Andacht: Versöhnlich leben, diakonisch handeln

Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen. Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten ... sieben Diakone aus.

Apostelgeschichte 6,1-7

Also doch! Nur weil sie keine Alteingesessenen waren, sondern "Zugereiste", werden sie bei der täglichen Armenspeisung übersehen. Da erzählen die Apostel, dass alle Menschen vor Gott gleich sind, und dann handeln sie scheinbar nicht danach. Sollen sie es wirklich hinnehmen, nicht akzeptiert zu werden? Nein, sie müssen Unrecht beim Namen nennen. "Da erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden."

Die Apostel sind betroffen. Sie spüren die explosive Lage. Dieses Unrecht muss beseitigt werden. Also berufen sie eine Gemeindeversammlung ein. Sie schildern ihre Not: "Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen."

Gleichzeitig besprechen sie den Konflikt mit allen. So werden aus Betroffenen Beteiligte. "Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, ... die wir bestellen wollen zu diesem Dienst." Sieben hauptamtliche Diakone aus der Gruppe der Benachteiligten sollen gefunden  werden, um die Armenspeisung zu organisieren. In dieser Vorgehensweise entdecke ich einen wesentlichen Aspekt christlicher Lebenskunst: Versöhnlich leben. Konflikte wahrnehmen und annehmen, aus Betroffenen Beteiligte machen. Durch Gerechtigkeit Vertrauen wiederherstellen. Versöhnlich leben und diakonisch handeln.

Jetzt werden auch die griechischen Witwen bei der Armenspeisung bedacht. Die urchristliche Diakonie funktionierte wieder. Diakonie war seit Jesus ein Kennzeichen der christlichen Gemeinde und Ausdruck christlicher Lebenskunst. Menschen, die für sich gelebt haben, bekommen einen Blick für andere. "Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann." (D. Bonhoeffer). Die Apostel möchten in der Zuordnung der Aufgaben den Menschen im Gebet und mit dem Wort dienen.

Ich kann das gut nachempfinden. Für mich ist das Gebet ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich bringe die Freude beim Aufstehen über jeden neuen Tag in mein Morgengebet. Die Dankbarkeit beim Frühstück über die Gaben, die mich satt machen, mündet in ein Tischgebet. Ich spüre die Dankbarkeit, dass ich einen Beruf habe, der mir Sinn schenkt und mir auch Freude macht. Da sind die Menschen, die mir am Tag begegnen und mir freundlich zulächeln. Die Kinder im Kindergarten, die sich über meine bloße Existenz freuen und mir zuwinken. Der Gang zum Büro über den wunderschönen Kreuzgang und Klosterhof mit dem sattgrünen Gras. All das bedenke ich in einem kurzen Moment der Stille. Aber auch die Menschen, die mir als Pfarrer begegnen mit ihren Sorgen und Nöten, bewegen mich bis ins Fürbittgebet.

Für die Apostel ist dieses diakonische Gebet mit dem Wort untrennbar verbunden. "Das Wort Gottes aber wurde immer mehr Menschen verkündet. Vor allem in Jerusalem wuchs die Zahl der Christen ständig." Versöhnlich leben, diakonisch handeln, gegründet bleiben im Gebet und Wort. So werden wir "einer dem anderen ein Christus" - wie Luther es formulierte. Dazu wünsche ich uns Gottes Segen.

                         Dekan Friedrich Schuster, Langenzenn

Gebet:

Herr, gib uns Augen für dich und für das, was du uns aufträgst.

Lied 419:

Hilf, Herr, meines Lebens

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