Ein kleines Stück Paradies

Werd im Rahmen
Bildschön liegt Stein am Rhein, wie der Rahmen deutlich machen will. Hier, wo es sichtbar wird, dass der Bodensee zuende ist und der Strom beginnt, wurde schon früh die Inseln Werd zum freiwilligen oder unfreiwilligen Rückzug von der Welt genutzt. Fotos: Bek-Baier

Ein Alemanne trotzt den Franken und ist reif für die Insel - Die Insel Werd im Untersee

Ein kleines Stück "Paradies" nennen die Mönche, die das kleine Kloster bewohnen, ihre Insel Werd. Sie liegt im Ausfluss des Rheins aus dem Untersee. Der Ort an der Grenze zwischen Thurgau und Hegau hat eine lange christliche Vergangenheit und weist in die Zeit, in der Franken und Alemannen um die Vorherrschaft rangen. Eine weitere Station auf der Reise zurück in das mittelalterliche Land um den Bodensee. Es scheint wie in einem jener Märchen, in denen jemand von der Realität über eine Brücke in eine Traumwelt geht. Die Insel im Rhein ist tatsächlich ein kleines Paradies. Man schreitet über einen sehr langen hölzernen Steg auf die fast völlig in üppigem Grün eingewachsene Insel. Im blaugrünen Wasser tummeln sich Fischschwärme. Schwäne ziehen ihre Bahnen. Dann passiert man ein letztes Tor aus Büschen und Ästen der uralten Bäume geformt und steht in einem blühenden Garten.

Wir sind noch immer auf den Spuren des Ulrich Richental aus Kons­tanz und der päpstlichen Explora­dores, den Kundschaftern, die herausbekommen wollten, wie fruchtbar und vielfältig der Thurgau ist. Es sind mehrere Inselchen, die da bei Werd im Rhein liegen. Oder ist es noch der Bo­densee? Offiziell beginnt der Rhein schon in Konstanz. Aber man spricht hier auch vom "Untersee". Irgendwo hier ist es für das Auge sichtbar, dass der Fluss begonnen hat. Die Strömung nimmt zu. Vom Festland geht eine hölzerne Brücke auf die Hauptinsel Werd. Hier befindet sich ein kleines Kloster. Man sieht zunächst ein Haus im gotischen Stil, daneben die kleine Wallfahrtskirche.

Idylle mit Kloster

Heute leben in dem alten Gebäude Franziskanermönche. Die Brüder sind sehr offen für Besucher. Vor allem die Natur, aber auch die prachtvollen Blumenbeete und die Kräuterbeete finden ihre Aufmerksamkeit. Auf Wunsch und bei Anmeldung bekommt man eine Führung.

Bruder Christoph-Maria Hörtner erklärt die Ursprünge: "Werd bedeutet nichts anderes als Insel im Fluss." Die kleine Insel hat eine lange Geschichte, so der Franziskaner. Sie wurde schon in der Jungsteinzeit vor etwa 7.000 Jahren besiedelt. Auch hier wurden Pfahlbauten gefunden. Im Winter 2006 kam es zu einem extremen Tiefstand des Bodensees, was große Uferflächen und prähistorische Objekte freilegte. Einige Fundstücke kann man im Präfektorium des Klosters sehen. Die Römer bauten 50  nach Christus eine gewaltige Brücke zwischen der Schweiz und Germanien und benutzten die Inseln in der Rheinmitte als Brückenpfeiler. Die beiden Brückenteile hatten eine Länge von je 220 Metern und eine Breite von sechs Metern.

Doch seine geistliche Geschichte begann die Insel als Verbannungsort für einen Heiligen. Der Heilige Otmar, Gründer und Abt des jungen Klosters in St. Gallen, stammte aus einem alemannischen Adelsgeschlecht. Das St. Gallener Kloster war christliches Zentrum der Region und Motor für die Christianisierung im Bodenseegebiet und weit darüber hinaus in das heutige Süddeutschland und die Schweiz. Von hier aus wurde auch das heutige Allgäu christianisiert. Insofern war St. Gallen auch ein wirtschaftliches und politisches Machtzentrum. In dieser Zeit kam es zu starken Auseinandersetzungen zwischen dem fränkischen und dem alemannischen Adel, weiß der Thurgauer Historiker Dominik Gügel. 

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