Vorher-Nachher-Shows – Chance für die Kirche?

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Inge Wollschläger im Editorial für das Evangelische Sonntagsblatt aus Bayern

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt von Inge Wollschläger

Manche Dinge macht man lieber heimlich – wie zum Beispiel „Vorher-Nachher-Shows“ zu schauen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: tief bewegend und inspirierend, gemein und mit Schadenfreude bis hin zu denen, die einfach nur ein gutes Ergebnis liefern. Häuser werden renoviert, verunglückte „Schönheitsunfälle“ korrigiert oder unglücklichen Bräuten zum Traumkleid verholfen. Kein Thema bleibt – so scheint es – verschont. Bis auf, Sie ahnen es vielleicht: die kirchlichen Räume. 

Zwar bemüht man sich auch dort, eine gewisse „Vorher-Nachher-Show“ zu etablieren – doch man bleibt unter sich. Die Öffentlichkeit bekommt wenig davon zu spüren, wenn sie nicht aktiv bei „Kirchens“ engagiert ist. Und alle anderen – also die Menschen, die auf dem Steuerbescheid einer Religion angehören und gerne mal zu hohen Fest- und Feiertagen sakrale Räume aufsuchen – wundern sich höchsten, wenn „ihre Kirche“ plötzlich geschlossen ist. Oder der Pfarrer, der früher doch für Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen vor Ort zuständig war, jetzt drei Gemeinden weiter zu finden ist. 

In einem Artikel las ich, dass Kirche ein solches „Vorher-Nachher“ Format sicher auch guttäte – inklusive aller bei diesen Shows üblichen Streitereien, tränenreichen Versöhnungen und einem Ergebnis, dass alle meisten glücklich macht. Alles würde von „Fremden“ (also eine kirchenferne Jury) neugierig unter die Lupe genommen werden: die scheinbar in Stein gemeißelte Uhrzeit für den Sonntagsgottesdienst oder „labbrige“ Oblaten. Es würden die Talare ebenso begutachtet werden, wie überdimensionale Kirchenräume, die nur einmal die Woche genutzt sind. Liebevoll und kreativ würde darüber geschaut werden. Der Staub, der vielem anhaftet, würde gründlich weggepustet werden. In dieser Jury sitzt keiner, der ihn heimlich hütet. Dieses „Kirche einmal neu denken“ könnte aus gänzliche anderen Augen und dem Blick von außen in die Tat umgesetzt werden. Alle auf Hoffnung aufbewahrten Räumen, Dinge und Veranstaltungen hätten die Möglichkeit, in einem ganz neuen Licht zu erscheinen. 

So weit ist jedoch „die Kirche“ anscheinend noch nicht. Und so geht ein Prozess nach dem anderen ins Land, in dem ein bisschen hier und ein bisschen da geschraubt wird. Ob ich persönlich noch einen wirklichen Wandel erleben werde?