Oh, je, Gott als Mitbewohner?

Martin Bek-Baier
Chefredakteur Martin Bek-Baier, Hintergrundbild von Pixabay

Editorial von Chefredakteur Martin Bek-Baier über sein neues Zuhause

Ich mag mein neues Zuhause. Ein großes altes Haus inmitten eines schönen Gartens. Meine Frau ist Pfarrerin und hat nun eine neue Pfarrstelle angetreten. Dazu gehört die Vorgabe, in dem zur Stelle gehörenden Pfarrhaus samt Familie zu wohnen. Vor wenigen Wochen sind wir umgezogen. Aber bitte besuchen Sie uns noch nicht! Wir haben längst noch nicht alles eingerichtet. Wir wissen nicht wo welche Möbel endgültig stehen und wo die Bilder hängen sollen. Dazu kommt, dass viele Kartons noch nicht ausgepackt sind. Kurz und gut: Es ist noch nicht aufgeräumt und sieht noch sehr – sagen wir mal – kreativ aus. 

Dennoch: Wir fühlen uns hier im neuen Heim schon zuhause. Wir sagen zu uns selber: Ja, das ist unsere neue Wohnung! Wir spüren, das ist unser Platz, wo wir nun hingehören. 

Wenn man umzieht sieht man seine neue Wohnung mit neuen Augen an und beachtet sie besonders. Etwas, das man vielleicht vergisst, wenn man schon länger oder gar immer schon im selben Haus, in der selben Wohnung lebt. Gerade jetzt mit dem Gebot Zuhause zu bleiben, fällt vielen Menschen die Decke auf den Kopf. Ihre Wohnung wird ihnen zu klein, zu alltäglich, zu unattraktiv. Nichts finden sie mehr erstrebenswerter, als ihre Wohnung verlassen zu dürfen. 

Dabei ist ein Zuhause, eine eigene Wohnung doch ein sehr hohes Gut. Wie viele Menschen haben kein Dach über dem Kopf: Obdachlose, Opfer von Naturkatastrophen, die Flüchtlinge am Balkan und auf griechischen Inseln, die in windigen Zelten hausen müssen!

Für uns, die eine Wohnung, ein Haus, ein Zuhause haben, kann das Anlass sein, einmal genauer darüber nachzudenken: Was macht mein Zuhause für mich aus? Wie wohne ich? Was ist gut daran? Und wir könnten uns Gedanken über uns, unser Inneres und unser Verhältnis zum Glauben machen. Die Bibel spricht an mehren Stellen davon, dass Gott oder Gottes Geist Wohnung in uns nehmen möchte, wie zum Beispiel bei Paulus: „Damit Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne.“ (Epheser 3, 17). 

„Oh, je, Gott als Mitbewohner? Jetzt? Da muss ich aber noch gehörig an der Einrichtung arbeiten!“, denke ich bei mir.  Macht nichts. Gott weiß, was er an einer Wohnung in uns hat! Und wenn wir ihn lassen, hilft er mit aufzuräumen und es wohnlich zu machen.