Er sicherte 150 Menschen Weihnachten

Warnick
Erschöpft, aber zuversichtlich: Bernd Warnick hat 150 Menschen den Arbeitsplatz erhalten. Foto: Ritthammer

Bernd Warnick hat Küchen Quelle gerettet – und somit vielen Menschen den Arbeitsplatz

Er hat 150 Menschen in Deutschland Weihnachten gesichert. Und mehr: Sie können dank dieses Mannes zuversichtlich in die Zukunft blicken. Bernd Warnick hat Küchen Quelle - einen erfolgreichen Zweig des liquidierten Versandhauses Quelle - gerettet.

 

Es war einer der schönsten Momente im Leben des Bernd Warnick: Küchen Quelle und mit ihr 150 Arbeitsplätze sind gerettet. Sie können zuversichtlich auf Weihnachten und das nächste Jahr zugehen. Gemeinsam mit drei fränkischen Unternehmern gelang dem bisherigen Leiter der Quelle-Tochter das, was jeder Fachmann noch vor Tagen als unmöglich eingestuft hatte.

Es begann allerdings mit dem dunkelsten Moment im Leben von Bernd Warnick: Quelle wird liquidiert. Diese Nachricht schlug bei ihm Ende Oktober wie aus dem Nichts ein. "Ich hatte fest damit gerechnet, dass Quelle aus der Insolvenz herauskommt und saniert werden kann - die ganze Quelle", erinnert sich Warnick, der seit 15 Jahre die Firma Küchen Quelle leitet.

Doch bei der Suche nach Investoren hatte sich niemand gemeldet, der Interesse hatte die Quelle mit ihrem Potential und ihren Mitarbeitern im Ganzen zu retten. Dann erreichte den Manager die Mitteilung, dass Quelle liquidiert wird. Der schnelle Abbau aller Arbeitsplätze war die absehbare Folge. Trotz der bösen Überraschung: "Ich habe dann aber die Flinte nicht ins Korn geworfen", erinnert sich der promovierte Diplom-Kaufmann. Er griff zum Hörer; am Abend hatte er acht potentielle Investoren aufgetan, die zu Gesprächen bereit waren.

Ein Telefonat war dabei wegweisend: Hannes Streng, Betreiber von 15 OBI-Baumärkten in der Region, traf sich noch am gleichen Abend mit Warnick und gab den Ratschlag: "Tempo, Tempo, Tempo! Denn übermorgen ist es zu spät!" Und damit hatte er Recht gehabt. Um keine neuen Kosten entstehen zu lassen, stehen bei einem Insolvenzverfahren die Räder still. Obwohl gerade bei Küchen Quelle das Geschäft brummt: "Wir hatten 1.000 Kundentermine vor uns und wir konnten nichts mehr machen." Immer wieder spürt man Warnick ab, dass er dem Insolvenzverfahren nichts abgewinnen kann. "Wir leben im blanken Kapitalismus; mit Geld kann man jederzeit Arbeitsplätze vernichten!", ärgert er sich. Wäre Küchen Quelle gestorben, wären weitere 150 Mitarbeiter auf der Straße gestanden. "Eigentlich sind es 550 Arbeitsplätze." Warnick zählt die Zuliefer- und Montagebetriebe mit und kommt deutschlandweit auf weitere 400 Arbeitsplätze, die direkt von Küchen Quelle abhängig sind.

Warnick arbeitete nun buchstäblich Tag und Nacht - mit maximal vier Stunden Schlaf. So sieht er auch nach vier Wochen Verhandlungsmarathon aus: Müde aber zufrieden. Die Rettung gestaltete sich zäh. Der Tag an dem alles zu scheitern drohte, war als Warnick erfuhr, dass der größte Konkurrent, Otto, Rechte am Namen Quelle gekauft hatte. Doch Warnick konnte eine Übereinkunft treffen, dass er den Namen Küchen Quelle weiter verwenden darf.

  Schon auf der vermeintlichen Zielgeraden stellte sich dann heraus, dass sämtliche Immobilien, die Küchen Quelle-Megastores, samt Einrichtungen verkauft waren.

