Flickenteppich zwischen Glaube und Gewalt

Scheinfelder Gymnasiasten
Der Projektkurs des Scheinfelder Gymnasiums über die Ausstellung zur "Reformation in der Region" mit Schulleiter Wolfram Schröttel und Lehrerin Adelheid Schmidt

Schülerprojekt zur ''Reformation in der Region'' Scheinfeld

Linda Böhringer hatte nichts in der Hand. Die Abiturientin am Gymnasium Scheinfeld wollte untersuchen, wie die Reformation in ihrem Heimatort Markt Taschendorf zum Durchbruch kam. Sie fand - fast nichts. Nur eine kleine Broschüre aus dem Jahr 1918, die noch in deutscher Schrift gedruckt war. Tapfer kämpfte sie sich durch diese Schrift, die für sie fast unlesbar war. Seit 99 Jahren hatte sich offenbar niemand mehr mit der Reformationszeit vor Ort beschäftigt. "Auch die Pfarrerin konnte mir nicht helfen, da sie ganz neu zu uns gekommen war." Immerhin versuchte der Würzburger Fürstbischof dort um 1631, den katholischen Glauben wieder einzuführen. Erst die Ankunft des Schwedenkönigs Gustav Adolf setzte dem ein Ende.

Schließlich entstand dennoch eine Plakatwand, ein so genannter Roll-up, zur Reformation in Markt Taschendorf. 14 Schüler und Schülerinnen des P-Seminars Evangelische Religion/Geschichte im Gymnasium Scheinfeld im Dekanat Markt Einersheim schufen in Einzel- und Partnerarbeit zwölf Ausstellungstafeln. Das Projekt-Seminar ist seit einigen Jahren Teil der gymnasialen Oberstufe in Bayern. In der 11. Klasse und im ersten Halbjahr der 12. Jahrgangsstufe verfolgen die angehenden Abiturienten ein praktisches Projekt.

Die Schüler folgten den Spuren der Reformation in Scheinfeld und acht Orten der Umgebung. Denn das Gymnasium hat einen großen Einzugsbereich. Von Schlüsselfeld gut 20 Kilometer nordöstlich von Scheinfeld bis Sugenheim rund zehn Kilometer nach Südwesten und Neustadt an der Aisch 17 Kilometer nach Südosten haben die Schüler ihre Fühler ausgestreckt. Im 16. Jahrhundert waren diese Orte kleinteilig unter verschiedenen Herrschaften aufgeteilt. Dadurch erklärt sich manch rascher Wechsel zwischen katholischer und protestantischer Prägung. So war selbst Markt Bibart nicht durchgängig katholisch, da zeitweise Georg Ludwig von Seinsheim (Seite 9) dort die Herrschaft innehatte. Zudem hat der Bauernkrieg überall tiefe Spuren hinterlassen.

Alle Vorarbeiten ihres 11. Jahrgangs mündeten in Scheinfeld nun in diese Reformations-Ausstellung. Sie ist nach der Präsentation in der Schule während der letzten Septemberwoche dann auch noch am letzten Oktoberwochenende in der "Kulturtankstelle Burghaslach" zu sehen. Und am Reformationstag im Gemeinderaum Kirchrimbach.

Schließlich haben die Scheinfelder Schüler viel geleistet - nicht nur im Kampf mit der schwierigen Quellenlage. Jannik Schwarz lenkte eine Drohne über das frisch renovierte Schloss Schwarzenberg oberhalb Scheinfelds. So entstanden die ersten Luftaufnahmen nach der Instandsetzung. Johann der Starke von Schwarzenberg führte bereits 1524 die Reformation dort ein. Im Dreißigjährigen Krieg war die Stadt hart umkämpft.

Zu Beginn ihrer Recherchen besuchten die Gymnasiasten das Evangelische Kirchenarchiv in Nürnberg. Der stellvertretende Leiter Daniel Schönwald empfing die Schüler dort und betreute sie engagiert. Später haben sie "Experten" und Heimatforscher an ihren Heimatorten befragt.

Mitschüler Andreas Schwab gestaltete als "Chef-Layouter" die Plakatwände mit dem Programm Adobe Illustrator. Jeder Ort ist auf dem Überblicksplan mit einer Farbe gekennzeichnet. Diese nimmt dann die entsprechenden Schautafel über die Ortsgeschichte wieder sinnenfällig auf. Der Schüler konnte als einziger dort noch im Nachhinein Korrekturen eingeben. "Denn die Schul-Computer sind alle älter", da würde die moderne Version des Programms nicht laufen, erklärt er.

In den Sommerferien stand dann der Druck der Plakatwände an. Schulleiter Wolfram Schröttel gab sie in Auftrag. Nein, drei von ihnen waren bereits Anfang Juli zum Nürnberger Reformationsfest fertig. Dorthin war der Kurs ebenfalls gereist. "Gut, dass wir uns mit diesem frühen Termin selbst unter Stress gesetzt haben", so Wolfram Schröttel. Denn die nachfolgenden Wochen nach dieser "Generalprobe" waren immer noch eng genug terminiert.

Um sich den Druck der Plakatwände "leisten" zu können, halfen die Schüler beim Scheinfelder Holzmarkt mit, wie Geschichtslehrerin Adelheid Schmidt erklärt. Und die Evangelische Landeskirche in Bayern hat eine Unterstützung zugesagt. Nach dem Reformationstag wird die Ausstellung aber keineswegs im Keller oder auf dem Dachboden verstauben. Denn es gibt noch einen "Nachschlag" am 17. Dezember in der Kulturscheune Münchsteinach. Und auch noch für 2018 haben regionale Kulturbeauftragte weiteres Interesse signalisiert.

                      Susanne Borée

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