"Jeder ist willkommen!"

Doch werden alle kleinen Menschen ihren Platz in Krippen und Kitas finden?

Der Sandkasten als sommerliche Flusslandschaft. Nein, es ist ein ganzes Sand-Paradies, das die Kleinen mit Wasserrad, Eimern und vielen kleinen Kanälen in der Kindertagesstätte (Kita) "Bärenstark" am Nürnberger Tilly-Park gestalten. Einige matschen selbstvergessen vor sich hin, andere bauen in richtigen Teams Kanäle. Vier Mädchen haben sich mit einem Eimer voll nassen Sandes auf eine Bank zurückgezogen und planen offenbar eine kleine Schlamm-Bäckerei. Alle haben ganz direkt begriffen, welchen Weg sich das Wasser im Sand nimmt. Solche Experimente gehören ebenfalls zum "bärenstarken" Konzept.

Bei kühleren Temperaturen lädt drinnen eine "Bewegungslandschaft" schon die Kleinsten ein, Sprossen-Dreiecke zu erklimmen, durch Tunnel zu kriechen oder Ausblicke von erhöhter Stelle zu genießen. Dies bereits im Krippenalter, teils bevor sie richtig laufen können. Und Kinder mit Behinderungen sollen ebenfalls mithalten, denn Kita arbeitet inklusiv. Schließlich wird sie von der Diakonie Neuendettelsau zusammen mit der Lebenshilfe betrieben. Bis zu einem Viertel der gut hundert Kinder haben einen besonderen Förderungsbedarf oder leben mit einem Handikap.

Doch finden sich nirgendwo Gerätschaften, die behinderten Kindern Hilfestellung geben. Und das ist so gewollt, erklären die Kita-Leiterin Elke Deinhardt-Horseling und Bereichsleiterin Petra Hinkl für die Kindertageseinrichtungen der Diakonie Neuendettelsau stolz. Denn alle Kinder sollen ganzheitlich gefördert werden.

"Jeder ist willkommen!" Das betont Petra Hinkl immer wieder. Doch findet auch jedes Kind einen Platz in einer Krippe oder Kita? Die Zeit läuft: Ab 1. August können interessierte Eltern darauf pochen, für ihr mindestens einjähriges Kind einen Platz in einer Krippe zu bekommen. 

Gerade die Städte hinken da hinterher: In München oder der Metropolregion Nürnberg ist es besonders schwierig, einen entsprechenden Betreuungsplatz zu bekommen. Schließlich legen da auch über 50 Prozent der Eltern Wert auf einen Betreuungsplatz - gegenüber einem knappen Drittel auf dem Land. Bereits Ende 2012 fehlten in Nürnberg rund 3.200 Betreuungsplätze für die Kleinen, davon die Hälfte in Krippen für Kinder unter drei Jahren.

Da springt die Diakonie Neuendettelsau ein: Ein Zehntel des Nürnberger Bedarfs will sie decken. Fünf neue Betreuungseinrichtungen für Kinder entstehen derzeit im Westen und Süden der Frankenmetropole. Evangelische Träger bieten bundesweit rund 70 Prozent mehr Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren an. Mit 500.000 Plätzen in 8.212 Kitas und 71.632 Beschäftigten waren die evangelisch-diakonischen Träger bereits 2010 die zweitgrößten Anbieter bei der Kita-Betreuung. 

Die Fürther Krippe "Am Finkenpark" der Diakonie Neuendettelsau hat bereits gerade ihre Arbeit aufgenommen. Welche Kriterien hat die Diakonie bei der Aufnahme von Kindern? Wohnortnähe und auch Förderbedarf, schon vorhandene Geschwisterkinder, zählt Petra Hinkl auf. Und natürlich sei ein Aufnahmegespräch mit den Eltern wichtig.

Im Laufe des Kita-Jahres 2013/14 werden 813.000 Betreuungsplätze für ein- und zweijährige Kinder geschaffen sein, so Bundesfamilienministerin Kristina Schröder kürzlich. Die gewundene Formulierung macht klar: Das muss nicht sofort sein - erst bis zum nächsten Sommer. Laut Statischem Bundesamt wurden zum 1. März 2013 bundesweit rund 597.000 Kinder unter drei Jahren in einer Kita oder von Tageseltern betreut. Neben der heiß diskutierten "Herdpauschale" entlastet das Bayerische Sozialministerium sehr viel Eltern von Kindern im letzten Vorschuljahr bei den Kita-Gebühren. 

Ab diesem September werden es hundert Euro pro Monat sein. Das reicht in aller Regel für einen Vollzeit-Platz in ländlichen Gebieten ohne Verpflegung. In Nürnberg kostet der ganztägige Besuch städtischer Kitas monatlich 110 Euro und in München gut 200 Euro. In der Kita "Bärenstark" zahlen die Eltern für ihre Kinder ab drei Jahren ohne Verpflegungsgeld 220 Euro. 

Dafür mit Sand-Paradies und durchdachten pädagogischen Konzepten. Im Krippenbereich wird sich an dem "Sprossendreieck" nichts ändern - egal ob demnächst viele Kinder mit Bewegungsschwierigkeiten dazukommen oder nicht. Denn die Geräte sind seit Jahrzehnten pädagogisch durchdacht und fußen auf den Ideen Elfriede Hengstenbergs und Emmi Piklers. "Jedes Kind traut sich genau das zu, was es schaffen kann", erklärt Elke Deinhardt-Horseling - wenn es nicht angetrieben, aufgefangen oder von stolzen Eltern auf die höchste Sprosse gestellt wird. Und wer nicht höher kommt, schafft doch die erste Stufe. Im Herbst kommt ein Junge, der fast blind ist. Dann kommen halt der Stuhlkreis und die Arbeitsplätze in seiner Gruppe ganz nahe ans Fenster - fertig. Auch er wird nicht am Turnen gehindert werden. Alles soll so gestaltet sein, dass es allen nützt. 

Gleichzeitig braucht Neuendettels­au bei der Jagd auf qualifizierte Er­zieherinnen nicht mitzuhetzen. Petra Hinkl zeigt sich entspannt: "Gerade neue Einrichtungen sind für Erzieherinnen deutlich attraktiver, da sie hier das Konzept mit aufbauen können." Die Diakonie bildet auch selbst aus. Die Kita "Bärenstark" hat dann doch personell etwas Besonderes: Heilpädagogen und Heilerziehungspfleger kümmern sich gerade still in einer schattigen Ecke um förderungsbedürftige Kinder. 

                            Susanne Borée

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