Herzlich willkommen zur neuen Ausgabe des "Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern"

Evangelisches Sonntagsblatt vom 2.7.2017
Brücke

=> Andacht: Auf welcher Seite stehen wir?

"Wir brauchen klare Verhältnisse." Ein Satz, der sich gut macht in Wahlkampfreden von Politikerinnen und Politikern. In einer Welt, die - so scheint es zumindest - immer unübersichtlicher wird, beginnen viele, sich nach den sogenannten "klaren Verhältnissen" zu sehnen. Und dann wird eingeteilt: in die Guten und die Bösen, in die Frommen und die Ungläubigen, in die weißen und die schwarzen Schafe. Auf den ersten Blick scheint Jesu Gleichnis genau solche klaren Verhältnisse zu schaffen: Auf der einen Seite stehen die Gerechten, auf der anderen der Sünder; auf der einen Seite die, die sich an Gottes Gebote halten, auf der anderen das verlorene Schaf, das davongelaufen und nun auf Irrwegen ist; auf der einen Seite wir. ...

(Lukas 15, 1-7)

Inge Wollschläger

=> Dem jüngeren Ich in die Augen schauen

''Jetzt bist du alt. Wenn man schon mal im Museum steht!'', grinst mein Neffe mich an. Seit einiger Zeit steht mein jüngeres Ich als Pappfigur im Freilandmuseum in Bad Windsheim in der Ausstellung "Nicht Dorfhaus und nicht Villa - Evangelische Pfarrhäuser in Franken" (siehe auch Seite 21). Durch einen Bericht hier im Sonntagsblatt kamen die Organisatoren der Ausstellung auf mich zu, um dort Teile meiner Geschichte als Pfarrerskind zu veröffentlichen. ...

Blick aus dem Leipziger Rathaus

=> Druck und Kontrolle im Zeitalter der Reformation in Nürnberg und Leipzig

Bitte erst sieben bis acht Wochen nach Drucklegung ein Nachdruck - dies schrieb einst Martin Luther nach Nürnberg. Im Impressum sollte nicht "Wittenberg" stehen, sondern der tatsächliche Druckort. Und vielleicht wäre auch eine bessere Korrektur des Druckes möglich? Dieses Schreiben lässt spannende Rückschlüsse zu, so der Mainzer Buchwissenschaftler Nikolaus Weichselbaumer. Er sprach bei der Jahrestagung des Vereins für bayerische Kirchengeschichte im Reformationsjahr 2017. Zum Thema "Frühe Drucke der Reformation im Gebiet des heutigen Bayern" referierte er im Rothenburger Wildbad über frühe Nürnberger Drucke. Selbst Luther traute sich also nicht, gegen Raubdrucke seiner Schriften grundlegend zu wettern. Es zeige aber auch die Leistungsfähigkeit der Nürnberger Drucker vor 500 Jahren. Und ihre Schlamperei. ...

Kurator Eike Lossin

=> Lebenslinien (Teil 91): Boten oder Bediente des Pfarrhofes?

''Es war mir ja mehrmals vergönnt, sie in Ansbach zu besuchen, aber die Sehnsucht! Zuerst aber hieß es Geduld haben.'' So schreibt Wilhelm Drechsel vor gut hundert Jahren über seine Verlobte. Als er 1899 in Oberampfrach den erkrankten Pfarrer vertrat, da "lernte ich die älteste Tochter Agnes näher kennen. Ich verlobte mich mit ihr am 25. März 1900." Beweglichkeit war gefragt - und Bewegung. Ruhe ­- das war lange ein Fremdwort gerade für Pfarrer. ...