Auf das vertrauen, was uns anvertraut ist

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern, mit der Zuversicht bleibt

Denn es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: Er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an. Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht!  

aus Matthäus 25, 14–30

Plötzlich und unerwartet tritt ein Notfall ein, und wir stehen vor der Frage: Wem kann ich anvertrauen, was mir lieb und teuer ist? Wer wird sich um den Hund oder die Katze kümmern? Wen kann ich bitten, dass er meine Pflanzen gießt? Wer gute Nachbarn hat, für den mag die Antwort auf der Hand liegen; oft genug aber finden wir keine einfache Lösung. 

Für den Mann, von dem Jesus in seinem Gleichnis erzählt, geht es um Alles oder Nichts. Acht Zentner Silber besitzt er, unmöglich die auf der Reise mitzuschleppen. Drei Knechte hat er, denen er zutraut, sein Vermögen zu verwalten. Jahre gehen ins Land, bis er zurückkehrt – und aufatmen kann. Keiner seiner Knechte ist mit dem Silber durchgebrannt. Zwei haben sein Vermögen sogar glatt verdoppelt!  

Jesus erzählt eine Beispielgeschichte mitten aus dem Leben. Da sind die, denen Vieles scheinbar mühelos gelingt und die, die das nicht schaffen. Diese Geschichte erzählt, nach den Maßstäben dieser Welt, von Erfolg und Misserfolg. Es geht um das Leben im Hier und Jetzt. Es geht um uns und nicht darum, wie Gott beispielhaft handelt. Ich kann mir unter diesem harten Herrn nicht Gott vorstellen, der am Ende gnadenlos und von unnachgiebiger Härte wie ein Buchhalter nach Verdienst urteilt. Es geht um uns und wie wir in diese Welt gestellt sind. Am Anfang steht die großzügige Gabe. Den Männern wird sehr viel anvertraut. Gott vertraut uns seine Welt an. Er begabt uns gut damit umzugehen.  

Alle werden beschenkt. Auch der dritte Knecht wird begabt. Er sieht aber offensichtlich weniger die Chancen, sondern vor allem mögliche Risiken. Ängstlich und besorgt vergräbt er das ihm Anvertraute.  Das Leben mit seinen vielen Möglichkeiten zieht an ihm vorbei. Es ist tragisch mit anzusehen, und doch eben auch nicht so unverständlich oder gar selten. Ängstlich sein, sich nicht gut genug fühlen, fixiert sein auf den eigenen Mangel, wie schnell kann man in solche Denkmuster verfallen. Gott will aber nicht, dass wir uns auf diese Weise selbst entwerten und geringschätzen. Aus der damit einhergehenden Erstarrung und Lähmung reißt Jesu Gleichnis heraus. Es rüttelt unsanft auf. Gott vertraut uns. Das ermöglicht unbefangenes Vertrauen in ihn, den Geber unserer Gaben. Die Wahrheit für uns alle heißt: Du bist begabt, soviel steht fest. Es ist gut innezuhalten und darauf zu sehen, was mir gegeben und vielleicht tief in mir vergraben ist. Gott begabt jeden und jede. Daran halte ich gerade mit dieser Geschichte fest.

Gemeinsam spiegeln wir den Reichtum der Gaben Gottes wider, jede und jede mit ihren Möglichkeiten. So öffnet sich mitten in diesem Leben der Himmel. Letztlich geht es also um Vertrauen in uns selbst, in einander, in Gott. Ich lasse mich aufrütteln, in meine Begabungen zu vertrauen. Ich bin dankbar für die Menschen, denen ich mich anvertrauen kann, mit allem, was mir lieb und teuer ist. Ohne Vertrauen in Gott schließlich bleiben alle unsere guten Taten ebenso schal wie Gaben und Begabungen, derer wir uns rühmen. Nur wer dieses Vertrauen hat und an ihm festhält, dem wird in dieser Welt anvertraut, aus freien Stücken Gottes Werk zu tun und das Gute zu mehren.  

Dekanin Ursula Brecht, Neustadt an der Aisch