Wo die Seele aufblüht

Doris Bewernitz
Die Berliner Autorin Doris Bewernitz hat ein Buch über ihren Garten geschrieben. Foto: privat

Warum ein Garten glücklich macht

Von vielen unseren Sonntagsblattlesern weiß die Redaktion, dass sie einen Garten haben, den sie hegen, pflegen und sich daran erfreuen. Die Berlinerin Doris Bewernitz hat ebenfalls einen Garten. Mitten in der Großstadt hat sie sich zwischen S-Bahn-Gleisen und Häuserblocks ihr eigenes kleines Paradies "erschaffen". Über diesen Garten hat sie ein Buch geschrieben: "Wo die Seele aufblüht". Am 21. September kommt sie nach Hopferstadt in der Nähe von Würzburg, um daraus zu lesen und mit anderen Gartenfreunden ins Gespräch zu kommen. Inge Wollschläger hat mit ihr über ihre Liebe zum Garten, über Tiere und Beeren und ihre Lieblingsbeschäftigung darin gesprochen.


Sonntagsblatt: Warum macht Sie Ihr Garten so glücklich?

Doris Bewernitz: Ich bin draußen, erlebe ein Stück Erde hautnah und trage dafür Verantwortung. Ich kann zu jeder Pflanze eine Beziehung eingehen: Von der Knospe bis zum Verblühen erlebe ich im Garten viel Leben. Ich kann mein eigenes Obst und Gemüse essen, in Fülle schwelgen (Himbeeren bis zum Umfallen) und mit meinen Gemüseabfällen Regenwürmer glücklich machen.

Die Blaumeisen und Kohlmeisen kennen mich, kommen bis auf den Tisch, sitzen auf dem Rand meines Laptops, wenn ich schreibe, das rührt mich. Sie wissen, dass ich ihnen nichts zuleide tue. Dann gibt es zwei Füchse, die Igel, die Familie Mäusebussard, die Eichhörnchen, die Grünfinken, Distelfinken, Kleiber, Gartenrotschwänze, Drosseln, Stare. Sie alle sind genauso so froh über das kleine Fleckchen Grün in der Großstadt wie ich.

Sie leben in der Großstadt. Wie kann man sich einen Garten da vorstellen?

Es ist ein Schrebergarten, der 1930 angelegt wurde - direkt hinter der S-Bahn. Er ist gut 300 Quadratmeter groß mit einem Haus in der Mitte. Um das Haus gibt es viele vereinzelte Flächen: Rosenwiese, Gemüsebeet, Kirschwiese, Erdbeerbeet. Er ist nicht so richtig verwildert und nicht so super ordentlich und immer zu voll - ich habe zwölf Obstbäume. Um mich herum gibt es noch dreizehn nette Nachbargärten. Erstaunlicherweise hat die direkte Nähe zur S-Bahn nie gestört.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Land- und Stadtgärten?

Ich komme ja ursprünglich vom Land, bin im Garten aufgewachsen. Der damalige war schon mal mindestens fünfmal so groß wie mein jetziger. Gärten auf dem Land sind meistens wesentlich größer. Vielleicht ist es oft pragmatischer, mehr Gemüse und mehr "Nutzanteil" zu haben. Aber vielleicht ist das heute anders. Gärten mit 90 Prozent Gartenzwerganteil habe ich übrigens bisher nur in der Stadt gesehen.

Inwieweit kann ein Garten ein Lehrmeister für das eigene Leben sein?

Irgendwann wird einem klar, dass so ein Garten sowieso macht was er will. Egal, wie sehr man sich anstrengt. Ab dem Punkt wird man demütiger und bescheidener. Ich würde behaupten wollen, jeder lernt im Garten genau das, was er braucht. Vermutlich jeder etwas anderes. Vielleicht auch eine Art des Alters. Es kommt natürlich auch darauf an, ob man versucht, den Garten zu etwas zu machen, was Gartenzeitschriften für den perfekten Garten ausgeben.

Gibt es Lieblingstätigkeiten oder Dinge, die Sie an der Gartenarbeit nicht mögen?

Was ich gerne mache - außer dem "Leben" zuzuschauen ist, Beeren naschen und Gemüse ernten, Brennholz sägen und mit den Nachbarn erzählen.
Ich schleppe ungern schwere Gießkannen, hätte gerne jemanden, der mit umgräbt oder Nacktschnecken einsammelt. Das mache ich persönlich nicht gerne.

Wenn sie in den Garten gehen - was machen sie da zuerst?

Ich koche mir einen Kaffee. Dann gehe ich mit der Kaffeetasse durch den Garten und gucke, was inzwischen passiert ist. Irgendwann merke ich, dass ich die Kaffeetasse nicht mehr in der Hand halte, weil ich entweder Beeren gepflückt oder Rosen hochgesteckt oder in der Erde gewühlt habe. Dann gehe ich die Tasse suchen.

Da mein Garten direkt am S-Bahnhof liegt, kommen viele Freunde vorbei. Manchmal nur kurz auf ein Pläuschchen, einen Kaffee, eine kleine Pause, wenn sie von einer S-Bahn in eine andere umsteigen.

Im Sommer findet eine wöchentliche Autorengruppe im Garten statt, und ich treffe mich dort mit Freunden zum Spieleabend, zum Doppelkopf-Abend und zum Erzählen.

Warum haben Sie ein Buch über "Ein Jahr im Garten" geschrieben?

Mit diesem Buch möchte ich vor allem meine Freude und mein Staunen mit anderen teilen. In so einem Garten bekommen wir vieles geschenkt: Wer von uns kann denn schon machen, dass eine Kartoffel wächst? Nichts davon können wir machen! Jeden Tag kann man das Sterben und die Wiederauferstehung hautnah erleben. Ich merke, wie der Garten meine Haltung zur Welt verändert: Ich bin von Lebewesen umgeben, die einfach nur „da“ sind und nicht ständig nach dem Sinn fragen. Das erdet mich.
  
Die Autorin Doris Bewernitz liest aus ihrem Gartenbuch „Wo die Seele aufblüht – Warum ein Garten glücklich macht“ (ISBN 978-3-451-30936-6) im  Pfarrgarten in Würzburg-Hopferstadt, Sonntag, 21. September, 17 Uhr. www.doris.bewernitz.net  

                          Inge Wollschläger

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