Editorial: Was bleibt vom Leben?

Inge Wollschläger
Inge Wollschläger

Ich mache gerade eine Löffelliste", erzählt eine Freundin. "Eine was?"

Sie und andere Freundinnen sind an Krebs erkrankt. Die Gespräche drehen sich um Therapien und Krankenhausaufenthalte, um Medikamente und Hoffnung. Um Leben und Tod.

Sie handeln aber auch von Hoffnung. Von einem normalen Leben, das sie irgendwann wieder führen möchten, ohne dass das Gespenst dieser Krankheit über ihnen schwebt.

Von Lachen und Liebe und all den Dingen, die sie dann - unbeschwert - wieder machen möchten.

Die Gespräche zeigen einem wieder einmal mehr, wie endlich unser Leben ist. Und dann kommt dieses Wort "Löffelliste"

"Es ist eine Liste mit Dingen, die du noch tun willst, bevor du den Löffel abgibst", erzählt die Freundin. Es klingt ein wenig makaber, doch sie ist die Essenz all dessen, was man in seinem Leben noch an Träumen verwirklichen will, bevor man den "Löffel abgibt".

Der Buß- und Bettag naht, der Totensonntag - all das sind Tage, die einen innehalten lassen und nachdenken lassen.

Was ist meine persönliche Löffelliste? Was wollte ich schon immer erleben oder erledigen? Und was hat mich bisher gehindert?

Es ist auch ein "Herumspinnen" mit Ideen, die man vielleicht noch nicht mal seinen engsten Freunden erzählen würde, weil sie am Ende albern sind. Oder nicht umsetzbar. Ich habe angefangen, in Gedanken eine solche Liste zu beginnen. Und habe festgestellt, es ist schwieriger, als gedacht. Man ist es gewohnt, vernünftig zu sein und als "Schuster bei seinen Leisten" zu bleiben. Aber bestimmt nicht, Luftschlösser zu bauen und über Hirngespinste nachzudenken. Voltigieren mit Pferden - in meinem Alter? Der innere Zensor schreit auf. Völlig unmöglich. Aber es kommt auf die Liste. Es ist eine Traum von mir seit ich 13 Jahre bin.

Für mich sind diese Träume zu einem Instrument geworden gegen Aufschieberitis, als Quelle der Inspiration und als Motivation. Denn unser Leben ist endlich. Und es soll mit Leben und Träumen und auch Erfüllungen angefüllt werden - bevor es zu spät ist, meint ihre 

                                Inge Wollschläger

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