Andacht: Von innen heraus

Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann. Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. Den Geist dämpft nicht. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun.

1.Thessalonischer 5, 14-24

Die Schule hat wieder begonnen. In manchen Klassen werden die Regeln für den Unterricht besprochen und im Zimmer aufgehängt. Sie sollen jederzeit vor Augen sein, und wenn einer wieder einmal losruft, ohne sich zu melden, genügt ein Fingerzeig auf Regel drei: erst melden und warten, bis ich aufgerufen werde. Es ist kein Zufall, dass mir bei der Liste von Ermahnungen die Schule einfällt. Unwillkürlich sehe ich mich in die Rolle des Schülers oder des Lehrers hineinversetzt, der ermahnen bzw. ermahnt werden muss. Das hat mit Autorität zu tun: wer wem etwas zu sagen hat und von wem ich mir etwas sagen lasse oder sagen lassen muss. Altertümliches Symbol dafür ist der erhobene Zeigefinger.

Die gemeinsam erarbeiteten Regeln einer Schulklasse offenbaren ein anderes Verständnis von Autorität. Das zeigt sich darin, dass sich auch Lehrer an die Regeln halten müssen. Denn sie dienen nicht dazu, irgendjemanden zu disziplinieren, sondern dazu, dass der Unterricht gelingt.

Die Ratgeberliteratur ist voll von Lebensweisheiten, die oft ungeniert in der Befehlsform daherkommen. Erwachsene, sonst gegen Autoritäten eher kritisch eingestellte Menschen, lassen sich befehligen. Denn sie erhoffen sich Glück, Gesundheit, Erfolg von den Tipps, Ratschlägen oder Anweisungen. Manches schreibt man sich dann an die Bürotür oder die Pin-Wand, damit man immer wieder Mal daran erinnert wird. Dass es zu diesem Aha-Effekt kommt: Genau das hatte ich mir doch vorgenommen. In der Pädagogik würde man sagen: aus der Motivation von außen ist die von innen geworden, aus eigener Einsicht, ja Freude. Würde ich mir diese neun Sätze abschreiben und über meinen Schreibtisch hängen als goldene Lebensweisheiten? Der eine hat ja bereits einen solchen Status erhalten als oft zitierte Regel: Prüft alles, und das Gute behaltet.

In der Grundschule haben wir zum Beginn am Morgen oft den Liedvers "Gib, dass ich tu mit Fleiß" gebetet. Auch da geht es um "Tugenden". Aber da merkt man eben den Unterschied, ob der Fleiß und die gebotene Arbeit im jeweiligen Beruf und Stand, ob die Pünktlichkeit und rechtzeitige Erledigung der Aufgaben in Gestalt des erhobenen Zeigefingers daher kommt, oder als Bitte von innen heraus.

                         Dekan Hans Peetz, Bayreuth

Gebet:

Gib, dass ich tu mit Fleiß, was mir zu tun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet. Gib, dass ich's tue bald, zu der Zeit, da ich soll, und wenn ich's tu, so gib, dass es gerate wohl. Amen.

Lied 495:

O Gott, du frommer Gott

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