Inneren Frieden in die Welt hinaustragen

Carl Wolf
Carl Wolf. Foto: Borée

Carl Wolfs langer Weg von der US-Army zu den Friedensidealen der Quäker

Selten blieb Carl Wolf als Junge ohne Jagdbeute. Im heimischen Pennsylvania im Nordosten der USA war er oft zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder auf erfolgreicher Pirsch. Seine Treffsicherheit überzeugte auch die US- Army. Sechs Jahre diente er in Franken. Doch als er bei einer Jagd einem erlegten Reh nicht mehr in die Augen sehen konnte, beschloss er, seine militärische Karriere an den Nagel zu hängen. Begegnungen mit Quäkern bestärkten ihn darin.

Aber in Franken ist er seit mehr als 30 Jahren geblieben. Hier nahm er den Namen seiner deutschen Frau an. "Ein Berufsleben mit einer Waffe in der Hand kann einen doch nicht erfüllen", erklärt er nun Auszubildenden, die überlegen, sich nach ihrer Lehrzeit bei der Bundeswehr zu verpflichten. Denn als Industriemechaniker und Betriebsrat der Herzogenauracher INA-Schaeffler-KG, die kürzlich für Schlagzeilen sorgte, ist er nun aktiv.

Dieser Lebensweg wurde Carl Wolf nicht in die Wiege gelegt. Das amerikanische Altenheim, in dem er bis 1977 arbeitete, schloss seine Pforten. Der bisherige Sozialpädagoge Carl Wolf suchte neue Arbeit ... und schon fand er sich am Eisernen Vorhang wieder. "Es waren zum Glück ruhige Jahre", erinnert er sich.

Trotzdem ließ sich Wolf bald in die Küche versetzen und nahm 1983 seinen Abschied. Mit seiner Erlanger Frau kehrte er in die USA zurück. Zweieinhalb Jahre versuchte er dort wieder Fuß zu fassen. Er verkaufte Schallplatten und Videoanlagen an seine alten Kameraden.

Doch dann übermannte seine Frau Jutta das Heimweh. So kehrten die Wolfs zurück nach Erlangen. Carl arbeitete bei Siemens und versuchte sich als Weinverkäufer. Vor etwa drei Jahren wurde der Neufranke dann bei einem Heimaturlaub in den USA auf ein Plakat der Quäker aufmerksam, das zu Vorträgen mit Noam Chomsky einlud - ein bedeutender Kritiker amerikanischer Außen- und Wirtschaftspolitik.

"Ich war entsetzt", erinnert sich der nun 57-Jährige, als er sich weiter mit den Büchern Chomskys beschäftigte. "Als Amerikaner ist man grundsätzlich Patriot und John F. Kennedy war immer für mich ein Held." Fast konnte er nicht glauben, was Chomsky etwa über die Machenschaften des verehrten Präsidenten in Mittelamerika herausgefunden hatte. Nun bestimmte eine stille Form des Pazifismus Wolfs Leben. "Man muss zuerst mit sich Frieden schaffen und ihn dann in die Welt hinaustragen", zitiert er einen Ausspruch der Quäker.

Zusammen mit seiner Frau engagiert er sich in der Friedensarbeit der örtlichen evangelischen Gemeinde. Mit fünzig Jahren ließ er sich taufen. Inzwischen hatte er spannende Begegnungen mit Kollegen, die früher auf der anderen Seite standen, da sie aus Ostdeutschland oder gar aus Russland kamen. Die Kollegen stoßen immer auf ein offenes Ohr bei ihm.

Andererseits ist einer von Wolfs Freunden immer noch als Zivilangestellter bei der amerikanischen Militärzeitung "Stars and Stripes". In dieser Funktion war er bereits in Kuwait oder im Irak. "In Bagdad berühte ihn ein Bombenangriff kaum noch. Er suchte noch nicht einmal unter der Tisch Schutz, als die Fensterscheiben zu Bruch gingen."

Das ist nicht mehr die Welt des ehemaligen Soldaten Wolf. Ihn prägte, dass an allen Lebensstationen Menschen auf ihn zukamen, denen er Unterstützung geben konnte."Auf meiner Stirn steht wohl ein Schild mit der Aufschrift 'Helfer'" , lächelt der sportliche Mann mit den zupackenden Händen.

Susanne Borée

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