Sigismund
Der deutsche König Sigismund spielte auf dem Konzil seine Trümpfe aus.

"Dann halt ohne Papst"

In Konstanz herrschte Einigkeit darüber, dass das Konzil weiter seine Aufgaben zu erfüllen hätte. Nach eingehenden Diskussionen verabschiedete man das Dekret "Haec sancta". Bis heute kontrovers diskutiert, bedeutet es nichts anderes, als dass ausschließlich ein Konzil in Glaubensfragen entscheiden kann. Christus verleiht seine Gewalt nur der Kirchenversammlung; ihr muss sich jedermann unterwerfen - sei er Papst oder nicht. Eine gewaltige Aussage, deren Auswirkungen bis ins 21. Jahrhundert reichen!Die Eidgenossen profitieren

König Sigismund, selbst aus dem Hause Luxemburg, nutzte die Gelegenheit, um einige offene Rechnungen mit den Habsburgern zu begleichen. Er legte den Herzog in die Acht und forderte seine Untertanen auf, dem Reich zu huldigen. Daher eroberte die Elite des Reichs, die Soldaten der Eidgenossenschaft, in Sigismunds Auftrag den heutigen Schweizer Kanton Aargau. Dort befand sich das eigentliche Stammland der Habsburger mit ihrer namensgebenden Burg. Der König selbst rückte in den Thurgau vor und beseitigte auch dort die Habsburger Herrschaft. So entstand durch die Umstände um das Konzil herum so nach und nach das Gesicht der heutigen Schweiz.

Zwar versuchte Herzog Friedrich noch zu retten was zu retten war und ließ Johannes XXIII. fallen. Aber auch die Gefangennahme des Papstes und seine Rückführung nach Konstanz sowie die Unterwerfung des Herzogs selbst änderten nicht viel an den geschaffenen Tatsachen.

Die Zählung der Päpste

Johannes XXIII. wird als Papst des großen Schismas, der Kirchenspaltung, übrigens später nicht in die Liste der gezählten Päpste aufgenommen. Es handelte sich um Baldassare Cossa,  Sohn des Grafen des italienischen Troia. So kommt es, dass es mit Angelo Giuseppe Roncalli  aus Bergamo 1958 wieder einen Papst dieses Namens geben sollte, der positiv als "Konzilspapst"  oder "der gute Papst" in die Analen eingehen sollte. Solche gute Reputation erfuhr der mittelalterliche Papst Johannes XIII. natürlich nie, der feige und verkleidet mit einem Boot vor seiner Absetzung floh und schließlich eingesperrt wurde.

König Sigismund ließ ihn am 29. April in Freiburg im Breisgau oder Breisach am Rhein gefangen nehmen und befahl ihn bis zur Wahl eines neuen Papstes zu inhaftieren. Dort erhielt er am 31. Mai des Jahres seine vom Konzil ausgesprochene Absetzung, der er zustimmte und damit auch formell auf sein Papstamt verzichtete. Denn nur so konnte ein neuer Papst gewählt werden. Oddo di Colonna, geboren 1368, war keine fünfzig Jahre alt, als er durch das Konklave im Konstanzer Kaufhaus 1417 als Martin V. zum Papst gewählt wurde. Bemerkenswert an seiner Wahl war, dass der Kardinal auf dem Konzil bis dahin nicht besonders in Erscheinung getreten war und zudem aufgrund seiner unehelichen Abstammung einen ungewöhnlichen Kandidaten darstellte.

Mit seiner Krönung zum Papst auf dem Konstanzer Münsterhof konnte die große Kirchenspaltung als beendet gelten. Damit war eine der dringendsten Aufgaben des Konstanzer Konzils bewältigt worden. Andere Probleme blieben auch nach Auflösung des Konzils 1418 offen.

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