" Nicht einmal der PC und der Stuhl, auf dem ich saß, gehörte Küchen Quelle" Es galt nun in Verhandlungen mit den Eigentümern fünf Megastores, unter anderem den in Nürnberg Langwasser, nähe dem Südklinikum zurück zu gewinnen.

"Ich habe gelernt, dass im deutschen Insolvenzrecht Arbeitsplätze und der Erhalt von Mitarbeitern keine Rolle mehr spielt!", ärgert sich der engagierte Manager. Nur noch die Erzielung von Bargeld, um Banken und Gläubiger zufriedenzustellen, stehen im Vordergrund. "Dass Geld wichtiger ist, als nur einen Arbeitsplatz zu erhalt'n, das will Warnick nicht einsehen.

Was aber ist nun das Kapital von Küchen Quelle? Warnick gibt sofort die Antwort: "Unsere Mitarbeiter, vor allem unsere achzig gut ausgebildeten Küchenberate!" Küchen Quelle macht rund 800 Beratungen pro Woche. Die Kunden nehmen über die Internetseite www.kuechenquelle.de Kontakt auf. Der Berater erarbeitet vor Ort die Planung, die auf die Kunden zugeschnitten sind. "98 Prozent aller Kundinnen haben uns bestätigt, dass sie wieder bei uns kaufen würden! Wir sind die nicht umsonst Marktführer in Sachen Küchen geworden."

Kam der Manager nie auf die Idee, wenigstens seine eigene Situation zu retten? "Ich habe mir jeden Tag gesagt, ich gehe erst von Bord, wenn ich alles unternommen habe, um die Arbeitsplätze für meine Mitarbeiter zu retten!" Seine Frau bat ihn, sich um einen anderen Job umzusehen. "Das habe ich nie ernsthaft überlegt."

Ganz über den Berg ist die Firma noch nicht. Mit dem Kauf der Küchen Quelle übernahmen die Investoren erst einmal Verpflichtungen: 150 Mitarbeiter sind zu bezahlen - und das sofort. Das geht nur mit Vertrauen! Die Geschäftspartner müssen Vertrauen haben, dass die neue "alte" Firma es schaffen kann.

Und Vertrauen konnte Warnick durch seine Überzeugungskraft vermitteln. Neben Hannes Streng ließen sich auch Küchenzubehörhersteller Alexander Fackelmann und Christian Bühler, Schwiegersohn von Madeleine Schickedanz, von Bernd Warnick überzeugen und stiegen mit ein, um die Firma zu retten.

Der freundliche Mann wirkt auf den ersten Blick zwar unscheinbar. Doch sicher und meist gut gelaunt begegnet er jedermann - und das ist nicht gespielt. Sein fröhlicher Charakter hilft ihm dabei. Warnick ist ein bei seinen Mitarbeitern beliebter Chef. Doch einmal verdunkelt sich seine Miene: Als es noch eine Quelle gab, musste er 50 Menschen entlassen. Jedem blickte er dabei in die Augen. "Das tat extrem weh".

"Ich kenne doch alle, die Verkäufer, Möbelspediteure und unseren Küchenzulieferer. Warum soll ich das ohne Grund kaputt gehen lassen? Dieser Gedanke war mein Antrieb." Hat er auch Kraft aus dem Gebet geschöpft? "Ich lebe nach christlichen Grundsätzen und gehe so mit den Mitmenschen um", sagt das 47-jährige Mitglied der evangelischen Kirche aus Kammerstein (Landkreis Roth). Ein Austritt aus finanziellen Gründen, wie bei etlichen seiner Managerkollegen, kam für Warnick nie in Frage. "Ich glaube fest daran, dass Gott mir meine Fähigkeiten und meine Schaffenskraft verliehen hat." Bernd Warnick bete zwar nicht täglich darum, aber hält es für seine Pflicht, diese Kreativität für die Mitmenschen einzusetzen. So sucht er unermüdlich nach Lösungen um Arbeitsplätze zu erhalten. "Und ich habe noch 1.000 Ideen in meiner Birne!"

Martin Bek-Baier

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