Auf der besten Route

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Editorial Inge Wollschläger im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt von Inge Wollschläger über Orientierung mitten im Stau

Das Editorial zum Hören:

 

Und zum Nachlesen:

„Du befindest dich auf der besten Route“, sagt mir die freundliche Stimme des Navigationsgeräts. Ich kenne mich in der Gegend nicht aus und bin froh, dass mir bei der Autofahrt so nett zugesprochen wird. Meinem Gefühl nach müsste ich eigentlich schon längst mal nach rechts abgebogen sein – und doch soll es nach 600 Metern nach links gehen. 

Sicherlich kennen Sie auch die Momente im Leben, in denen wir keine Ahnung haben, wo es lang gehen soll. Wo wir nicht wissen, was als Nächstes kommt. Wenn wir uns nicht für einen Weg entscheiden können oder ängstlich sind, was noch alles auf uns zukommen wird. 

Manchmal stehen wird auch im Stau und warten bis sich alle Fahrzeuge durch eine Baustelle gefädelt haben. Neuerdings gibt es dort traurige bis lachende Piktogramme am Wegesrand: Am Anfang einer Baustelle scheint es, als weinen Sie ein bisschen mit uns – wegen allder Unannehmlichkeiten. Gegen Ende muntern sie mit einem lachenden Gesicht und dem Schriftzug „gleich geschafft“ auf. Diese Schilder und die Stimme des Navis manövrieren mich durch alle Strecken hindurch. Ich weiß dann: Alles in bester Ordnung – auch wenn ich es gerade nicht so recht merke. Eine „höhe-
re Macht“ – die Navi–
ga-tionsprogrammierer oder die Autobahnmeisterei – wacht und sorgt  über uns. 

Und ja: manchmal wünschte ich mir so was auch für mein Leben und das meiner Lieben: Eine Krankheit die „bald geschafft“ ist, obwohl man sich doch noch so schlapp fühlt. Ein Lebenskonzept, das nicht mehr aufgeht und man nicht weiß, was nun kommen wird. Ein liebgewonnener Freund, der sich auf einmal nicht mehr melden und man keine Idee hat, warum das so sein mag. 

Da hätte ich gerne eine Stimme, die zu einem – wie im Auto – spricht: „Alles gut. Du befindest dich, auch wenn es sich gerade nicht so anfühlen mag, auf der besten Route deines Lebens. Mach dir keine Sorgen, bald ,ruckelt‘ sich alles wieder zurecht.“

Und dann schickt mir jemand eine Karte, auf der steht der Spruch aus Josua 1, 9t: „Siehe, ich hab dir geboten, dass du getrost und freudig seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott ist mit dir in allem was du tun wirst!“ 

Dieser Zuspruch ist wie das allerbeste Navigationsgerät des Lebens, oder?