Eine heilsame Unterbrechung

Brücke
Foto: Bek-Baier

Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen. Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden (...) Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.      

                      (aus Offenbarung 1, 9-18)

Der Seher Johannes ist auf die Insel verbannt. Der Sonntag ist noch nicht offizieller Feiertag. Die christlichen Gemeinden werden verfolgt und haben Angst. Da ergeht das Wort des Johannes an die sieben Gemeinden und damit symbolhaft an die ganze Kirche: Ehrt den Sonntag und feiert Gottesdienst, denn der Menschensohn selbst legt dir mit seinem Fürchte-Dich-Nicht tröstend die Hand auf.

Es ist der Tag des Herrn. Sonntag. Johannes fühlt sich mit seinen Gemeinden verbunden. Abseits in der Verbannung weiß er, dass an vielen Orten in Kleinasien Menschen an diesem Tag Gottesdienst feiern, um sich von Gott trösten und stärken zu lassen. Sie alle loben den, der den Tod überwunden hat. Über räumliche Grenzen hinweg ist Johannes mit vielen Christen verbunden und feiert innerlich mit.

Hier wird Johannes von Gott "ergriffen". Er betont diesen Tag des Herrn,  denn der Tag des Herrn steht in der Gefahr vom Kaiser instrumentalisiert zu werden, so wird der Begriff " dem Herrn gehörend" bereits für den Kaiserkult angewandt. Die ersten Gemeinden wussten, was Johannes betont: der Sonntag gehört Gott.

Am Sonntag und in ver­bindender Erinnerung zur gottesdienstlichen Gemeinde kommt es zur heilsamen Begegnung. Johannes beschreibt sein heiliges gottesdienstliches Erleben in einer symbolischen Sprach- und Bilderwelt, die seinen Adressaten vertraut ist. Heute würde er es möglicherweise so beschreiben: "Als ich die Kirche betrat, hörte und sah, da wurde ich ergriffen. Orgelklänge, Lieder, die mich anrührten. Das Licht der Altarkerzen und das Altarbild fesselten meinen Blick, ein gemeinsames Glaubensbekenntnis machte mich mutig und staunend. Still und mit gespannter Freude  schmeckte ich, wie nah mir Jesus in Brot und Wein kommt. Ich bin kein Heiliger, aber ich fühlte mich in einer Gemeinschaft der Heiligen.

Aufgehoben und getröstet, etwas, was ich heilig nenne, ergriff mich. Ich spürte, wie das Wort Gottes durch mein Ohr in mein Herz ging und sich einpflanzte: Fürchte dich nicht!  Ich war berührt, herzlich und zärtlich berührt. Ich bekam innere strahlende Augen und die Gewissheit: Gott lebt und Jesus lebt für mich, in mir. Seine liebende Nähe ist größer als alles andere. Das machte mich stark."

Johannes schreibt und rät seinen Gemeinden: Ehrt den Sonntag und feiert Gottesdienst, denn der Menschensohn selbst legt dir mit seinem Fürchte-Dich-Nicht tröstend die Hand auf. Sonntag ist Feiertag und darf Feiertag bleiben. Der Gottesdienst ist heilsame Unterbrechung des Alltags und ein Ort, an dem ich mich erinnere und vergewissere, dass Gott mein Leben und das Leben seiner Gemeinden und Kirche begleitet.

Mich verblüfft der Seher Johannes. Denn seine Zeilen wirken so, als ob sie für dieses neue Jahr 2018 geschrieben wären.    

              Martin Reutter, Pfarrer, Christuskirche Herrieden

Lied 162:

Gott Lob, der Sonntag

Gebet:

Lebendiger Gott, du schenkst uns heilsame Zeiten und Orte, damit wir spüren: Du bist bei uns. Unter deinem Schutz dürfen wir mutig unseren Weg gehen, gestern, heute und in alle Ewigkeit. Dafür danken wir durch Jesus Christus. Amen.