„Ein Vorbild an Menschenliebe“

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Die Ärztin und Christusträgerschwester Dr. Christine Schmotzer (links im Bild) mit ihren Kolleginnenen und den Schwestern Annette und Sonja. Foto: Christusträger
Die Ärztin und Christusträgerschwester Dr. Christine Schmotzer (links im Bild) mit ihren Kolleginnenen und den Schwestern Annette und Sonja. Foto: Christusträger

Lepra-Ärztin aus Hersbruck bekam in Pakistan Bundesverdienstkreuz

Im Namen des Bundespräsidenten hat der Deutsche Botschafter in Pakistan Bernhard Schlagheck Dr. Christine Schmotzer, Ärztin und Direktorin des Leprosy Hospital Rawalpindi, mit dem Verdienstorden ausgezeichnet. Dies ist die höchste Ehrung, die die Bundesrepublik Deutschland für herausragende Leistungen an Einzelpersonen geben kann.

Würzburg/Hersbruck/Islamabad. „Dr. Schmotzer ist ein Vorbild wahrer Philanthropie!“, also Menschenliebe, sagte der deutsche Botschafter in Pakistan, Bernhard Schlagheck bei einer Zeremonie in der Deutschen Botschaft im pakistanischen Islamabad. Die Ärztin Christine Schmotzer hat  dabei das Bundesverdienstkreuz erhalten, die höchste Ehrung, die die Bundesrepublik Deutschland für herausragende Leistungen an Einzelpersonen vergeben kann. Der Botschafter fuhr fort: „Vor 33 Jahren beschloss sie als junge Frau, ihr Leben dem Dienst der Menschheit zu widmen. In Rawalpindi und darüber hinaus ist sie weithin bekannt und respektiert als mitfühlende und hingebungsvolle Ärztin, die der Behandlung kranker und bedürftiger Menschen immer Priorität einräumt.“ 

Die gebürtige Hersbruckerin ist Ärztin und Leiterin des Rawalpindi Leprosy Hospital, teilte die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) mit. Die 65-Jährige gehört den Christusträger-Schwestern an. Sie widme ihr ganzes Leben der medizinischen Behandlung von Menschen die an Lepra, Tuberkulose, Augen- oder Hautkrankheiten leiden, so das Hilfswerk. Für ihre Expertise in der Behandlung der multiresistenten Tuberkulose und in der Lepra-Bekämpfung genieße „Dr. Chris“ in Pakistan und weltweit hohe Anerkennung.

Ausbildung zur Lepra-Ärztin 

Schmotzer trat 1976 den Christusträger-Schwestern bei und studierte bis 1981 Medizin in Heidelberg. Als gynäkologische Fachärztin absolvierte sie in Äthiopien eine Fortbildung in Lepra-Kontrolle und wiederherstellender Chirurgie für Lepra-Patienten. 1993 übernahm sie die Leitung des traditionsreichen Lepra-Krankenhauses in der Industriestadt Rawalpindi (RLH) und wurde 1995 Medizinische Direktorin der Organisation „Aid to Leprosy Patients“ (ALP), teilte das DAHW mit. Ihre Klinik ist eines der ersten Krankenhäuser in Pakistan mit einem Behandlungszentrum für multiresistente Tuberkulose. 

Seit 1999 ist Schmotzer auch Ansprechpartnerin für die Lepra in Pakistan bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie brachte das Projekt „Skin Camps“ zur Früherkennung der Lepra auf den Weg. Menschen in von Lepra betroffenen Gegenden mit unterschiedlichsten Hautproblemen und -veränderungen können sich kostenlos untersuchen lassen.

Christusträger wie Christophorus

Der Name Christusträger erinnert an die Legende von Christophorus, teilt die Schwesternschaft auf ihrer Internetseite mit. „Getragen von Christus wollen wir Christus zu den Menschen tragen. So wie wir sind, dürfen wir zu Gott kommen. Wir gehören ihm und er selbst trägt uns. Durch den Glauben wohnt Christus in uns. Er schenkt uns Liebe und Hoffnung, befreit uns zur Freude. Wir möchten anderen an dieser Freude Anteil geben und sie zu einem Leben mit Jesus einladen.“

Der Verein unterstützt seit 1968 die Arbeit der Christus-Trägerschwestern in Pakistan. Schmotzer sei „eine exzellente Partnerin bei der erfolg-
reichen Bekämpfung von vernachlässigten und armutsbedingten Krankheiten wie Lepra und Tuberkulose“. 

Ohne Tracht und Gelübde verstehen sich die Schwestern dennoch als eine ordensähnliche Gemeinschaft, zu der heute nach eigenen Angaben 42 Schwestern gehören. In Deutschland sind sie an vier Orten mit unterschiedlichen Schwerpunkten vertreten. Es sind neben dem  Schwesternhaus Bensheim-Auerbach und dem Schwesternhaus Künzelsau, das Gästehaus Hergershof-Braunsbach sowie Rödermark. Im Ausland wie Pakistan, Argentinien und Brasilien betätigen sie sich vor allem mit medizinischen und sozialen Projekte.