Ein Quantum Trost

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über notwendigen Trost

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil; werden wir getröstet, so geschieht es euch zum Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden. Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil. 

2. Korinther 1,3–7

„Ein Quantum Trost“, dazu abgebildet ein smarter Geheimagent, 007 – mit Lizenz zum Töten, lässig die Maschinenpistole und die Pistole in der Hand – James Bond. Spannend dieser Titel, der auf den knallharten und scheinbar emotional verhärteten James Bond abzielt. Ein Quantum Trost braucht jeder – selbst Bond – so ist wohl das Kalkül dieses Titels, und da ist ihm, auch wegen des krassen Gegensatzes zwischen zynischem Filminhalt und Menschen-Sehnsucht, die Aufmerksamkeit sicher.

Trost das ist auch das Thema, auf das der Apostel Paulus seine Aufmerksamkeit lenkt. Ganze zehnmal kommt das Wort „Trost“ oder „trösten“ in diesen wenigen Zeilen vor. Ein großes Quantum Trost! Und ich erlebe es: Es gibt einen riesigen Bedarf an Trost, eben eine Zuwendung an jemanden, der gerade Schmerz erträgt, in einer Welt, die immer schwieriger, immer komplizierter, brutaler und aggressiver und sozial – im Gegensatz zum Klima – immer kälter zu werden scheint. Die Menschen in der Ukraine und die von dort Geflüchteten können dazu fürchterliche Erlebnisse beisteuern. Trost gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen.

Und nicht nur in grausamen Kriegszeiten, in denen viele Menschen versuchen, durch Spenden und praktizierter Nächstenliebe Leid zu lindern, gibt es diese Sehnsucht nach Trost. „Unter jedem Dach ein Ach!“, wusste schon meine Oma. Im Leben eines jeden Menschen gibt  es verzweifelte Situationen, in die er gerät: depressiver Corona-Blues, das Erschrecken über eigene schlimme Fehler, eine unerwartete Krebsdiagnose, der plötzliche Tod eines geliebten Menschen. Ja, unser Leben ist gefährdet und zerbrechlich; in jedem Augenblick kann etwas geschehen, was uns aus der Bahn wirft. Ein gehöriges Quantum Trost ist nötig. 

Paulus schickt dazu einen persönlichen Brief. Und er verweist auf eine grausame, schreckliche Begebenheit. Er, der selber schlimmes Leid erfahren hat, schreibt vom gekreuzigten Christus, der schwach und armselig ist. Einen Elenden, Ohnmächtigen, Erniedrigten, Leidenden, Kranken, Hässlichen. Auch das ist ein zentraler Punkt des Glaubens und wichtiger Inhalt unseres Glaubensbekenntnisses. 

Doch in all den brenzligen Si-tuationen, in aller Angst um sein Leben, in aller Sorge um seine Gemeinden, in seiner ganzen zerbrechlichen Existenz hat Paulus immer wieder seinen Blick auf Jesus Christus gerichtet. Ein großes Quantum Trost ist ihm dadurch zuteilgeworden, und darum ist er selbst imstande zu trösten. Ja, wer selbst getröstet wurde in schwerer Zeit, in schwerem Leid, der kann auch selbst trösten, Wunden verbinden und helfen. 

Dekan Wolfgang Oertel, Münchberg