Dem geschmiedeten Himmel auf der Spur

Andreas Moser
Mit Blasebälgen muss das Feuer im Schmelzofen auf etwa 1.100 Grad gehalten werden. Von oben werden Holzkohle und Malachit eingefüllt. Im Bild Andreas Moser, Mitarbeiter von Archäologe Trommer. Fotos: Bek-Baier/Archiv

Archäologischer Kurs in Nebra bringt Menschen zu den Geheimnisse des Bronzegießen

Metall bestimmt unser heutiges Leben. Wie schaffte der Mensch den Sprung von der Steinzeit zum Gebrauch von Metallen? Diese Frage bewegte mich, als ich den Kurs "Bronzezeit - Kupfer aus dem Stein" belegte. Und zwar genau dort, wo einer der wertvollsten religiösen Gegenstände unserer Frühgeschichte herstammt: Die Himmelsscheibe von Nebra. Etwas der Natur abzuringen, ein Geheimnis zu entlocken, in der Schöpfung verborgene Zusammenhänge zu begreifen und umzusetzen, das hat seit jeher seinen besonderen Reiz für den Menschen. Und mit eigenen Kräften etwas zu schaffen, etwas Neues, Schönes und Wertvolles auch. Doch das "Wertvollste" war, diese Erfahrungen zu machen und Begegnungen mit interessanten  Menschen zu haben.

Die Hände sind grün, die Hose ist grün. Der Höhepunkt ist der Zuruf eines Mitstreiters: "Martin, du bist ja hinter den Ohren ganz grün!" Nein, es geht nicht um Unerfahrenheit, sondern um lästigen Staub bei der Kupfergewinnung. Ich zerschlage wertvollen Malachit mit einem großen Hammer und verhütte Erz mit Holzkohle - und hoffe Kupfer am Ende des Tages fabriziert zu haben.

Gut, natürlich bin ich unerfahren im Metallgewinnen. Ich fühle mich aber herrlich. Wie ein Mensch der Steinzeit, oder frühen Bronzezeit, der mit Eifer entdeckt, wie er der Natur ihr Geheimnis entlocken und den Schatz heben kann, den sie verbirgt. Als Theologe mache ich mir getreu 1. Mose 1, 18 gerade die "Erde untertan" und erfreue mich mit dem Psalmdichter an den Geschenken der Schöpfung Gottes (Psalm 104).

"So muss sich ein Mensch der Vorgeschichte gefühlt haben", denke ich mir. Also werde ich weiter fleißig Holzkohle in den etwa einen Meter hohen Tonzylinder einfüllen. Unten hat er eine Temperatur von mehr als 1.100 °C. Unvorstellbar heiß. Und auf jede Schicht Holzkohle kommt eine kleine Schicht Malachit. Den habe ich vorher mit aller Gewalt mit einem Hammer in kleine Brocken zerschlagen oder mit meinem eisernen Stößel zu Pulver zermahlen. "Gut dass das Schmuckliebhaber nicht sehen", denke ich mir. Das grünliche Gestein kommt von weither, aus dem Kongo und es wird heutzutage für schöne Schmuckstücke verwendet. Früher hat es dieses Erz wohl auch noch in unsern Breiten gegeben. Aber das ist längst alles aufgesammelt. "Schmuck war früher nicht so wichtig, das Metall war wichtiger", sagt Archäologe Trommer, als er meint, ich lasse aus Ehrfurcht vor dem Material nach. Also haue ich weiter munter drauf. Die Gesteinsbrocken fliegen davon und werden gleich aufgesammelt. Vier Kilogramm werde ich von dem Schmuckstein zerschlagen und verhütten.

"Wir nehmen Metall heute ganz selbstverständlich hin", wird mir bei der anstrengenden Arbeit klar. Alles was wir im Alltag benutzen, hat irgendwie mit Metall zu tun, wurde mit metallenen Werkzeugen hergestellt oder besteht selbst aus Metall. Eisen gab es damals noch nicht. Schon gar nicht den eisernen Hammer, den ich benutze. "Die Menschen der Bronzezeit mussten noch viel mehr Mühen auf sich nehmen, um Kupfer zu gewinnen, als ich heute", wird mir klar.

Naja, und den Staubsauger der umgekehrt als üblich genutzt, Luft in den Ofen bläst, hatten sie früher auch nicht. Da hieß es vor dem glühenden Ofen sitzen und mit Blasebälgen aus Ziegenhäuten Luft zu zublasen. "Bin ich froh, dass ich an diesem heißen Sommertag wenigstens den Staubsauger habe und nicht die ganze Zeit Luft pumpen muss", gestehe ich mir ein.

Archäologe Frank Trommer leitet mich an. "Es gibt einen gewissen Unsicherheitsfaktor ob es gelingt Kupfer aus Erz zu gewinnen", sagt Trommer, der Metallexperte ist. Das war ein erster Hinweis für uns Teilnehmende, dass es nicht so einfach sein wird, Kupfer zu gewinnen, das erste Metall das die Menschheit für sich entdeckte und zu nutzen verstand. "Das Experiment ist nicht ergebnis- sondern erlebnisorientiert", warnt Trommer schon mal vorsichtshalber vor und lächelt dabei wissend.

Es ist warm, die Sonne brennt von oben. Aus dem Verhüttungsofen schlagen unten die Flammen. Wird er zu heiß kann es sein, dass der Ton schmilzt und verglast. Ist er nicht heiß genug, schmilzt das Kupfer nicht aus dem Malachit. Letzteres schließ ich bald aus. "Ich glaube da kommt richtig was raus heute", ermutigt mich Frank Trommer.

Ich mache weiter: Holzkohle einfüllen, 200 Gramm Malachitbrocken auflegen, warten bis es ein Drittel runtergebrannt ist. Das geht je nach Luftzufuhr schnell. Dann wird das Gestein schon kupferrot durch die Wärme von unten. Wieder Holzkohle auffüllen. Die Prozedur wiederholt sich gut zwanzig Mal an diesem Tag.

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