Mission heißt konkrete Lebenshilfe

Hans Zeller
Immer nahe an den Menschen. Lateinamerikareferent Hans Zeller geht in den Ruhestand. Er setzte sich für konkrete Lebenshilfe in den Kirchen Süd- und Mittelamerikas ein. Foto: Bek-Baier

Der Lateinamerikareferent Hans Zeller von Mission EineWelt zieht Bilanz

Gut acht Jahre war Pfarrer Hans Zeller für die Kontakte der bayerischen Landeskirche nach Lateinamerika zuständig. Durch seinen persönlichen Einsatz füllte er die Partnerschaften beispielsweise mit Brasilien, El Salvador oder Nicaragua mit Leben. Konkrete Hilfe zur Selbsthilfe war eines seiner Themen. Nun wird er am Samstag, 9. Dezember, mit einem Gottesdienst in St. Nikolai in Neuendettelsau um 17 Uhr in den Ruhestand verabschiedet. Martin Bek-Baier sprach für das Sonntagsblatt mit dem scheidenden Lateinamerikareferenten.

Wenn Sie auf ihre Arbeit als Lateinamerikareferent zurückblicken, was war ein roter Faden?

Hans Zeller: Als Mission EineWelt und als Lateinamerikareferat sind wir immer ein Teil der Weltkirche. Gott sei Dank haben wir die nationalen Grenzen überwunden und schauen über unseren Kirchturm hinaus und sehen uns im globalen Zusammenhang. In der Regel neigen wir dazu, das nicht zu machen und schauen auf unsere regionalen Herausforderungen. Dadurch tun wir uns hier in Deutschland oft schwer den gesamten Kontext zu sehen.  

Wenn Sie sagen "wir", wen meinen Sie?

Ich nehme die Menschen hier in den Kirchengemeinden und in der Kirche außerhalb der Gemeinden so wahr, dass wir immer zuerst an uns denken.

Ein Beispiel: Als ein Flüchtlingswohnheim in die Gemeinde kam, in der ich wohne, organisierte man als Erstes eine Unterschriftensammlung gegen ein solches Wohnheim, weil man befürchtete, dass die Grundstückspreise fallen. Ich habe andere Argumente in die Diskussion am Ort eingebracht. Deswegen ist es ganz wichtig, dass wir uns bewusst machen, wir sind nicht nur Christen in Bayern. Sondern wir sind weltweit Christen. Lasst uns also darüber nachdenken, was wir als Christinnen und  Christen für eine Verantwortung haben für diese globale Welt. Das ist der rote Faden.

Welche Verantwortung können wir als Christen in der globalen Welt denn wahrnehmen?

Es ist unsere Aufgabe, dass wir informieren: Inwieweit können globale Zusammenhänge - in die wir als westliche Kirche immer mit eingebunden sind - für Menschen in anderen Kulturen schädigend sein? Was kann unser Konsumverhalten hier auf der anderen Seite der Welt für Folgen haben. Wir sind, wenn wir am Morgen unseren Kaffee trinken, unwillkürlich verbunden mit der gesamten globalen Welt. Da können und wollen wir ja gar nicht herauskommen. Es geht vielmehr darum zu sehen, wie können wir den Menschen gerecht werden, mit denen wir verbunden sind. Das war die Grundlinie meines Handelns.    

Was war in den vergangenen Jahren Ihre hauptsächliche Aufgabe?

Meine erste Aufgabe war, ein gutes und vertrauliches Verhältnis mit den Partnerkirchen herzustellen. Das Zweite war, diese Menschen in diesen Kirchen zu hören, damit sie etwas von ihrem Kontext einbringen können. Gleichzeitig sollten wir aus Bayern unsere Interessen einbringen können in das Gespräch, damit wir in einen Dialog mit diesen Kirchen kommen. Das Dritte was im Bezug auf Lateinamerika eine große Rolle spielt ist, die Grundbedürfnisse zu beachten und zu fragen: "Wie kommen die Kirchen mit den Möglichkeiten zurecht?" Zum Vierten war wichtig, diese Realität, in denen diese Kirchen und ihre Menschen leben, hier in Bayern bekannt zu machen.

Ein Beispiel war ein Kurs für das Pastoralkolleg, in dem Pfarrerinnen und Pfarrer ihren Kolleginnen und Kollegen in Brasilien begegnen konnten und sie sich miteinander auf den Weg  machten und ein bestimmtes Thema bearbeiteten. In diesem Fall fragten sie: "Was bedeutet heutzutage Mission in der Stadt." Sie arbeiteten an Beispielen wie Rio de Janeiro oder Sao Paulo. Gibt es Ähnlichkeiten zwischen den Kontinenten oder auch Gegensätze sowie gemeinsame Fragestellungen?

Wo sehen Sie Früchte Ihrer Arbeit?

Letzten Endes war ich nie alleine am Werk. Es war mir immer wichtig anderen Menschen aus der Kirche diesen Kontext auch zu zeigen, die dann weitergeben konnten, was es in diesen Ländern an kirchlichen Initiativen und Arbeitsweisen gibt.

Wir arbeiteten gemäß dem Grundsatz, Schwächere, Kranke, Ausgegrenzte aufrichten zu können. Da gibts viele Beispiele, wie wir den Indigenen oder armen Leuten in unterschiedlichen Ländern helfen konnten. Jetzt aktuell, konnten wir denen, die aus den Bürgerkriegen heraus mit großen seelischen Verletzungenleben müssen, helfen. Wir konnten ihnen beispielsweise im rechtlichen Bereich Handwerkszeug an die Hand geben, damit sie Gerechtigkeit erfahren können.  
Zudem ist ein wichtiges Thema für mich immer die Schöpfung Gottes. Wie gehen wir damit um? Wie respektlos handeln wir in der heutigen Welt, gegenüber dem, was uns von Gott gegeben wurde? Wo müssen wir unser Handeln korrigieren?

Welche Erfolge können Sie als Beispiel aus Ihrer Arbeit nennen?

Wir haben die Menschen in vielen Ländern Lateinamerikas nicht nur über die Verkündigung des Wortes erreicht, sondern haben auch ganz konkret Hilfe zur Selbsthilfe geschaffen. Ich denke an Tröpfchenberegnung der Felder oder an energieeffiziente Kochstellen, die die Gesundheit nicht schädigen oder an Saatgutbanken. Mission heißt eben auch ganz konkrete Lebenshilfe.

Wir halfen auch, dass die lutherische Kirche zwischen der mächtigen katholischen Kirche und den aufstrebenden Pfingstkirchen in die Lage versetzt wird, dass sie einen dritten Weg anbieten kann. Damit sie Menschen so weit bringt, dass sie zu einer Gewissensbildung kommen und von sich aus Entscheidungen in religiösen Fragen treffen können. Unsere Hauptaufgabe als Kirche ist, den Menschen zu einem selbstbestimmten Leben zu helfen.

Was mir eine besondere Freunde ist, ist dass wir in Zusammenarbeit mit der "Stiftung Wings of Hope" Traumaseminare anbeiten konnten und nun sogar ein Traumazentrum  errichten konnten. Es hat sowohl in Brasilien als auch Mittelamerika einen enormen Zulauf, weil die Menschen merken, dass in ihrem von Gewalt bestimmten Leben es Möglichkeiten gibt, auch wieder zu einem selbstbestimmten Leben zu kommen.

Wer die Traumaarbeit unterstützen möchte, kann spenden:
Mission EineWelt, Konto 2271 Traumaarbeit El Salvador
DE12520604100001011111
GENODEF1EK1

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