Laine Villenthal
Laine Villenthal zu ihrem 75. Geburtstag, 1997, mit Erzbischof Jaan Kiivit (dem Jüngeren)

Ein Leben für die Kirche

Noch 1980 etwa wurde Villenthals Kollege Villu Jörjo von Seiten der Behörden mit einem Berufsverbot belegt, da er ein christliches Jugendcamp abgehalten hatte. Nun musste eine Lösung für ihn her. Nebenher erfahren die Leser, dass es nicht nur um ihn selbst ging, sondern dass er "Familienvater" war. Genauso selbstverständlich, wie Villenthal für ihre Gemeinde und Kirche lebte, haben ihre Kollegen ihre Familie. Matthias Burghardt dazu: "In Estland gab es bis vor einigen Jahren einen großen Frauenüberschuss. Lange nicht jede Frau, (besonders nicht ihres Jahrganges), hat einen Mann gefunden." 1968 wurde in Estland eine weitere Pfarrerin ordiniert. Inzwischen gibt es einen Frauenanteil von 30 Prozent. Doch Kolleginnen spielen keine Rolle für Villenthal: "Vielleicht war das einfach nicht wichtig für sie?", so Burghardt.

"Im Juni 1961 durfte ich nach Prag zur 1. Allchristlichen Friedensversammlung reisen", berichtet Laine Villenthal. "Das, worunter mein Name stand, hatte ich nicht geschrieben. Wo meine Rede geblieben war, weiß ich nicht." Die Reaktion des Erzbischof Jaan Kiivit (des Älteren): Dann "lesen Sie Ihre Rede bitte nicht vom Blatt ab, sondern Sie sprechen bitte frei mit Worten, die Ihnen einfallen." Villenthal zog für sich den Schluss: "Ich beschloss, gar nicht aufzutreten." Ein Drama in äußerster Verknappung! Und gerade dadurch zeigt es sich besonders eindrücklich.

Dann begann sich für Villenthal das "Karussell der Freiheit" zu drehen. Das muss doch eine so spannende Epoche gewesen sein! Neue Partnerschaften entstanden - auch nach Deutschland. 1991, mit 69 Jahren erhält sie endlich ein eigenes Auto. Schließlich hatte sie noch eine weitere Gemeinde auf der russischen Seite der Grenze zu betreuen. Mit der Unabhängigkeit Estlands war sie nicht mehr mit Bussen erreichbar.

Eben: die Unabhängigkeit! Auch hier wieder beredtes Schweigen. Doch spürt man nur die steigende Arbeitsbelastung der betagten Pfarrerin. "Schließlich wäre es meines Erachtens überzogen, Schwester Laine zu einer Vorkämpferin für etwas zu machen. Es ist sehr unestnisch, etwas lautstark einzufordern. Man argumentiert möglichst sachlich und nüchtern. Das hat Laine sicherlich so getan wie die meisten unserer Amtsschwestern (und -brüder) es bis heute zu tun versuchen."  

Laine Villenthal: "Wir wollen keinen anderen Pfarrer!" 18 Euro, 306 S., bestellbar über die GAW-Zentrale, Tel. 0341/4906213; E-Mail: verlag@gustav-adolf-werk.de oder den Buchhandel: ISBN 978-3-87593-129-7.

Film zur Amtseinführung Villenthals online unter
https://youtu.be/qPeyUxFd71E

                     Susanne Borée