieso. "Denn nach 1991 konnten die Bewohner ihre Wohnungen billig, und zwar wirklich günstig, kaufen." Doch heutige Mieten seien sehr teuer. Das behindert die Beweglichkeit Menschen. Und wenn sie mobil sind, dann wandern sie gleich ganz ab - gerade Ärzte und Ingenieurinnen nach Nord- oder Westeuropa.

Das Land trägt noch immer schwer an der Wirtschaftskrise von 2008. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse gerade für jüngere Menschen sind die Regel. Denn die Lebenshaltungskosten sind nur wenig billiger als etwa in Deutschland, die Löhne aber deutlich geringer.

Vera Lamut kam Mitte Februar gerade erst von einer Tagung aus Salzburg nach Ljubljana zurück. Dort besprach sie mit deutschsprachigen Frauen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland eine gemeinsame Übersetzung. "Erstmals geschieht das mit unserem Vorschlag", berichtet sie stolz.

Denn bevor noch der Weltgebetstag 2018 gefeiert wird, begannen die Ideen für das darauffolgende Jahr schon um die Welt zu gehen. Und die Frauen der Welt kommen nach Slowenien:?Bereits zehn deutschsprachige Gruppen, so fällt es Vera Lamut spontan ein, haben sich bereits zu Besuchen in Slowenien für die kommenden Monate angekündigt. Darunter sei auch eine Delegation aus der Schweiz. "Ach, und dann noch die Norwegerinnen", fügt sie hinzu. Sie wollen sich vorbereitend einen Einblick über Slowenien verschaffen und die Nähe zu einem Weltgebetstagsland nutzen.  

                    Susanne Borée

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