Das Weltgericht als Wegweiser

Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! ... Dann wird er auch sagen zu denen zur linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!

Aus Matthäus 25, 31-46

Es sind andere Weltgerichte, die heutzutage Schlagzeilen machen - vom Internationalen Strafgerichtshof bis zum UN-Kriegsverbrechertribunal. Weil sie von dieser Welt sind, weil sie das Weltgewissen beruhigen sollen, knöpfen sie sich die ganz Großen vor und sprechen "Recht". Gottes Weltgericht ist anders. Es betrifft alle und alles. Es urteilt im Geiste Jesu Christi. Und es ist endgültig. Es zieht für jeden Einzelnen Bilanz am Ende dieser Welt, wenn es um den Eintritt in die neue Welt, in das ewige Reich Gottes geht.

In unserem Text (man sollte die Verse 31-46 im Zusammenhang lesen) hört sich das auf den ersten Blick ganz schön hart an: die einen und die anderen, die Schafe und die Böcke, ewiges Leben und ewige Strafe. Große Künstler wie Michelangelo haben uns das einst drastisch vor Augen geführt. Also: alles nur schwarz-weiß, wo bleiben die Zwischentöne? Dann auf den zweiten Blick: eigentlich wird von mir da ja nicht mal was Großes erwartet, um auf die "richtige Seite" zu kommen. Und eigentlich ist es ja gut, wenn Jesus hier Klartext redet und deutlich kontrastiert. Kein sowohl als auch mehr, keine mehrdeutige Rechtslage, kein Deal vor Gericht. Gottes Weltgericht, gehalten von seinem menschgewordenen Sohn, arbeitet mit einer anderen Prozessordnung, mit anderen Beweismitteln. Nicht von Untaten ist hier die Rede, sondern vom Untätigsein - und auf der anderen Seite von den kleinen guten Taten, den Barmherzigkeiten des Alltags. Und weil dieses Gericht eben nicht Unmögliches von uns verlangt und nicht nur straft sondern auch belohnt und dafür klare Wegweisungen gibt, dient es weniger der Einschüchterung als vielmehr der Ermutigung.

Jesu Worte über Gottes kommendes Weltgericht geben uns den entscheidenden Fingerzeig, wie wir uns als Christen im Hier und Heute zu verhalten haben, wie wir nach Gottes Geboten und Jesu Beispiel handeln sollen. Wenn wir im "Vater unser" erbitten "Dein Reich komme", dann verstehen wir darunter weder nur ein jenseitiges Paradies noch nur eine innerliche Frömmigkeit. Gottes Reich ist nicht von dieser Welt, aber es kommt durch die Nachfolge Jesu auch in unsere Welt und ist dann mitten unter uns. Wir dürfen und müssen jetzt daran mitbauen, wenn wir uns mit Mut und Zuversicht auf den neuen Anfang am Jüngsten Tag ausrichten wollen. Und wer wollte bestreiten, dass unser Leben schon auf dieser Erde viel erfüllter wird, wenn wir uns auch um andere kümmern. Im Glauben an Gott werden wir durch seine Gnade gerecht, aber Glaube muss auch Früchte tragen, muss sich im Handeln bewähren.

Mit dem Vertrösten auf das Reich Gottes im Jenseits, auf "bessere Zeiten" ist es nicht getan. Schon hier und heute sind wir als Christen dazu aufgerufen, der Welt etwas vom Reich Gottes mitzugeben. Jesus hat uns den Weg gewiesen - durch die Bergpredigt, durch die Seligpreisungen, durch sein "zur Welt kommen" in einfachsten Verhältnissen. Ohne den Blick auf unseren Nächsten ist auch der Blick auf unseren Erlöser verstellt. Vor allem daran will uns Gottes Weltgericht erinnern.

Stephan Bergmann, München,
Leitender Fernsehredakteur beim BR

Gebet:

Herr, unser Gott, du bist die Stärke aller, die auf dich hoffen. Und weil wir ohne dich nichts ausrichten können, so hilf uns, dass wir nach deinen Geboten dir und unseren Nächsten dienen. Durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lied (EG 395):

Vertraut den neuen Wegen

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